Tour de France 2022: Gefahren "nah am Gladiatorentum" - Jens Voigt warnt vor ersten Etappen der Rundfahrt
Die Auftaktetappen der Tour de France 2022 dürften von "vielen Stürzen geprägt sein", fürchtet Eurosport-Experte Jens Voigt angesichts der Streckenführung in Dänemark und Nordfrankreich. Die Teilstücke am Eröffnungswochenende nach dem Einzelzeitfahren bergen aus Sicht des deutschen Tour-Rekordstarters ebenso wie die folgenden Tagesabschnitte im Norden Frankreichs große, grenzwertige Risiken.
Tour-de-France-Strecke: Der komplette Kurs mit allen 21 Etappen
Quelle: ASO
Die ersten Etappen der Tour de France 2022 wecken bei Jens Voigt nicht nur Vorfreude. "Ich bin ein Freund von deutlichen Worten: Es ist superspannend und aufregend für die Zuschauer, aber diese erste Woche der Tour de France ist so nah am Gladiatorentum, wie es nur geht", macht der mehrfache Tour-Etappensieger im Eurosport-Interview deutlich.
"Wir sind nur noch einen Schritt davon entfernt, dass es in der Arena wirklich um Leben und Tod geht", schlägt der 50-Jährige Alarm.
Der Kurs der 2. Etappe und 3. Etappe in Dänemark und die beiden folgenden Tagesabschnitte in Nordfrankreich sind extrem anfällig für Windkantensituationen bzw. durch schmale Straßen und das Kopfsteinpflaster riskant. Diese Kursführung werde für große Hektik und in Konsequenz für viele Stürze im Feld sorgen, prognostiziert Voigt.
"Die erste Woche wird extrem wichtig und stressig. Jeder weiß das und entsprechend wollen alle Fahrer immer an dieser einen wichtigen Kurve vorne sein - aber das geht nicht, da ist eben nur Platz für 20 Fahrer. Darum erwarte ich, dass die erste Tour-Woche auch von vielen Stürzen geprägt sein wird."
Voigt warnt vor Stürzen und Knochenbrüchen
Diese Crashes würden die Veranstalter billigend in Kauf nehmen, beklagt der zweimalige Träger des Gelben Trikots. "Ich nehme mal ein Beispiel aus einer anderen Sportart: Das ist, als ob man bei einem Fußballspiel plötzlich mitten im Match den ganzen Platz einölen würde: Denn dann wird das spannender, die rutschen mehr - wer würde das machen? Kein Mensch!"
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Jens Voigt (l.) bei Teamkollege Frank Schleck nach dessen Sturz-Aus auf dem Kopfsteinpflaster der Tour de France 2010
Fotocredit: Getty Images
Eine ganz besondere Herausforderung hält dabei das Finale der zweiten Etappe am Samstag bereit: "Fast genau 20 Kilometer vor dem Ziel geht es dann auf die Brücke über den Großen Belt - schnurgerade raus aufs offene Wasser für 18 Kilometer. Die Windschutzmauer auf der Brücke ist nur etwa 1,5 Meter hoch, die schützt also die Fahrer nicht komplett", berichtet Voigt, der die Strecke persönlich vor kurzem in Augenschein genommen hat.
"Die Fahrer kommen leicht bergab mit wahrscheinlich 75 km/h wieder ans Festland, da wartet eine 90-Grad-Kurve auf eine etwas schmalere Straße, was auch spannend wird. Dann sind es noch drei Kilometer zum Ziel. Das wird so dramatisch, dass ich fürchte, dass mehrere Favoriten für die Gesamtwertung leider an diesem Tag schon ihre Chancen auf das Podium verlieren könnten und es etliche Stürze mit Knochenbrüchen geben dürfte."
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Tour de France Stage 2 profile and route map: Roskilde – Nyborg
Quelle: Eurosport
Tour-Auftakt: Jeder Tag eine Herausforderung
Voigt teilt daher die Kritik, die etwa die deutschen Profis Simon Geschke und Max Walscheid am Kurs der ersten Tour-Tage geübt haben. "Für die Fahrer ist das ein Knochenjob, sie können diese Risiken nicht vermeiden. Sie trainieren perfekt, versuchen gesund zu bleiben, halten die Coronabestimmungen ein - und dann zerstört eine Situation die Arbeit von sechs Monaten", gibt Voigt zu bedenken.
"Bei dieser Tour ist nichts mit Einrollen, jeder Tag ist super wichtig für alle, die das Gelbe Trikot wollen. Auf jeder Etappe in der ersten Woche haben die Organisatoren eine Herausforderung eingebaut. Sei es Seitenwind, Kopfsteinpflaster oder ein fieser kleiner Berg am Ziel, wie in Calais, und dann die erste Bergankunft auf der siebten Etappe. Der Spruch ist alt, aber da kann man das Rennen wirklich an jedem Tag schon verlieren. Die Fahrer werden mental schon völlig geschlaucht aus der ersten Woche herauskommen", erwartet der zweimalige Gesamtsieger der Deutschland-Tour.
Das komplette Interview mit Eurosport-Tourexperte Jens Voigt zu den Favoriten der Rundfahrt und den Chancen der deutschen Starter gibt es hier am Mittwoch und Donnerstag in voller Länge!
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Tour-de-France-Strecke: Der komplette Kurs mit allen 21 Etappen
Quelle: ASO
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