Pascal Ackermanns Sehnsucht ist groß. Das Fahren an der Seite der Kollegen im Peloton, das Sprinten auf der Zielgeraden und natürlich das Hochgefühl des Sieges - viel zu lange musste der deutsche Radprofi auf seine Leidenschaft verzichten. "Der Adrenalinkick fehlt generell. Den kriegt man nur im Rennen", sagte Ackermann dem "SID".
Ab Donnerstag hat das Warten ein Ende. Bei der Sibiu Tour in Rumänien bestreitet der 26 Jahre alte Top-Sprinter mit dem deutschen Team Bora-hansgrohe das erste Rennen seit der Corona-Zwangspause. 133 Tage wird Ackermann seit seinem bislang letzten Auftritt bei Paris-Nizza im März gewartet haben, wenn er am Donnerstag in den 2,5 km langen Prolog startet.
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Ackermann: "Sind in unserer eigenen Blase abgeschottet"

Es werden die ersten Pedaltritte in eine neue Radsport-Normalität, denn die Umstände sind außergewöhnlich. "Wir werden von den Leuten abgeschirmt sein, es wird keine Zuschauer geben", erklärte Ackermann: "Wir sind in unserer eigenen Blase komplett abgeschottet, jedes Team hat einen eigenen Essensraum, wohnt auf einem eigenen Stockwerk."

"Der größte Schritt in meinem Leben": Ackermann über den Sieg, der alles änderte

Nicht allen Teams genügten diese Maßnahmen, hatte doch Rumänien in der Corona-Pandemie zuletzt eine negative Entwicklung zu vermelden. Am vergangenen Freitag sagte deshalb das Team Alpecin-Fenix um den niederländischen Star Mathieu van der Poel seine Teilnahme ab. Die Niederlande haben das südosteuropäische Land angesichts der neuen Infektionszahlen als "Orange Zone" eingestuft, was nach der Rückkehr eine 14-tägige Quarantäne zur Folge gehabt hätte.
Auch das Team Felbermayr Simplon Wels (Österreich) verzichtet, am Montag zogen die Mannschaften Androni Giocattoli und Gazprom-RusVelo nach. Bora-hansgrohe plant den Start nach wie vor.

Bora: Nur mit Deutschen und Österreichern

Das Line-Up besteht nur aus Fahrern aus Deutschland und Österreich. Man habe Rücksprache mit den Behörden in beiden Ländern gehalten, aktuell drohe nach der Rückkehr aus Rumänien keine Quarantäne, "da es sich um ein professionelles Sportevent mit entsprechendem Corona-Konzept handelt", sagte Teammanager Ralph Denk am vergangenen Freitag bei "radsport-news.com".
Am Montag erklärte ein Teamsprecher, dass sich für Bora-hansgrohe nichts geändert habe: "Aber wir beobachten natürlich die Situation." Das deutsche Robert-Koch-Institut hat Rumänien noch nicht als Risikogebiet eingestuft.

Ackermann: "Wir brauchen die Rennen"

Ackermann ist vom sicheren Ablauf der Veranstaltung überzeugt. Sein Fokus liegt auf dem Einsatz auf der Straße. "Wir sind Rennfahrer, wir brauchen die Rennen. Es wird einfach mal Zeit, dass das Training vorbei ist", sagte Ackermann: "Ich bin froh, dass es wieder losgeht und man sieht, wo man steht."
Aus sportlicher Sicht ist die unterklassige Sibiu Tour, die an vier Tagen rund um die gleichnamige Stadt in Siebenbürgen führen soll, aber kein wirklicher Maßstab. Neben Bora-hansgrohe nimmt das Team Israel Start-Up Nation als einziges weiteres aus der World Tour teil. Den Start begründete Ackermann deshalb auch vor allem mit dem Sammeln von Rennkilometern.
"Ich bin ein Typ, der ein paar Rennen zum Reinkommen braucht. Wir wollen jede Chance nutzen", sagte Ackermann, "deshalb haben wir gesagt, dass wir den Weg über Rumänien gehen, um vielleicht einen kleinen Vorteil vor den anderen zu haben." Ein Etappensieg ist das Ziel. Viel mehr gibt das Etappenprofil des Rennens auch kaum her.
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(SID)

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