Tour de France - Drei Dinge, die auffielen: Pogacar lässt Kräfte, aber erarbeitet sich Vorteile
VonFelix Mattis
Publiziert 02/07/2023 um 23:56 GMT+2 Uhr
Mit einem Sensationssieg des Franzosen Victor Lafay (Cofidis) ist die 2. Etappe der Tour de France in San Sebastian zu Ende gegangen. Der 27-Jährige düpierte mit einer Attacke an der 1.000-Meter-Marke das Team Jumbo – Visma und schnappte Wout Van Aert so den ersehnten Sieg weg. In der Gesamtwertung gab es kleine Verschiebungen dank Zeitbonifikationen. Hier sind drei Dinge, die dabei auffielen.
Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard könnten sich abermals duellieren
Fotocredit: Getty Images
Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard haben ihren Angriff am Jaizkibel zwar nicht bis ins Tagesziel durchgezogen, doch die beiden Top-Favoriten unterstrichen mit ihrem Antritt vor dem Bergpreis trotzdem ihre Ausnahmestellung.
Dabei ging nach dem Samstag auch am Sonntag der Slowene als Punktsieger aus dem Duell hervor.
Für einige Sekunden ins Rampenlicht fuhr sich im Finale von San Sebastian Emanuel Buchmann, aber auch sein Kapitän Jai Hindley scheint gut in Form zu sein.
Und mit Tagessieger Lafay schickt sich einer an, bei dieser Tour zum Shootingstar zu werden, den vorher nur wenige so richtig auf dem Schirm hatten.
Drei Dinge, die auffielen:
1. Pogacar lässt Kräfte des Teams, aber sammelt Sekunden
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Und auch Tadej Pogacar hat bei dieser Tour an den ersten beiden Tagen schon einige Körner liegen lassen – vor allem die seiner Teamkollegen, die auf der Jagd nach Bonussekunden gerade am Sonntag sehr viel arbeiten mussten. Doch wer weiß, wofür das in drei Wochen in Paris gut gewesen sein könnte?
Durch seine zwei dritten Plätze in den Etappenzielen von Bilbao und San Sebastian, sowie seinen ersten Rang am 'Bonus Point' auf dem Jaizkibel ergatterte der Slowene nämlich insgesamt bereits 16 Sekunden Zeitgutschrift. Vingegaard kommt bislang nur auf deren fünf, so dass Pogacar in der Gesamtwertung nach zwei Tagen elf Sekunden vor dem Titelverteidiger liegt.
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Quelle: Eurosport
"Wir haben nicht gewonnen, aber es war trotzdem ein guter Tag", bilanzierte er deshalb zufrieden. Denn so nah beisammen wie die beiden Top-Favoriten auf den Tour-Sieg leistungsmäßig zu sein scheinen, so wichtig könnten diese elf Sekunden in der Endabrechnung nach drei Wochen sein – und vor allem: Pogacar übt damit Druck auf Vingegaard aus, der nun der Jäger ist und im Verlauf der Tour in die Offensive gehen muss. Sicher, das war vor einem Jahr bereits genauso und dann drehte Vingegaard den Spieß mit einer konzertierten Aktion seines Teams über den Col du Galibier und zum Col du Granon hinauf um. Doch das muss man eben auch erstmal wiederholen, so ganz ohne Primoz Roglic.
Dass außerdem in Belgien heiß über die Team-Dynamik bei Jumbo – Visma diskutiert wird und man Vingegaard dort kritisiert, er würde Van Aert zu wenig helfen, dürfte nicht spurlos am Dänen vorübergehen. So marginal wie die Bonifikations-Gewinne von Pogacar rein faktisch also wirken, psychologisch hat der Slowene momentan klar die Oberhand – auch wenn er in San Sebastian zugab, dass sein Handgelenk nach einem Tag voller Erschütterungen auf unebenen baskischen Straßen etwas schmerzte.
2. Buchmann und Hindley sind bei der Musik
Ein paar Sekunden fuhr Emanuel Buchmann in San Sebastian im Rampenlicht: Als er gut fünf Kilometer vor dem Tagesziel attackierte, setzte Wilco Kelderman für Jumbo – Visma aber nach und schloss die Lücke wieder. Trotzdem blieb unterm Strich, dass der Deutsche Meister zu den Spitzenfahrern dieser Tour gehört. Denn viel wichtiger als der Versuch, die Konkurrenz in der Zielanfahrt zu überrumpeln, waren die Erkenntnisse vom langen Anstieg zum Jaizkibel.
Dort nämlich fuhr Buchmann an der Seite von Kapitän Jai Hindley stets in den vordersten Positionen und kam gut mit über die Kuppe. "Das war ein guter Auftakt. Heute das war eine Bestätigung von gestern, dass die Form ganz gut ist und ich bin zuversichtlich für die weitere Tour", zog der 30-Jährige mit Blick auf das Auftakt-Wochenende eine erste Zwischenbilanz. Ähnlich klang das auch bei Hindley, der sich bislang keine Blöße gab und die ersten beiden Etappen als Siebter sowie Neunter beendete und jetzt Gesamtachter ist.
3. Lafay macht den Frust vom Vortag vergessen – geht da noch mehr?
Mit einem extrem klugen Schachzug hat sich Victor Lafay in San Sebastian den Etappensieg und das Grüne Trikot gesichert. Er ließ zunächst zahlreiche Konkurrenten attackieren, so dass sich das Team Jumbo – Visma sowie sogar Wout Van Aert selbst beim Abwehren der Angriffe verausgaben konnten. Dann schlug der 27-jährige Franzose eingangs des Schlusskilometers mit viel Schwung von hinten selbst zu.
"Jumbo-Visma hatte bereits viel Arbeit geleistet und ich sah, dass Wout nicht mehr selbst fahren wollte", schilderte er den Moment seines Angriffs. "Als ich antrat, machte ich mir keine Gedanken darüber, ob es funktionieren würde. Dann sah ich, wie die Ziellinie immer näher kam und gleichzeitig meine Wattwerte immer mehr sanken. Ich habe dann die Zähne nochmal zusammengebissen und es hat gereicht. Einfach verrückt!"
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"Komplett krank": Lafay überrascht Stars und sich selbst mit Coup
Quelle: Eurosport
Es war ein grandioser Coup, der ihm seinen bislang größten Erfolg bescherte. Doch Lafay beeindruckte nicht nur deshalb am Auftakt-Wochenende der Tour, weil er sich in San Sebastian taktisch geschickt verhielt. Der Mann aus Lyon hatte bereits am Samstag geglänzt und war in der steilen Rampe der Cote de Pike am Rande von Bilbao der Einzige, der Pogacar und Vingegaard folgen konnte. Dann verpasste er zwar den Angriff der Yates-Brüder und ärgerte sich darüber anschließend sehr. Doch die Erkenntnis, dass er in überragender Form ist, blieb schon da hängen.
Jetzt darf man gespannt sein, wie weit es Lafay bei dieser Tour bringt. Während Kapitän Guillaume Martin, der die Top Ten in Paris zum Ziel hat, an den ersten beiden Tagen bereits 1:41 Minuten einbüßte, rangiert Lafay zwölf Sekunden hinter dem Gelben Trikot auf Gesamtrang vier. Vielleicht rückt sogar die Gesamtwertung in seinen Fokus?
Von seinen bislang drei dreiwöchigen Rundfahrten fuhr er zwar nur eine zu Ende. Trotzdem aber gewann er 2021 bereits eine Bergankunft beim Giro d'Italia aus einer Ausreißergruppe heraus und scheint in diesem Sommer so stark wie nie zu sein.
Übrigens: Auch bei der Tour war er schon mal erfolgreich, allerdings nicht als Profi. 2018 nämlich entschied er das Jedermannrennen L'Etape du Tour für sich. Nun beendete er die 15-jährige Durststrecke des Teams Cofidis in Sachen Tour-Etappensieg.
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Stage 3 profile and route map: Amorebieta-Etxano - Bayonne
Quelle: Eurosport
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