Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Cleverem van der Poel fehlen am Berg die nötigen Watt pro Kilogramm

Die großen drei Bergetappen warfen ihren Schatten voraus - hätte man meinen können. Doch auf der 12. Etappe der Tour de France war absolut nichts davon zu spüren, dass irgendjemand hätte Kräfte sparen wollen, bevor es am Freitag zur Bergankunft am Grand Colombier und am Wochenende in die Alpen geht. Trotzdem endete der Tag mit einem Ausreißersieg für Ion Izagirre. Drei Dinge, die auffielen.

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Quelle: Eurosport

Seit 2008 hatte Cofidis keine Tour-Etappe gewonnen, als der französische Rennstall am 1. Juli in Bilbao am Start der 110. Frankreich-Rundfahrt stand. Einen Tag später jubelte Victor Lafay in San Sebastian und nun hat Ion Izagirre sogar den zweiten Erfolg für den Traditions-Rennstall eingefahren.
Für Izagirre war es nach der 20. Etappe 2016 in Morzine der zweite Tour-Etappensieg seiner Karriere.
Nur ein Fahrer ließ in der Geschichte der Tour de France mehr Zeit zwischen seinem ersten und seinem zweiten Tageserfolg vergehen: Izagirres heutiger Teamchef Cedric Vasseur gewann 1997 die 5. Etappe in La Chatre und zehn Jahre später in Marseille - im letzten Jahr seiner Karriere.
Doch nicht nur Izagirre und das Team Cofidis prägten die Geschichte der 12. Etappe ins Beaujolais.
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Quelle: Eurosport

Drei Dinge, die auffielen:

1. Van der Poel fehlten die nötigen Watt pro Kilogramm

Viele Chancen, bei dieser Tour de France selbst auf Etappensieg zu fahren, bekommt Mathieu van der Poel nicht. Mit Jasper Philipsen hat sein Team den stärksten Sprinter an Bord und so zielt Alpecin - Deceuninck immer auf einen Massensprint, wenn der im Bereich des Möglichen ist. Für van der Poel bedeutet das: Er muss an den richtig harten Tagen, die nicht im Hochgebirge ausgetragen werden, in die Offensive gehen.
Zwischen Loire und Saone hat er das am Donnerstag geschafft und das Rennen rund 55 Kilometer vor Schluss dann selbst in die Hand genommen. Van der Poel wusste, dass er am steilen Col de la Croix Rosier im Finale mit den besten Kletterern der Spitzengruppe nicht würde mithalten können. Also griff er taktisch geschickt schon vorher an und nutzte dabei eine seiner größten Fähigkeiten: das Bikehandling in der Abfahrt.
So fuhr der Niederländer 40 Sekunden Vorsprung heraus, doch am Ende reichte das trotzdem nicht. 3,5 Kilometer vor dem Gipfel des Col de la Croix Rosier war seine Flucht vorbei und er wurde durchgereicht.
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Auf der Grasnarbe! Van der Poel riskiert alles in der Abfahrt

Quelle: Eurosport

“Ich habe mich noch nicht so gut gefühlt, aber es war viel besser als an den letzten Tagen. Ich war am Ende an meinem Limit", sagte van der Poel, der seit zwei Tagen nach eigener Aussage an einer Erkältung leidet und gab zu: "Ich habe alles gegeben, weil ich wusste, dass es diese Woche meine letzte Chance ist, aber ich war nicht einmal knapp dran am Sieg."
Vorwerfen musste sich van der Poel nichts, denn taktisch war er sehr geschickt vorgegangen und am Ende fehlten einfach die nötigen Watt pro Kilogramm, um bergauf mitzukommen. Nun liegt seine Hoffnung auf den Etappen 18 und 19, wo er freie Fahrt bekommen dürfte, wenn Philipsen sich nach einer knappen Woche in den Alpen nicht frisch genug für einen Sprintsieg fühlt. "Hoffentlich kann ich mich noch steigern", meinte van der Poel - und in der Leistungssteigerung liegt bei der Tour ohnehin sein Fokus. Denn van der Poels Top-Form soll erst zwei Wochen nach Tour-Ende so richtig wirken - im WM-Straßenrennen von Glasgow.

2. Kein Schongang vor den großen Bergen

Dass der Kampf um die Plätze in der Ausreißergruppe des Tages an diesem Donnerstag toben würde, war klar. Ein schneller und harter Etappenbeginn war daher vorprogrammiert. Doch dass es letztlich fast 90 Kilometer dauerte, bis die Gruppe wirklich stand, lag vor allem an den Klassementfahrern. Die nämlich gaben ebenfalls Vollgas, anstatt sich vor den drei schweren Bergetappen am Freitag, Samstag und Sonntag zu schonen.
"Ich bin nicht überrascht, dass es heute schwierig war, wir wussten, dass es so laufen würde wie vor zwei Tagen. Aber ich bin auf Nummer sicher gegangen, wir haben darauf geachtet, dass sich niemand Gefährliches in der Ausreißergruppe befindet", sagte Tadej Pogacar im Ziel und machte damit deutlich, dass vor allem die Angst der Männer im Kampf um Gelb, Podium oder Top 5 dafür sorgte, dass das Rennen so hart war - frei nach der Devise: Wenn wir es nicht unter Kontrolle halten können, fahren wir eben selbst Vollgas, damit uns nicht aus Versehen ein wichtiger Gegner entwischt. Wer kann, der kann.
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Geheimcode oder Gag? Teamfunk-Highlights der 12. Etappe

Quelle: ASO

So entstand ein Highspeed-Rennen, das jenes von der 10. Etappe sogar noch übertrumpfte. "Die sind gefahren, als würde es kein Morgen geben. Das Tempo war enorm, sie hatten bei 1.500 Höhenmetern einen 47er Schnitt nach zwei Stunden", fasste Bora-Sportdirektor Rolf Aldag gegenüber "radsport-news.com" zusammen.
Dem Mann im Gelben Trikot, Jonas Vingegaard, der selbst munter mitmischte und immer wieder auch das Tempo erhöhte, scheint das ohnehin gefallen zu haben. Er hat am ersten Ruhetag bereits angedeutet, dass ihm eine schwere Tour entgegenkomme, weil er hofft, das große Duell gegen Tadej Pogacar letztlich über die Ausdauer zu gewinnen. "Die Konsequenzen dieser harten Fahrweise werden wir in der dritten Woche sehen", versprach er, in der Hoffnung, dass Pogacars Verletzungspause aus dem Mai bei der Ausdauerfrage letztlich am meisten zum Tragen kommen wird.

3. Es ist nie vorbei: Buchmann und Co. kommen spät zurück

Der Sturz von David De La Cruz (Astana Qazaqstan) gut 140 Kilometer vor dem Ziel in der Abfahrt nach dem ersten Bergpreis des Tages sorgte für weitreichende Turbulenzen: Durch ihn wurden einige Fahrer - darunter Emanuel Buchmann und Vingegaards Berghelfer Sepp Kuss, aber auch die auf den Plätzen sechs und sieben der Gesamtwertung rangierenden Zwillinge Adam und Simon Yates - aufgehalten, und das Peloton zerrissen.
Die Yates-Brüder schafften es mit einem großen Kraftakt gerade noch rechtzeitig nach vorne zurück, doch da das Tempo vorne nicht gedrosselt wurde, fielen Buchmann, Kuss und Co. zwischenzeitlich bis zu vier Minuten hinter das erste Favoritenfeld zurück. An ihrer Seite bangten auch Louis Meintjes und Ben O'Connor um ihre Positionen in den Top 20 der Gesamtwertung.
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Aber: Sie steckten nicht auf, kämpften um den Anschluss und wurden schließlich belohnt. Als nach 90 Kilometern bei den Favoriten endlich Ruhe einkehrte, weil nun die 15-köpfige Ausreißergruppe des Tages gefunden war, machten die Abgehängten wieder Boden gut. Sie nutzten den flacheren Mittelteil der Etappe im Tal der Saone, um drei Minuten aufzuholen und schafften schließlich den Anschluss nach rund 100 Kilometern in der Verfolgung doch wieder.
Ähnlich war es am Dienstag bereits den Franzosen David Gaudu (Groupama - FDJ) und Romain Bardet (DSM - firmenich) ergangen, die in der Anfangsphase der 10. Etappe zurückgefallen waren, schon mehr als zwei Minuten zurücklagen und um ihre Top-Ten-Plätze bangen mussten, dann aber durch großen Krafteinsatz ihrer Teams doch nochmal zurückkamen. Auch da war Hartnäckigkeit und Geduld der Schlüssel - und das Vertrauen darin, dass sich das Rennen an der Spitze irgendwann Mitte der Etappe würde beruhigen müssen.
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Stage 13 profile and route map: Chatillon-sur-Chalaronne - Grand Colombier

Quelle: Eurosport

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