Tour de France - Drei Dinge, die auf der 12. Etappe auffielen: Pidcock ist wie Messi und Geschke jetzt ein Kapitän
VonFelix Mattis
Publiziert 14/07/2022 um 22:04 GMT+2 Uhr
Ein Spektakel vor großartiger Kulisse, aber auch mit sportlichen Highlights – das war die Königsetappe der 109. Tour de France hinauf zur berühmt-berüchtigten Bergankunft in L'Alpe d'Huez. Mit Etappensieger Tom Pidcock wurde ein großer Star des Sports noch größer, doch auch die Gesamtwertung verfestigte sich. Hier sind drei Dinge, die auf der 12. Etappe auffielen.
Highlights: Große Pidcock-Gala und vergebliche Pogacar-Angriffe
Quelle: Eurosport
Der Sieg von Cross-Weltmeister und Mountainbike-Olympiasieger Tom Pidcock in L'Alpe d'Huez wurde - auch wenn sein Potential längst bekannt war – wahrscheinlich zur Geburtsstunde eines neuen Superstars des Straßen-Radsports.
Gleichzeitig meldete sich Tadej Pogacar nur einen Tag nach seinem Einbruch im Kampf um den Tour-Sieg zurück.
Und Simon Geschke konnte, auch ohne selbst zu punkten, noch einmal sein Bergtrikot verteidigen.
Drei Dinge, die beim Spektakel in L'Alpe d'Huez auffielen:
1. Pidcock kann einfach alles
Es wäre falsch zu schreiben, dass Tom Pidcock mal ein ganz Großer werden kann. Denn das ist der 22-Jährige längst. Dazu hat es den prestigeträchtigen Sieg in L'Alpe d'Huez gar nicht mehr gebraucht. Immerhin wurde der Brite im vergangenen Jahr Olympiasieger auf dem Mountainbike und Ende Januar Weltmeister im Cross.
Sein großes Ziel in dieser Saison ist es, alle drei WM-Titel in seinen drei Disziplinen gleichzeitig zu halten: Er will im August in Les Gets Mountainbike-Weltmeister werden und Ende September in Australien auch noch das Regenbogentrikot auf der Straße gewinnen.
Trotzdem hat er mit seinem Auftritt in den Alpen am französischen Nationalfeiertag nochmal ein neues Level erreicht.
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Pidcock strahlt: "An jedem anderen Tag wäre ich abgehängt worden"
Quelle: Eurosport
Der englische Eurosport-Kommentator Rob Hatch verglich ihn mit Fußball-Superstar Lionel Messi. "Messi sieht Passwege, die normale Spieler nicht sehen. Das hat auch Pidcock in sich. Er sieht, wie man um Kurven fahren muss - super selbstbewusst, technisch brillant, auf einem anderen Level", so Hatch mit Blick auf die Abfahrtsfähigkeiten des nur 1,70 Meter großen Huez-Siegers. Pidcock war vom Col du Galibier herunter vom Hauptfeld bis an die Spitze des Rennens gerauscht und hatte dabei beinahe zwei Minuten aufgeholt.
Dass das Offroad-Ass aus Leeds weiß, wie man mit Fahrrädern umgeht, überraschte zwar nicht. Trotzdem ließ er am Galibier wohl alle Zusehenden mit offenen Mündern zurück. Genauso beeindruckend war aber auch das, was er bergauf zeigte.
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Nicht nachmachen! Pidcock rast halsbrecherisch den Galibier hinunter
Quelle: Eurosport
Schon am Col de la Croix de Fer war er klar stärker als alle anderen in der Spitzengruppe. Im Schlussanstieg nach L'Alpe d'Huez dann brauchte er nur einen Antritt, um sie alle schon früh stehen zu lassen. "Ich habe versucht, den Abstand zu ihm zu halten, damit er 100 Prozent geben musste. Aber er war einfach stärker", musste auch Bergfloh Louis Meintjes anerkennen.
Dass Pidcock auf hügeligem Terrain zu den Allerbesten gehört, hat er mit Rang zwei beim Amstel Gold Race 2021 - da unterlag er Wout Van Aert um Millimeter - sowie Top-Ten-Ergebnissen bei Strade Bianche, Fleche Wallonne und der WM 2021 in Belgien bewiesen. Dass er auch mit Kopfsteinpflaster gut klarkommt, zeigte er in diesem Jahr eindrucksvoll bei Dwars door Vlaanderen als Dritter.
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Vorbildlich! Pidcock entsorgt seinen Müll, wie es sich gehört
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Und dass Pidcock auch auf dem Zeitfahrrad zurechtkommt, unterstreicht sein WM-Titel als Junior in der Spezialdisziplin. Zwei Jahre nach seinem Gesamtsieg im U23-Giro d'Italia hat Pidcock in L'Alpe d'Huez nun auch bei den Profis erstmals gezeigt, dass es für ihn sogar bei großen Rundfahrten und im Hochgebirge noch sehr weit gehen kann.
Der Brite ist ein Allround-Ass vom Schlage eines Wout Van Aert und Mathieu van der Poel - nur eben kleiner, leichter und damit bergfester.
2. Cofidis gibt Geschkes Bergtrikot Priorität
Es war ein Krimi bis zur letzten Sekunde - und Simon Geschke bekam es gar nicht wirklich mit. Denn dass der Freiburger sein Bergtrikot auch am Donnerstag in L'Alpe d'Huez mit ins Hotel nehmen durfte, hatte er am Ende vor allem dem Höllentempo der Favoritengruppe zu verdanken. Sepp Kuss nämlich führte Jonas Vingegaard, Tadej Pogacar und Geraint Thomas auf dem Schlusskilometer der Königsetappe noch an Giulio Ciccone heran.
Der Italiener spannte sich sofort vor die Gruppe und gab selbst nochmal Vollgas - wohl in der Hoffnung, dass sie ihn dann auf der Zielgeraden nicht mehr überholen würden. Doch als Pogacar dort dann den Sprint anzog, hatte Ciccone nichts mehr entgegenzusetzen und die acht Bergpunkte für Etappenrang fünf gingen an den Slowenen – genau diese acht Zähler hätte Ciccone gebraucht, um Geschke das Trikot abzunehmen. Beide wären punktgleich gewesen, Ciccone aber wegen des Gewinns der Ehrenkategorie-Wertung am Col de la Croix de Fer das Trikot gehabt.
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Emotionaler Triumph: Pidcocks Ankunft in Alpe d'Huez
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So aber behauptete der Deutsche die Führung in der Bergwertung vier Punkte vor dem Etappenzweiten Louis Meintjes (Intermarché - Wanty - Gobert). Auffällig war dabei, dass Geschke inzwischen auch große Unterstützung in seinem Team Cofidis für den Kampf ums Bergtrikot bekommt. Anthony Perez nämlich war in der Gruppe des Tages und attackierte seine Begleiter am ersten Pass - dem Col du Galibier - um dort der Konkurrenz die Punkte zu stehlen.
"Es war für uns eine gute Situation, weil durch die Spitzengruppe alle Punkte weg waren. Ich habe mich auf meine schärfsten Konkurrenten konzentriert und die waren nicht in der Gruppe", fasste Geschke seinen Tag im Ziel zusammen. Zu Etappenbeginn nämlich war Pierre Latour (TotalEnergies) noch sein ärgster Verfolger, und der schaffte den Sprung in die Gruppe nicht.
3. Pogacar wiedererstarkt - die Besten setzen sich ab
Was auch immer der Grund für den Einbruch von Tadej Pogacar am Ende der 11. Etappe zum Col du Granon war, tags drauf war davon nichts mehr zu spüren. Der Slowene kehrte zu seiner alten Fahrweise zurück und nahm im Schlussanstieg nach L'Alpe d'Huez am Donnerstag das Zepter in die Hand. Er attackierte zweimal, konnte Jonas Vingegaard aber nicht abschütteln.
"Ich habe mich wieder gut gefühlt, viel besser als gestern", sagte er anschließend im Ziel. Auch auf der Zielgeraden sprintete er - wie schon an den anderen Tagen - bis zur Linie und kämpfte so um jeden möglichen Sekunden-Vorsprung. Es ist also damit zu rechnen, dass der Titelverteidiger das Rennen um den Tour-Sieg 2022 in den kommenden Tagen nochmal spannend machen wird.
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Pogacar bläst zweimal zur Attacke - doch Vingegaard bleibt cool
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"Das heute gibt mir Selbstvertrauen", meinte Pogacar. "Am Ende geht es gegen den besten Kletterer. Ich kann mich mit ihm messen und werde ihn angreifen. Jumbo ist stark, aber nicht unschlagbar."
Überhaupt wurde an der Alpe d'Huez der Eindruck der letzten Tage vor der Granon-Etappe nochmal betont: Vingegaard und Pogacar sind die beiden Stärksten bei dieser Tour und Geraint Thomas kristallisiert sich mehr und mehr als die Nummer drei heraus.
Er glänzt vor allem durch seine stoische Ruhe und Erfahrung: Der Tour-Sieger von 2018 lässt sich von den Tempoverschärfungen nicht nervös machen, fährt stets sein Tempo und kann trotzdem noch am besten mit den zwei spritzigen Top-Favoriten mithalten.
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Tour de France Stage 13 profile and route map: Le Bourg d’Oisans – Saint-Etienne
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