Tour de France 2016: Junge Sprinter-Garde um Coquard dreht auf
Die Tour de France 2016 könnte nicht nur die der "Comebacks" von Marcel Kittel und Mark Cavendish sein - sondern auch die des Durchbruchs einer neuen, jungen Sprintergeneration. Bryan Coquard ist dabei nur das deutlichste Beispiel, doch direkt hinter ihm lauern weitere schnelle Youngster. Wir stellen vier Asse vor, deren Namen man sich für die nächsten Jahre merken muss.
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Fotocredit: Eurosport
Marcel Kittel meldet sich mit einem Sieg zurück, Mark Cavendish gelingt ein Doppelpack, André Greipel fehlen nur Zentimeter zum Triumph und Alexander Kristoff mischt auch weiter mit - die großen Namen des Sprints drücken den ersten Tagen der Tour de France 2016 ihren Stempel auf.
Spätestens das Fotofinish zwischen Kittel und Coquard in Limoges hat gezeigt, dass sich hinter den bekannten großen Namen eine junge Garde heranpirscht. Wer treu das ganze Jahr über die Radsport-Übertragungen bei Eurosport verfolgt, für den sind es keine Unbekannten - der Blick ein Quartett, das jeder Tour-Fan sich merken sollte.
Bryan Coquard (24): Gewogen - und als zu leicht befunden: Das war bis vor kurzem das Urteil über den Franzosen. Als einziger aus unserem Viererpack hat er schon Tour-Erfahrung, zum dritten Mal ist er dabei. Doch bisher war er eher Zählkandidat in den Sprints - oft dabei, aber nie ganz vorn. Der Fokus lag auf seinen Landsleuten Arnaud Démare und Nacer Bouhanni, da galt der Bahn-Spezialist lange nur als Nr.3 im Lande.
Doch Coquard hat 2016 einen eindrucksvollen Sprung gemacht, siegt nicht mehr nur bei mittelwichtigen Rennen in Frankreich, sondern trumpfte im Frühjahr schon in Flandern mit auf und wurde Vierter beim Amstel Gold Race. Der 1,69m-Sprinter schickt sich an, der Konkurrenz in Frankreich den Rang abzulaufen (schon jetzt über zehn Saisonsiege) und sein Team Direct Energie hat nicht ohne Grund ihm die Kapitänsrolle zugesprochen und nicht den alten Recken Sylvain Chavanel oder Thomas Voeckler.
Durch Platz drei in Angers und das Fotofinish gegen Kittel in Limoges (siehe Video ganz unten im Text) ist er schon in der ersten Reihe der Top-Sprinter angekommen.
Video: Coquard vernascht San-Remo-Sieger Démare bei Route du Sud
Sondre Holst Enger (22): Er ist der "Benjamin" der Tour - und doch schon bekannter als ein Großteil des Pelotons. Das liegt einerseits an der ansehnlichen Optik des norwegischen Sunnyboys, andererseits an seinem besonderen Siegerjubel nach dem Triumph auf der Schlussetappe der Kroatien-Rundfahrt im April. Sein Tänzchen zog im Internet Kreise und bei der Teampräsentation der Tour de France gab er auf dem Podium eine erneute Kostprobe.
Danach zeigte er aber, dass er auch sportlich seinen Platz beim größten Rennen des Jahres hat. Auf Rang elf im ersten Sprint ließ er zwei sechste Plätze folgen - jeweils mit großen Namen hinter sich. Eins ist klar: Auch wenn sich sein IAM-Team zum Jahresende auflöst, Enger werden wir weiter in der WorldTour sehen.
Video: Sondre Engers Siegertanz in Kroatien
Daniel McLay (24): Vom kleinsten Team im Rennen, dem französischen Zweitligist Fortuneo, kommt der in Neuseeland geborene Brite. Doch McLay muss sich bei der Tour nicht verstecken, nicht nur angesichts seiner 1,85m Größe. Drei Sprints, dreimal Top Ten - das kann manch' prominenterer Konkurrent nicht vorweisen.
Dass man mit ihm immer rechnen muss, bewies McLay mit seinem irren Sprint zum Sieg im französischen Traditionsrennen GP Denain Mitte April: Aus fast aussichtsloser Position kurvte er noch an der gesamten Konkurrenz vorbei. Wer braucht schon einen Sprintzug, wenn er an guten Tagen solche Beine und ein solches Auge hat...
Video: Der vielleicht beste Sprint 2016 - McLay beim GP Denain
Dylan Droenewegen (23): Haben die Niederländer endlich eine Nachfolger für ihre legendären Sprinter wie Jan Raas oder Jean-Paul van Poppel gefunden? Noch ist es zu früh, dem LottoNL-Talent diese Bürde ans Hinterrad zu heften. Doch sein Tour-Einstieg konnte sich sehen lassen. Der frischgebackene Landesmeister wurde in Limoges Vierter - und das dürfte erst der Anfang sein.
Groenewegen hat sich 2016 enorm gesteigert, schon bei den Eintagesrennen im Frühjahr mischte er fleißig vorne mit und die deutschen Sprinter, allen voran André Greipel und Nikias Arndt, kennen seine Klasse genau: Bei "Rund um Köln" im Juni machte er deren Hoffnungen auf einen Heimsieg dort ein schnelles Ende. Sein Zähler steht bei sieben Saisonsiegen, mit der eindrucksvollste war jener bei der Tour of Yorkshire gegen Caleb Ewan und erneut Arndt.
Video: Groenewegen stürmt zum Sieg in Yorkshire
Schade nur, dass Bora-Sprinter Sam Bennett aus Irland nach seinem Sturz auf der Zielgerade zum Utah Beach nicht zeigen kann, wo er sich im Duell mit der Konkurrenz einreiht - er müsste den Vergleich kaum fürchten.
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