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Tour de France: Tiefschlag für Cancellara, Dumoulin und Orica durch den Sturz auf der 3. Etappe

Schwarzer Tag für Gelb & Weiß

07/07/2015 um 01:46Aktualisiert 07/07/2015 um 01:51

Durch den schweren Sturz auf der 3. Tour-Etappe sind mehr als nur zwei Träume von Gelb ausgeträumt - und Fabian Cancellara nun Mitglied eines exklusiven Klubs.

Tom Dumoulin, Fabian Cancellara - Tour de France 2015

Manchmal braucht's leider weder Wind noch Regen, weder Kopfsteinpflaster noch Serpentinen, weder Feldwege noch Fahrbahnteiler - der schlimme Sturz auf der 3. Tour-Etappe kam wie aus dem Nichts und hatte umso gravierendere Folgen.

Ja, man muss mit Tony Martin fühlen, der nun wieder das Gelbe Trikot haarscharf verpasst hat. Aber man sollte auch an den denken, der es trotz großem Kampf kampflos abgeben musste - und an den, der beste Chancen auf das "maillot jaune" hatte, nun aber aus dem Rennen ist.

Fabian Cancellara und Tom Dumoulin als Träger der beiden Sondertrikots sind die beiden prominentesten Opfer des Unfalls, doch seine Schockwellen reichen weiter.

Dass etwa Team Orica mit Simon Gerrans und Daryl Impey gleich ein Duo verloren hat und weitere drei seiner Fahrer arg lädiert sind, bringt den australischen Rennstall um alle Chancen im Mannschaftszeitfahren - das die Mannschaft bei der Tour 2013 und im Giro 2015 noch gewonnen hat.

Für Dumoulin war die Etappe die "goldene Chance" auf Gelb, das er wie Martin an den ersten beiden Tagen denkbar knapp verpasst hatte. Die Zielanunft an der "Mauer von Huy" lag ihm besser als den beiden Konkurrenten, doch der Niederländer kam an diesem für ihn so "schrecklichen" Tag gar nicht bis an die Mur.

Umgekehrt war es bei Cancellara ein Beweis seiner enormen Leidensfähigkeit, wie er sich trotz zweier gebrochener Lendenwirbel ins Ziel kämpfte, auch wenn Gelb längst verloren war. Bei seiner wohl letzten Tour musste er ausgerechnet vor "seiner" Kopfsteinpflaster-Etappe die Waffen strecken, nachdem er die Pavé-Klassiker schon im Frühjahr sturzbedingt verpasst hatte.

Damit hat der kleine Kreis jener Fahrer, die das "maillot jaune" sturzbedingt abgeben mussten, ein neues geschundenes Mitglied bekommen. Ehrenmitglied in jenem Klub ist u.a. Rolf Sörensen, der 1991 wie Cancellara noch ins Etappenziel fuhr, am nächsten Tag aber nicht mehr starten konnte. Damals weigerte sich Greg LeMond, am nächsten Tag das "maillot jaune" als Nachrücker zu tragen, wie schon andere Tour-Granden in ähnlicher Situation.

Der letzte Fahrer, der die Tour in Gelb nach Sturz ganz aufgeben musste, war 1998 Chris Boardman auf dem 2. Teilstück in Irland.

Das Unglück von Boardman ist dabei das Glück von Marco Pantani - was oft vergessen wird. Denn der Italiener wird auf jener Etappe im Seitenwind abgehängt und hat schon gehörig Rückstand auf die anderen Favoriten, der sicher bis ins Ziel noch dramatisch angewachsen wäre. Nach dem Sturz des Engländers aber stoppt die erste Gruppe im Feld, was es dem italienischen Kletterer ermöglicht, wieder Anschluss zu finden - und am Ende in Paris ganz oben zu stehen.

Am Ende noch ein Wort zur Entscheidung der Jury, das Rennen zwischenzeitlich zu neutralisieren: Es war die einzig richtige. Wenn alle Rennärzte und Rettungsfahrzeuge im Einsatz sind, kann nicht gleichzeitig Vollgas weitergedonnert werden.

Davon abgesehen wird immer diskutiert werden, wie viele wie prominente Fahrer wie weit vor dem Ziel wie schwer stürzen müssen, bis eingegriffen wird. Da gibt es Konstellationen, in denen sich alle einig sind - und viele Grauzonen, wo mal Fairplay und Solidarität im Peloton die Oberhand behalten, mal aber auch eiskalter Opportunismus.

Eine Mischung daraus haben wir vor fast exakt fünf Jahren, gar nicht so weit von Huy entfernt, bei der Tour erlebt: Damals kamen auf einer durch Öl spiegelglatten Abfahrt zahllose Fahrer in den Ardennen zu Fall. Der Träger des Gelben Trikots ergriff die Initiative und sorgte fast eigenmächtig für eine Neutralistation der letzten Kilometer - auch wenn er so sein "maillot jaune" an den letzten Ausreißer verlor. Sein Name? Fabian Cancellara.

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