Tour de France - Pogacar schlägt zurück, aber Vingegaard holt Gelb
VonFelix Mattis
Publiziert 06/07/2023 um 17:27 GMT+2 Uhr
Tadej Pogacar hat den Gegenschlag geschafft! Der Slowene vom UAE Team Emirates hat in Cauterets-Cambasque die 6. Etappe der Tour de France gewonnen und mit einer Attacke 2,7 Kilometer vor dem Ziel der zweiten Bergetappe in den Pyrenäen 24 Sekunden auf Jonas Vingegaard (Jumbo – Visma) herausgefahren. Der dänische Titelverteidiger aber übernahm das Gelbe Trikot von Jai Hindley (Bora – hansgrohe).
Highlights: Pogacar durchbricht die Jumbo-Phalanx
Quelle: Eurosport
"Ich würde es nicht 'Rache' nennen, aber es ist süß, heute zu gewinnen und ein bisschen Zeit zurückzuholen. Ich bin schon etwas erleichtert. Es geht mir besser", freute sich Pogacar im Sieger-Interview und reagierte damit auf die Frage, ob das die süße Rache für den Vortag gewesen war.
"Die Leistung, die Jonas gestern gezeigt hat, war unglaublich. Als Jumbo am Tourmalet so schnell gefahren ist, dachte ich ‘Scheiße, das wird heute wie gestern, wir können unsere Sachen packen und nach Hause fahren‘. Zum Glück hatte ich heute gute Beine. Am Tourmalet konnte ich recht gut folgen. Zum Schluss habe ich den richtigen Moment abgewartet und angegriffen."
Der Australier Hindley konnte schon am Col du Tourmalet 52 Kilometer vor dem Ziel nicht mehr folgen, als das Team Jumbo – Visma mit Wilco Kelderman, Sepp Kuss und Vingegaard attackierte und das Rennen um den Tour-Sieg eröffnete. Nur Pogacar blieb am Jumbo-Trio dran.
Trotzdem erreichte Hindley das Tagesziel als Tagessechster und somit Drittbester der Klassementfahrer 2:39 Minuten nach Sieger Pogacar. Damit behauptete sich der Bora-hansgrohe-Kapitän auf dem Podium der Frankreich-Rundfahrt.
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Brutaler Antritt: Pogacar entscheidet Berg-Showdown gegen Vingegaard
Quelle: Eurosport
Hindley liegt jetzt 1:34 Minuten hinter dem Gelben Trikot von Vingegaard. Pogacar ist 25 Sekunden hinter dem Dänen Gesamtzweiter. Auf dem vierten Gesamtrang folgt der Brite Simon Yates (Jayco – AlUla), der das Etappenziel mit Hindley erreicht hatte.
"Mein Rückstand ist jetzt fast perfekt. Es wird ein großer Kampf bis zur letzten Etappe", sagte Pogacar in Cauterets-Cambasque mit Blick auf die Gesamtwertung und das Duell um den Tour-Sieg.
Emanuel Buchmann verrichtete auf dem Weg zum Schlussanstieg Schwerstarbeit für Hindley, scherte dann knapp sechs Kilometer vor Schluss aus und büßte noch über vier Minuten ein. Dadurch fiel der Deutsche, der als Edelhelfer von Hindley in die Tour gestartet war, aus den Top Ten der Gesamtwertung heraus.
Während Vingegaard das Gelbe Trikot übernahm, behauptete Etappensieger Pogacar seine Führung in der Nachwuchswertung und trägt daher weiter Weiß. Das Grüne Trikot bleibt auf den Schultern von Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck), das Bergtrikot übernahm der US-Amerikaner Neilson Powless (EF Education – EasyPost) vom Österreicher Felix Gall. Powless hatte in der Ausreißergruppe des Tages die entscheidenden Punkte gesammelt und hat nun 36 Zähler auf dem Konto, Gall 28.
So lief die 6. Etappe der Tour de France:
Sofort mit dem Startschuss lancierte Wout van Aert (Jumbo – Visma) die erste Attacke und auch wenn das Hauptfeld noch sieben Kilometer dagegenhielt, so bildete sich schnell eine 15-köpfige Spitzengruppe, der auch Julian Alaphilippe (Soudal – Quick-Step) und Tobias Halland Johannessen (Uno-X) angehörten. Sie bekam nach gut 20 Kilometern noch Begleitung von einem Quintett um Neilson Powless (EF Education – EasyPost), so dass 20 Mann die Ausreißergruppe des Tages bildeten.
Im Hauptfeld kontrollierte Bora – hansgrohe das Tempo, aber da Alaphilippe mit über sieben Minuten Rückstand der gefährlichste Ausreißer für das Gelbe Trikot von Jai Hindley war, bestand kein Grund zur Hektik für das deutsche WorldTeam.
Bis zum Col d'Aspin hatte Bora – hansgrohe das Zepter in der Hand und hielt den Abstand stets bei unter 3:30 Minuten. An jenem ersten der drei schweren Berge des Tages löste Jumbo – Visma die deutsche Mannschaft bei der Tempoarbeit aber ab und schraubte das Tempo hoch. In der Spitzengruppe aber machte ihr Teamkollege van Aert dasselbe und so blieb der Abstand konstant, nur das Rennen wurde härter und schneller.
In der Abfahrt vom Aspin in Richtung Col du Tourmalet gab Jumbo – Visma das Zepter im Peloton nochmal an Bora – hansgrohe ab und der Rückstand zur Spitze wuchs erstmals auf über vier Minuten. Am Tourmalet aber wiederholte sich das Bild: Jumbo – Visma übernahm im Feld und Van Aert fuhr vorne Tempo. Am Hinterrad des Belgiers schmolz die Spitzengruppe im 17 Kilometer langen Anstieg auf fünf Mann zusammen und Johannessen gewann den Ehrenkategorie-Bergpreis.
Kelderman und Kuss zerlegen das Favoritenfeld
Doch dahinter ging nun die Post ab. Am Ortseingang von La Mongie, knapp fünf Kilometer vor dem Gipfel des Tourmalet, schraubte Wilco Kelderman das Tempo im Feld ruckartig brutal in die Höhe und nur noch Sepp Kuss sowie Vingegaard, Pogacar und Hindley blieben bei ihm. Der Australier im Gelben Trikot aber hielt das nur einen knappen Kilometer durch und fiel dann ins weiterhin recht große Favoritenfeld dahinter zurück.
Vor ihm löste Kuss hinter La Mongie Kelderman ab und machte nochmal einen guten Kilometer sehr viel harte Arbeit, bevor dann Vingegaard seine erwartete Attacke ritt. Der Däne konnte Pogacar aber nicht abschütteln und das Duo fuhr gemeinsam mit einem Höllentempo an einem Ausreißer nach dem anderen vorbei.
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Attacke am Tourmalet: Hier hängt Jumbo das Gelbe Trikot ab
Quelle: Eurosport
Den Tourmalet-Gipfel erreichten sie nur noch 35 Sekunden hinter der Spitze, aber schon 2:10 Minuten vor den anderen Podiumskandidaten, die von drei UAE-Fahrern um deren Co-Kapitän Adam Yates angeführt wurden. Einzig Romain Bardet (DSM – firmenich) hatte diese Gruppe noch attackiert und lag auf dem Tourmalet rund 20 Sekunden davor.
In der Abfahrt vom Tourmalet nach Pierrefite-Nestalas an den Fuß des 16 Kilometer langen Schlussanstiegs von Cauterets-Cambasque wartete van Aert auf Vingegaard und Pogacar, um danach für seinen dänischen Kapitän Tempo zu bolzen.
Buchmann opfert sich für Hindley auf
Noch bevor die Talsohle erreicht war, schloss das Trio gemeinsam mit Neilson Powless (EF Education – EasyPost), der unterwegs am Aspin das Bergtrikot erobert hatte, am Tourmalet aber leer ausging, zu den Spitzenreitern auf – bei knapp zwei Minuten Vorsprung auf das große Favoritenfeld, wo Emanuel Buchmann nun das Tempo machte, so gut wie ohne Unterstützung von irgendwem sonst.
Im Tal wuchs der Vorsprung der acht Spitzenreiter auf 2:50 Minuten an, bevor der Schlussanstieg begann, wo dann endlich auch Ineos Grenadiers den Deutschen Meister in der Führungsarbeit des Verfolgerfeldes unterstützte, bis Buchmann knapp sechs Kilometer vor Schluss abreißen lassen musste.
Als die Schlusssteigung nach der Ortsdurchfahrt von Cauterets steiler wurde, scherte van Aert an der Spitze 4,5 Kilometer vor dem Ziel aus und Vingegaard beschleunigte nochmal. Pogacar sprang sofort mit und kurzzeitig blieb auch Kwiatkowski noch dabei. 3,5 Kilometer vor Schluss aber waren die beiden Top-Favoriten unter sich. 800 Meter wartete Pogacar noch am Hinterrad von Vingegaard, doch an einer der steilsten Rampen des Schlussanstiegs trat der Slowene dann 2,7 Kilometer vor Schluss an und Vingegaard konnte ihm nicht folgen. Bis zum Ziel fuhr Pogacar 24 Sekunden heraus.
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Stage 7 profile and route map: Mont-de-Marsan - Bordeaux
Quelle: Eurosport
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