Tour de France 2023 - Drei Dinge, die auffielen: Georg Zimmermann findet seinen Angstgegner
VonFelix Mattis
Publiziert 11/07/2023 um 22:10 GMT+2 Uhr
Ein völlig wilder Auftakt und ein Krimi mit deutscher Beteiligung im Finale - das war die 10. Etappe der Tour de France von Vulcania nach Issoire. Was im Vorfeld wie ein normaler Tag für die Ausreißer ausgesehen hatte, endete mit dem Sieg von Pello Bilbao über Georg Zimmermann in einer sechsköpfigen Gruppe auch als solcher. Davor aber steckte noch viel mehr drin. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Zimmermanns mutiger Ritt bleibt unbelohnt
Quelle: Eurosport
Die ASO hatte sich etwas fieses einfallen lassen: Gleich die ersten sieben Kilometer nach dem Ruhetag führten bergan.
Beinahe hätte das die zwei in der Gesamtwertung bestplatzierten Franzosen aus den Top Ten katapultiert.
Bei brutaler Hitze von knapp 40 Grad wurde das zehnte Teilstück im Zentralmassiv zu einer extrem intensiven Aufgabe, an deren Ende Sommer-Liebhaber Georg Zimmermann (Intermarché - Circus - Wanty) beinahe das deutsche Tour-Märchen 2023 geschrieben hätte.
Und auch wenn die 10. Etappe für die Ausreißer wie gemacht schien, so ließ es sich auch Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) mal wieder nicht nehmen, Jonas Vingegaard (Jumbo - Visma) auf den Zahn zu fühlen.
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Bitteres Finish: Zimmermann verliert Pokerspiel gegen Bilbao
Quelle: Eurosport
Drei Dinge, die auffielen:
1. Zimmermanns falscher Gang macht Bilbao zu seinem Angstgegner
Schon bevor die Tour in Bilbao begann, war klar: Die 10. Etappe könnte etwas für Georg Zimmermann sein. Der Augsburger hatte mit seinem Tagessieg beim Critérium du Dauphiné Anfang Juni Top-Form bewiesen und das Teilstück zwischen Vulcania und Issoire war mit seinem schweren Profil, aber nicht allzu hohen Bergen und der möglichen Ankunft einer Ausreißergruppe wie für ihn gemacht. Schließlich hat Zimmermann auch einen starken Punch für Gruppen-Sprints.
Und beinahe hätte es geklappt, beinahe hätte er sich den Traum vom Tour-Etappensieg - sein großes Karriereziel, wie er nach dem Rennen erklärte - erfüllt. Im Finale war er neben Pello Bilbao (Bahrain Victorious) und dem drei Kilometer vor Schluss gestellten Solo-Ausreißer Krists Neilands (Israel - Premier Tech) der Stärkste in der Spitzengruppe. Zimmermann attackierte kurz vor der 1.000-Meter-Marke und nur Bilbao konnte ihm folgen.
Im Sprint-Duell aber wurde der Baske schließlich zum Angstgegner des 25-Jährigen. "Als ich mich nach meiner Attacke 600 Meter vor dem Ziel umgeschaut habe und ihn hinter mir sah, habe ich mir schon gedacht, dass es schwer wird", sagte Zimmermann im Ziel. Im vergangenen Jahr hatte er gegen Bilbao bereits auf der Schlussetappe der Deutschland Tour in Stuttgart im Sprint den Kürzeren gezogen.
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"Zimmermann war unglaublich": Die Analyse der Eurosport-Experten
Quelle: Eurosport
In Issoire nun pokerte der Baske besser, verschleppte das Tempo, als er nochmal die Führung übernahm und zwang Zimmermann so 400 Meter vor Schluss nochmal an die erste Position. Entscheidend aber war dann wohl die Gangwahl des Deutschen: "Ich habe 3-400 Meter ausprobiert, ob ich auf dem dicksten oder zweitdicksten Gang sprinten möchte, weil es nicht so einfach ist, während des Sprints den Gang zu wechseln. Dann habe ich mich selbstbewusst für den dicksten Gang entschieden", erzählte er und musste gestehen: "Den habe ich dann nicht so wirklich gut rumgebracht."
Während Bilbao neben ihm spritzig durchzog und zum Sieg spurtete, kam Zimmermann nur sehr schwer ins Rollen und kam am Ende im Windschatten des Basken zwar nochmal stark auf, doch es war zu spät. "Man darf bei der Tour de France keine Chancen liegen lassen, weil es super schwer ist, in die Situation zu kommen, dass man hier was abstauben kann. Von daher überwiegt jetzt eher, dass ich um zwei, drei Meter am größten Sieg meiner Karriere vorbeigeschrammt bin, als dass ich mich über den zweiten Platz und meine guten Beine freuen kann", sagte er.
Wer den angriffslustigen Augsburger kennt, weiß aber: Das dürfte nicht der letzte Ausreißversuch von Zimmermann gewesen sein.
2. Pogacar gegen Vingegaard - wann immer es bergauf geht...
Wann immer es bei dieser Frankreich-Rundfahrt einen Berg hoch geht, so hat man das Gefühl, entbrennt der Kampf um den Tour-Sieg. So war es auf der 10. Etappe schon nach sieben Kilometern soweit, dass Tadej Pogacar und seine wichtigsten Berghelfer Adam Yates und Rafal Majka Vollgas gaben und den Attacken der Etappenjäger nachsetzten, sodass plötzlich eine 22-köpfige Gruppe mit extrem prominenter Besetzung 40 Sekunden vor dem Hauptfeld fuhr - vorne mit dabei: Simon Yates (Jayco - AlUla), Romain Bardet (DSM - firmenich) und auch der Mann in Gelb, Jonas Vingegaard mit seinem wichtigsten Berghelfer Sepp Kuss (Jumbo - Visma). Der Titelverteidiger hatte gut daran getan, schon ab Kilometer null konsequent am Hinterrad von Pogacar zu kleben, um solche Situationen nicht zu verpassen.
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"Pogacar wollte Vingegaard provozieren": Psychospiel um Gelb
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Bis in den zweiten Anstieg hinein dauerte es, dass die Gruppe vom durch die Ineos Grenadiers und Bora - hansgrohe angeführten, jagenden Verfolgerfeld wieder gestellt wurde. "Tadej griff vom Start weg an, sodass ich ihm natürlich folgen musste", sagte Vingegaard und Pogacar meinte, als ob er selbst erstmal gar nichts dafür gekonnt hätte: "Die Fahrer machen das Rennen hart und heute war es teilweise verrückt. Es wurde dann aber ruhiger. Ich wollte gerne fahren und wenn wir weitergemacht hätten und Ineos nicht mehr zurückgekommen wäre, dann wäre das heute ein ganz anderes Rennen geworden. Da hätte es große Abstände gegeben!"
Die Zeit, als bei der Tour nur die designierten Bergetappen und Zeitfahren das Gesamtklassement formten, sie sind mit der aktuellen Fahrergeneration endgültig vorbei.
3. Der Tag nach dem Ruhetag ist immer tückisch - Franzosen hatten Glück
Der Wiedereinstieg nach einem Ruhetag, er wird einigen Fahrern immer wieder zum Verhängnis. Und weil die 10. Etappe am Ortsausgang von Clermont-Ferrand sofort mit einem Anstieg begann, wurden einige Fahrer direkt nach dem Start schon auf dem falschen Fuß erwischt. Bora - hansgrohe für Jai Hindley und die Ineos Grenadiers für Carlos Rodriguez und Tom Pidcock retteten mit vollem Krafteinsatz die erste brenzlige Situation des Tages - man war nicht weit genug vorne, als Pogacar und Vingegaard mit ihren wichtigsten Helfern sowie auch Romain Bardet und Simon Yates über die erste Kuppe davonfuhren.
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Van Aert gibt Rätsel auf: Experten "haben wenig Erklärung"
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Doch als im zweiten Anstieg dann noch einmal die Post abging, bekamen sowohl Bardet als auch der Vorjahresvierte David Gaudu große Probleme. "Ich habe einige Minuten lang den Preis für den harten Start gezahlt. Ich bin am Anfang in den roten Bereich gegangen, und dafür musste ich danach bezahlen", gestand Bardet später im Ziel und konnte letztlich von Glück reden:
Er und Gaudu hatten zwar schnell zwei Minuten Rückstand, doch ihre Teams gaben danach mehr als 30 Kilometer lang alles - besonders hervorzuheben: Stefan Küng - um wieder zum ersten Feld zu kommen. Als dort dann endlich die Luft raus und 14 Ausreißer weggefahren waren, schaffte man den Anschluss. "Die Jungs haben großartige Arbeit gemacht und die Lücke nochmal geschlossen. Danach bin ich ganz ordentlich durchgekommen", so Bardet in Issoire erleichtert.
Der schnelle Auftakt von Clermont-Ferrand aber, er war ein schmerzhafter Warnschuss - auch hinsichtlich des zweiten Ruhetags, nach dem mit dem Einzelzeitfahren eine sehr wichtige Etappe warten wird.
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Stage 11 profile and route map: Clermont-Ferrand - Moulins
Quelle: Eurosport
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