Urin-Eklat bei Tour de France: Chris Froome hat Recht – und liegt doch total falsch

Urin-Eklat bei Tour de France: Chris Froome hat Recht – und liegt doch total falsch mit seiner Kritik an den Kritikern.

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Fotocredit: Eurosport

Ich kann ihn bestens verstehen – und jeder andere sicher auch, schließlich muss man sich ja nur kurz vorstellen, es würde einem ein Becher mit Urin ins Gesicht geschüttet.
Chris Froome hat also völlig Recht, wenn er die Aktion als "widerlich und respektlos" bezeichnet.
Der Zwischenfall ist um so ernster, da er nicht der erste ist, dem sich die Fahrer des Sky-Teams bei dieser Tour ausgesetzt sehen. Richie Porte wurde von einem Zuschauer geschlagen, ein anderes Mal bespuckt. Auch von Wurf-Attacken mit Getränkedosen wird berichtet.
Sicher, solche Exzesse hat es bei der Tour immer wieder gegeben – doch sie scheinen offensichtlich immer häufiger zu werden. Was in anderen Sportarten mit Stadionverbot oder Hallenverweis bestraft würde, bleibt im Radsport fast immer ungesühnt.
Klar sprechen wir von einer extremen Minderheit unter den Zuschauern, doch ich kann nur sagen, dass ich aktuell nicht mit viel Vorfreude an den Anstieg nach Alpe d’Huez denke.
So sehr ich aber Froomes Zorn und Abscheu verstehe, so sehr muss ich ihm in einem anderen Punkt widersprechen. Die kritische Berichterstattung in den Medien für den Vorfall verantwortlich zu machen, ist verkehrt. Ich kann bestens nachvollziehen, dass der Brite vom permanenten Misstrauen genervt ist, besonders, falls er wirklich sauber sein sollte.
Aber kritische Fragen, unangenehme Analysen und umfassende Recherche müssen unbedingt sein. Die Leistungen von Froome werfen Fragen auf – denen muss weiter nachgegangen werden, unabhängig davon, ob ein Spinner ganz andere Dinge wirft.
War noch was? Ja – vier Dinge, die unverdient etwas untergingen.
Vorweg erst einmal der erste Tour-Etappensieg für das afrikanische MTN-Team, just am MandelaDay und garniert mit dem Scheitern der beiden französischen Lieblinge Pinot und Bardet, denen der Triumph schon sicher schien.
Dazu der Besuch von Michael Rasmussen bei der Tour: Der Kletterkönig, Großdoper und spätere Kronzeuge meint, es sei inzwischen "im Feld sehr viel sauberer" - sieh an....
Unglücksrabe des Tages war Eduardo Sepulveda. Nach einem Defekt am Schlussanstieg stieg der Argentinier kurz in ein Teamfahrzeug und wurde bei seiner ersten Tour disqualifiziert, statt in die Top 15 zu klettern.
Nach der 13. Etappe wurden noch höhnisch die vielen Ehrenplätze von Peter Sagan gezählt. Dass er heute einen großen Schritt Richtung Grünes Trikot machte und auf schwerem Terrain Fünfter wurde, zeigt seine Klasse.
Schließlich gebührt Jean-Christophe Peraud Respekt – allein schon dafür, dass er sich mit seinen Sturzverletzungen durchkämpfte. Aber auch, dass ihm die Kurzaudienz beim Staatspräsidenten unangenehm war: "Andere Jungs sind auch gestürzt, wie heute Roy und Morabito, da möchte ich mich nicht in den Vordergrund drängen".
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