Tour de France 2020: Bringt Corona auch die Frankreich-Rundfahrt zur Absage?

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat den Krieg gegen Corona ausgerufen - und in 14 Wochen soll die Tour de France durchs Land rollen. Angesichts der aktuellen Situation ist es schwer vorstellbar, dass das Radsport-Spektakel im Juli stattfindet. Doch noch hofft nicht nur Tour-Direktor Christian Prudhomme auf den Tour-Start in Nizza am 27. Juni. Zu groß ist die Bedeutung der "Grand Boucle".

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Noch halten die Tour-Organisatoren krampfhaft an den Plänen für das größte Radsport-Spektakel der Welt fest, doch die könnten schon in den kommenden Tagen kippen.
"Tourchef Christian Prudhomme meinte, dass nur ein Weltkrieg die Tour de France stoppen kann. Der Meinung bin ich ehrlich gesagt nicht", sagte der deutsche Radsportstar John Degenkolb in der "Sportschau":
Nicht nur Degenkolb zweifelt daran, dass die Große Schleife am 27. Juni losrollen wird. Angesichts der auch in Frankreich immer dramatischer werdenden Lage ist kaum vorstellbar, dass in drei Monaten ein riesiges Radsportfest gefeiert wird. In einem Land, das schon vor dem Höhepunkt der Pandemie über 2300 Tote zu beklagen hat, sollen wie im Vorjahr 29.000 Polizisten und Feuerwehrleute über zehn Millionen Zuschauer wachen?

Tour de France als Zeichen der Hoffnung

"Die Regierung will das Rennen erhalten, weil es ein großes Zeichen der Hoffnung im Juli sein kann, wenn wir die Krise hoffentlich überstanden haben", sagte Radsportexperte Clement Guillou von der Zeitung "Le Monde" dem "Deutschlandfunk":
Deshalb vermutet Guillou, dass die Verantwortlichen bis Ende Mai mit einer Entscheidung warten könnten. Stimmen werden aber laut, dass Macron und Tour-Organisator ASO nicht um eine zeitnahe Entscheidung herumkommen.

Tour-Start 2021 schon fix - Grand Tour durch drei Länder als Alternative?

Angesichts der strikt auf den Ursprungstermin zugeschnittenen logistischen Planung wäre eine zeitliche Verschiebung nur schwer zu bewerkstelligen. Bei einer Komplettabsage indes würde Startort Nizza, der für die Ausrichtung des "Grand Depart" der ASO eine Millionengebühr bezahlt hat, leer ausgehen: Der Tour-Start 2021 ist fest an Kopenhagen vergeben.
Eine diskutierte "Geistertour" ohne Zuschauer ist kaum realisierbar. Mehr Charme hat die Idee von Vizeweltmeister Matteo Trentin, im Herbst die drei großen Rundfahrten in den schwer coronageplagten Ländern Frankreich (Tour), Spanien (Vuelta) und Italien (Giro) zu einer dreiwöchigen zusammenzufassen. "Es wäre eine großartige Gelegenheit, die Menschen nach dieser schrecklichen Zeit wiederzuvereinen", sagte der Italiener.
(SID)
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