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Tour-de-France-Vorschau, 20. Etappe: Großes Finale bei der Bergankunft in Alpe d'Huez

Tour-Vorschau, 20. Etappe: Großes Finale in Alpe d'Huez

24/07/2015 um 23:01

DAS Highlight der Tour kann am vorletzten Tag noch einmal alles auf den Kopf stellen: Die 20. Etappe nach Alpe d'Huez wird über den Sieg entscheiden.

20. Etappe, Modane - Alpe d’Huez , 110,5 km:

L'Alpe d'Huez. Dieser Ort macht Fahrer zu Legenden des Radsports, und heute wird das zum 29. Mal geschehen. Deshalb macht es auch nichts, dass der Kampf um Gelb bereits entschieden scheint, denn der Sieg auf der Alpe ist so wertvoll, dass trotzdem ein heißer Fight um Platz 1 im Tagesklassement entstehen dürfte. Und a propos entschieden: Das dachte man vor zwei Jahren auch, bis Chris Froome dann ausgerechnet hier Probleme bekam, weil er zu wenig Nahrung zu sich genommen hatte.

TagesTour: Eins vorweg: Der heutige Tag verläuft anders, als die ASO es ursprünglich geplant hatte. Denn eigentlich wollte man über den Col du Galibier ins Tal der Romanche an den Fuß der 21 Kehren von Alpe d'Huez kommen. Doch eine Tunnelsperrung wegen Einsturzgefahr auf der Galibier-Abfahrt machte einige Wochen vor Tour-Beginn eine erhebliche Streckenänderung notwendig - das Kuriose: an der Distanz der Etappe änderte das gar nichts.

Von Modane fahren wir das Maurienne-Tal hinunter und durch Saint Michel de Maurienne, wo es eigentlich links ab über den Col du Telegraphe auf den Galibier hätte gehen sollen, nach Saint Jean de Maurienne.

Dort beginnt der Anstieg zum Col de la Croix de Fer (29 km, 5,2 %, HC) auf Straßen, die wir auch gestern schon befahren haben - allerdings größtenteils in der Gegenrichtung. Nach der Passhöhe stürzt sich das Peloton die 25 Kilometer lange Abfahrt nach Allemont ins Romanche-Tal hinunter, während der zwei steile Gegensteigungen warten. Auch diesen Streckenabschnitt kennen wir bereits - von vor zwei Tagen, als es hier hinauf auf den Col du Glandon geht, dessen Passhöhe etwas unterhalb von der des Croix de Fer liegt.

Das ist übrigens der Tipp für alle Tour-Urlauber: Wer hier sein Zelt aufschlägt, der sieht das Peloton an drei Tagen hintereinander. Im Romanche-Tal angekommen führt die Strecke zehn Kilometer flach nach Bourg d'Oisans, wo schließlich der berühmte Anstieg über die 21 Kehren hinauf nach Alpe d'Huez (13,8 km, 8,1 %, HC) beginnt.

KulTour: Alpe d'Huez ist ein typischer, französischer Ski-Ort, in dem Bettenburg neben Bettenburg steht. Mountainbiker sowie dank der Tour de France auch Rennradler im Sommer und Skifahrer im Winter bringen das Geld in den Ort, der aber auch einige große Events zu bieten hat.

Hobby-Rennfahrer messen sich beim Rad-Marathon "La Marmotte", Mountainbiker beim "Megavalanche" und Triathleten beim EDF Alpe d'Huez, der natürlich den berühmten 21-Kehren-Anstieg auf der Radstrecke beinhaltet. Kulturelle Überbleibsel aus früheren Jahrhunderten findet man kaum, so ist selbst die Notre-Dame des Neiges, die Kirche, erst 1970 gebaut worden.

HisTourie: 1952 nahm die ASO den Schlussanstieg nach Alpe d'Huez erstmals ins Programm der Tour auf. Fausto Coppi gewann die 266 Kilometer lange und in Lausanne gestartete 10. Etappe, übernahm Gelb und gab die Gesamtführung bis Paris nicht mehr ab. Anschließend aber dauerte es 24 Jahre, bis man Alpe d'Huez wieder einen Besuch abstattete - und diesmal schien man großen Gefallen an den 21 Kehren gefunden zu haben. Denn seit 1976 gab es nur zwölf Frankreich-Rundfahrten ohne die 1.850 Meter hoch gelegene Zielankunft.

Greg LeMond und Bernard Hinault bei der Tour de France 1986 auf dem Weg nach Alpe d'Huez

Greg LeMond und Bernard Hinault bei der Tour de France 1986 auf dem Weg nach Alpe d'HuezAFP

Übrigens: Die 21 Kehren sind rücklaufend nummeriert und tragen jeweils den Namen eines Siegers - beziehungsweise bis Kehre 15 inzwischen sogar zweier Sieger, weil es mehr Tour-Ankünfte als Serpentinen gab. Den, wohl Doping befeuerten, Streckenrekord hält seit der Tour 1997 Marco Pantani. Er brauchte damals 37:35 Minuten für die Steigung.

Prognose: Langweilig wird es heute mit Sicherheit nie. Schon nach dem Start wird das Tempo in die Höhe schnellen, weil diejenigen, die im Schlussanstieg nicht zu den Schnellsten gehören, sich als Ausreißer einen Vorsprung erarbeiten wollen, um Chancen auf den Tagessieg zu haben. Der Angriffshagel wird anschließend auch in der langen Steigung zum Col de la Croix de Fer weitergehen - und da möglicherweise sogar durch einen der Mit-Favoriten.

Wer Chris Froome das Gelbe Trikot noch wegnehmen möchte, muss heute volles Risiko gehen und den Briten schon hier angreifen. Hinauf nach L'Alpe d'Huez dürfte es schwer werden, ihm die nötigen Minuten abzuknöpfen. Damit das Gelbe Trikot heute doch noch den Besitzer wechselt, braucht es aber ohnehin einen Einbruch von Froome.

In Sachen Etappensieg könnten die Ausreißer tatsächlich erfolgreich sein - das zeigten auch die letzten Ankünft in Alpe d'Huez: Christophe Riblon 2013, Pierre Rolland 2011 und Fränk Schleck 2006 gewannen alle aus einer Spitzengruppe heraus.

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