Bergankünfte bringen's nicht ... (1952): Im Unterschied zu den großen Pässen in Alpen und Pyrenäen, die seit den frühen Tour-Jahren im Programm stehen, ist der Wintersportort Alpe d'Huez ein "Spätzünder".
Erst 1952 gibt er seine Tour-Premiere auf der zehnten Etappe, gebührend begangen durch einen Solo-Sieg von Fausto Coppi.
Erstmals in der Tour dabei ist auch das TV, allerdings noch nicht mit Live-Bildern, sondern die Filmrollen gehen per Nachtzug ins Studio für die Nachrichten am nächsten Mittag.
Die Begeisterung über den neuen Anstieg ist übrigens überschaubar: "Nichts spricht dafür, sich um Bergankünfte zu bemühen", so das Fazit in "L'Equipe" am Tag danach.
Tour de France 1952: Fausto Coppi auf dem Weg zum Premierensieg in Alpe d'Huez
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Doppelt hält besser! (2013): Zur 100. Tour-Auflage ein besonderes Highlight – gleich zweimal werden die 21 Serpentinen in einer Etappe ins Programm genommen. Kritiker wittern Dopingzwang, Fahrern blicken eher besorgt auf die gefährliche Abfahrt dazwischen, die vom Col de la Sarenne (Bild unten) ins Tal führt.
Am Ende kommen alle heil an, auch wenn Chris Froome schwächelt, weil der aus dem Teamwagen nicht verpflegt wird (Elektronikpanne beim Jaguar nach ausgelaufener Kühlbox…). Den Sieg holt der Franzose Christophe Riblon unter dem Jubel der Fans.
Sturz mit happy end (1999): Weniger tragisch endet die Schrecksekunde 22 Jahre später, als Giuseppe Guerini von einem fotografierenden Fan zu Fall gebracht wird.
Der Italiener ist schnell auf dem Rad und kann sich den Sieg noch sichern, der Zuschauer entschuldigt sich abends im Hotel beim Telekom-Profi.
Wende auf den Kehren (2008): Vom eigenen Teamkollegen aus dem Gelben Trikot gefahren zu werden ist besonders bitter. Das Schicksal erlebt Frank Schleck (2006 selbst Sieger in Alpe d'Huez) zwei Jahre später. CSC hat neben dem Luxemburger als zweiten Trumpf noch Carlos Sastre in der Hinterhand im Kampf mit Cadel Evans.
Im Anstieg setzt Sastre alles auf eine Karte und attackiert vom Start weg - und was als erster Test der Konkurrenz gedacht war, wird zur Siegesfahrt, denn der Spanier kommt als Solist durch, die zweite Angriffswelle von Schleck wird nie gezündet. Der Vorsprung von 2:03 Minuten ist Rekord für eine Ankunft in Alpe d'Huez und der entscheidende Schritt zum Gesamtsieg.
Carlos Sastre in Alpe d'Huez bei der Tour de France 2008
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Sieg ohne Jubel (1991): Gianni Bugno steigt in den Kreis der Doppelsieger auf, wie ein Jahr zuvor ist er im Sprint den letzten Begleitern überlegen. Doch der Italiener feiert seinen Sieg nicht: "Ich dachte, dass sich noch Fahrer vor uns befunden hätten", gesteht der Kapitän des Gatorade-Teams, "und ich wollte nicht als Idiot dastehen".
Pech hat Luc Leblanc, der Franzose wird von einem Zuschauer zu Fall gebracht, sonst wäre vielleicht mehr als Rang drei möglich gewesen.
Feinde hinter der Fassade (1986): Es ist eines der ikonischen Bilder der Tour - Bernard Hinault und Greg LeMond Hand in Hand auf der Zielgeraden in Alpe d’Huez. Die Teamkollegen haben die Konkurrenz abgehängt und der Franzose übergibt das Zepter an seinen Kronprinz aus den USA.
Doch der Schein trügt, das Team ist zerstritten, beide Stars wollen den Tour-Sieg, der Burgfrieden hält nur notdüftig.
Greg LeMond and Bernard Hinault | Tour de France 1986
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Der Gelbe Fluch: Etliche große Namen der Tour-Geschichte haben nie in Alpe d’Huez gewonnen, wie etwa Fünffach-Sieger Miguel Indurain oder Siebenfach-Bergkönig Richard Virenque. Besonders gespalten ist das Verhältnis von Laurent Fignon zu Alpe d'Huez gewesen:
Dreimal übernimmt der Franzose dort nach der Zielankunft Gelb - aber nie gelingt ihm der ersehnte Etappensieg im Wintersportort. Die Plätze fünf, zwei und drei stehen für ihn zu Buche, aber zweimal trägt er Gelb bis Paris - nur 1989 folgt noch das dramatische Ende gegen Greg LeMond ...
Frauen mit Finale (1992): Was es bei den Männern noch nicht gibt, haben die Damen bei ihrer Premiere sofort im August 1992 als Highlight: Das Finale der "Grande Boucle féminine" im August in Alpe d’Huez. Und die Ausgangslage am neunten und letzten Tag ist packend: Leontien van Moorsel führt mit neun Sekunden vor Jeannie Longo. Die Französin attackiert fast pausenlos, kann die Niederländerin nicht abschütteln, die auf den letzten Metern vorbeizieht und Etappe wie Rundfahrt gewinnt.
Zehntausende Fans feuern die Frauen im Anstieg an, die TV-Übertragung bringt starke Quoten.
Fest im Griff der "Flachländer": Die Niederländer haben Alpe d'Huez lange fest im Griff, die Zweifach-Siege von Joop Zoetemelk (1976/79), Hennie Kuiper (1977/78), Peter Winnen (1981/83) sowie Steven Rooks (1988) und Gert-Jan Theunisse (1989) sorgen dafür, dass das Bergdorf eine Pilgerstätte für Oranje wird.
Allerdings liegt auf manchem Sieg ein Schatten, Theunisse etwa wird beim Doppelsieg mit Landsmann & Teamkollege Rooks 1988 mit zehn Strafminuten wegen Dopings (und zwei weiteren wegen Handgemenge mit einem Sportlichen Leiter) belegt.
Peter Winnen (r.) setzt sich 1983 in Alpe d'Huez bei der Tour de France durch
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Arbeitstag bis Alpe d'Huez (1976): Heute kaum vorstellbar, aber es dauerte nach der ersten Erklimmung nicht weniger als 24 Jahre, bis Alpe d'Huez wieder bei der Tour auftaucht (und dann aber zum festen Inventar wird).
Doch 1976 springt die Skistation eigentlich nur für Grenoble als Etappenort in die Bresche, wo sich die Tour-Organisatoren eine Absage einhandeln. Der Sieg geht an Joop Zoetemelk knapp vor Lucien van Impe nach selbst für damalige Zeiten extremen 8:31:49 Stunden Fahrt - und dabei steht extra nur ein weiterer Berg (Col du Luitel) mit auf den 258 Kilometern.
Der letzte Fahrer im Ziel macht mit seinen 9:02:28 eine "Überstunde" im Vergleich zum normalen Arbeitnehmer ...
Der Eindruck täuscht (2008): Die Tour hat schon in den Pyrenäen ihren Skandal um Riccardo Ricco & Co gehabt, scheint in den Alpen aber auch Kritikern sauberer. Selbst Paul Kimmage, einer der profiliertesten Dopinggegner, sieht im völlig erschöpften Träger des Bergtrikots hinter der Ziellinie in Alpe d’Huez den Beweis, dass der Radsport sich sauberer präsentiert.
Leider ist jener Fahrer aber der zwar total erledigte, aber eben auch massiv gedopte Bernhard Kohl ...
Tour de France 2008: Ein erschöpfter Bernhard Kohl in Alpe d'Huez
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Unfall-Eklat und Ohnmacht (1977): Als Solist ist van Impe auf dem Weg Richtung Gelb, da wird der Titelverteidiger auf der 17. Etappe von einem Begelitfahrzeug umgefahren. Er verliert den Etappen- und wohl auch Tour-Sieg.
Doch auf Bitte der Organisatoren hält sich der Belgier mit Protesten zurück. Gesamtsieger wird Bernard Thévenet, der bis an den Rand der Bewusstlosigkeit kämpft und in Alpe d'Huez das "maillot jaune" um acht Sekunden gegen Tagessieger Hennie Kuiper rettet. Das Ende hingegen kommt für nicht weniger als 30 Fahrer, die an diesem Tag aus dem Zeitlimit fallen.
Aldag auf Abwegen (2003): Alpe d’Huez ist der Gral der Kletterer und deren Erkennungszeichen ist das Bergtrikot. Doch im Jahr 2003 müht sich ein langer Deutscher im gepunkteten Leibchen die Kehren hinauf, der so gar nicht von einem leichtfüßigen Bergfloh hat.
Rolf Aldag trägt nach einem Ausreißversuch am Vortag das "maillot à pois" in Vertretung für Richard Virenque in Gelb.
Tour de France 2003: Richard Virenque und Rolf Aldag (r.) vor dem Start Richtung Alpe d'Huez
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Amateur hängt alle Profis ab (1984): Zum zweiten Mal sind die Amateure aus Kolumbien bei der Tour dabei - und in den Bergen belächelt sie keiner mehr. Luis Herrera wird mit seinen 23 Jahren schon zur Legende, denn sein Solo gegen alle
Asse wie Fignon, Hinault, Millar oder LeMond die Serpentinen hinauf ist der erste kolumbianische Etappensieg der Geschichte. "Lucho" wird zum Volksheld - und gewinnt 1985 und 1987 das Bergtrikot der Tour.
Lucho Herrera auf dem Weg zum Triumph in Alpe d'Huez 1984
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Der Blick nach dem Bluff (2001): Lance Armstrong greift in die Trickkiste. Vor dem Schlussanstieg sind schon die schweren Bergwertungen zum Glandon und Madeleine zu erklimmen und plötzlich sieht man den Texaner am Ende der Favoritengruppe: Das Gesicht verzerrt, der Tritt mühsam, die Brille auf die Stirn geschoben. Verwunderung bei den Beobachtern, gerade auch in den Teamfahrzeugen der Konkurrenz.
Johan Bruyneel gibt sich im TV-Interview ahnungslos bis geschockt, der Plan von US Postal scheint aufzugehen. Telekom macht Tempo, erst mit Jens Heppner, dann mit Andreas Klöden und Kevin Livingston: Ullrichs Helfer lassen Kräfte vor dem Finale. Dort zeigt Pokerface Armstrong, wie es wirklich um ihn steht: Mit Teamkollege Jose Luis Rubiera donnert er in die ersten Rampen hinauf nach Alpe d'Huez hinein, dreht sich noch einmal zu Ullrich um - und wird im Ziel 1:59 Minuten Vorsprung herausgeholt haben.
Lance Armstrong gibt Jan Ullrich 2001 in Alpe dÄHuez "The Look" bei der Tour de France
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Skandal kostet Sieg & Spitze (1978): Schimpf und Schande treffen Michel Pollentier am 16. Juli bei der Tour 1978: Der Belgier stürmt an diesem Sonntag in Alpe d'Huez erst zum Etappensieg und ins Gelbe Trikot, doch der Skandal lässt nicht lange auf sich warten: Bei der Dopingkontrolle wird er dabei erwischt, wie er den Kontrolleuren Fremdurin unterjubeln will.
Der Mitfavorit muss seinen Koffer packen, obwohl er um Nachsicht bittet: "Ich habe den Betrug gar nicht ausgeführt, sondern ihn nur geplant. Vielleicht war die von mit abgegebenen Probe sogar sauber!"
Michel Pollentier packt bei der Tour de France 1978 nach seinem Aus den Koffer
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Pantanis Rekordfahrten: Über die Bestzeiten hinauf nach Alpe d'Huez gibt es mache Streitereien - unterschiedliche Startpunkte der Messungen über die Jahre hinweg ein Grund. Doch egal wie man die Sache angeht, Meister aller Klassen ist Marco Pantani. Er hält auf den 13,8 Kilometern gleich die drei besten Zeiten, erzielt in den Jahren 1994, 1995, 1997.
Selbst Lance Armstrong ist im Bergzeitfahren 2004 nicht schneller. Mehr muss man dazu auch nicht sagen.
Alpe d'Huez: Marco Pantani im Spalier der Fans bei der Tour de FRance 1995
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Spuckendes Spalier (2004): Ein lange gehegter Traum der Tour-Organisatoren wird wahr - ein Bergzeitfahren die 21 Serpentinen hinauf. Menschenmassen drängen sich am Berg, doch die fröhlich-friedliche Stimmung kippt teilweise unschön.
Jens Voigt wird von deutschen Fans teils übel beschimpft, weil er tags zuvor für seinen Kapitän Ivan Basso die Verfolgung auf Jan Ullrich übernommen hatte. Und Lance Armstrong wird vielfach bespuckt, was ihn aber nicht davon abhält, souverän zu siegen und den vor ihm gestarteten Basso sogar zu überholen.
Einzelzeitfahren bei der Tour de France 2004: Lance Armstrong in Alpe d'Huez
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Sieg des Saubermanns (1992): Viele der Siege in Alpe d'Huez sind mit Doping erzielt worden, deshalb gilt es besonders, den Erfolg von Andy Hampsten herauszustellen. Der US-Amerikaner triumphiert auf einer mit Croix de Fer und Galibier extrem schweren Etappe und feiert "seinen schönsten Sieg" auf 1850 Metern Höhe.
Der Motorola-Profi, entschiedener Dopinggegner und dennoch Giro-Sieger 1988, hat einen Ehrenplatz verdient, der weit über die ihm zugewiesene Kurve 5 hinausgeht.
Denkmal & Doppelpack (1979): Zweimal Alpe d'Huez gibt es nicht erst 2013, sondern schon 34 Jahre früher. Da aber nicht in einer Etappe, sondern an zwei Teilstücken hintereinander als Schlussanstieg. Das erste Teilstück gewinnt Joaquin Agostinho als Solist - der Portugiese ist mit 37 Jahren der älteste Sieger in der langen Liste.
Fast hätte es auch nach dem Ruhetag erneut für ihn gereicht, doch ein Reifenschaden wirft ihn acht Kilometer vor dem Ziel zurück - es bleibt Rang vier mit einer Minute Rückstand. Fünf Jahre später stirbt Agostinho nach einem Rennunfall in seiner Heimat - ein Denkmal in Kurve 14 erinnert an ihn.
Alpe d'Huez: Das Denkmal für Agostinho
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Tour-Legende Alpe d'Huez: Stars, Stürze und Fan-Spektakel an 21 Kurven
Quelle: Eurosport