Tour de France 2024 - Drei Dinge, die auffielen: Jonas Vingegaard besteht den ersten Pogacar-Test, Primoz Roglic nicht

Die 2. Etappe der Tour de France hat den erwarteten Angriff von Tadej Pogacar in der steilen Rampe zur Wallfahrtskirche von San Luca oberhalb von Bologna gebracht – und damit auch erste Erkenntnisse zu den aktuellen Möglichkeiten der Favoriten auf den Gesamtsieg. Unter den "Big 4" gab es dabei einen klaren Verlierer. Trotzdem aber deutete sich an: Diese Frankreich-Rundfahrt dürfte spannend werden.

Vauquelin holt Tagessieg, Giganten erstmals im Duell - Highlights

Quelle: Eurosport

Den Etappensieg nach 199,2 Kilometern sicherte sich in Bologna der Franzose Kévin Vauquelin (Arkéa-B&B Hotels).
Es war der erste Grand-Tour-Tageserfolg in der Historie seines Teams und die Grande Nation hat bei dieser 111. Tour damit schon mehr Etappensiege zu feiern, als in den letzten drei Jahren zusammen.
Doch so schön der Solo-Triumph des Ausreißers auch war, die Haupt-Aufmerksamkeit lag am Sonntag auf dem ersten Schlagabtausch der Favoriten um den Tour-Sieg.
Tadej Pogacar setzte die von allen erwartete Attacke in der bis zu 19 Prozent steilen Rampe von San Luca und sorgte so auch für die ersten interessanten Erkenntnisse bei allen Beobachtern.
Drei Dinge, die auf der 2. Etappe auffielen:

1.      Roglic nicht auf der Höhe, Vingegaard schon

"Primoz Roglic ist der große Verlierer", sagte Eurosport-Experte Robert Bengsch nach der 2. Etappe im Velo Club und fügte hinzu: "Der Gesamtsieg ist heute weg." Faktisch ist das bei 21 Sekunden Rückstand, die der Kapitän von Red Bull – Bora – hansgrohe in Bologna hinnehmen musste, zwar natürlich noch nicht der Fall.
Doch die steile Rampe von San Luca, an der Roglic sowohl 2019 als auch 2021 und 2023 den Giro dell'Emilia gewann und dabei vor neun Monaten auch Tadej Pogacar noch bezwang, war trotzdem ein erster wichtiger Fingerzeig in Richtung Formstand bei den großen Favoriten auf den Tour-de-France-Sieg 2024.
Als Pogacar dort 500 Meter vor der Kuppe Vollgas gab, konnte nur Vingegaard dem Giro-Sieger sofort folgen. "Es hat sich bestätigt, dass Vingegaard der Einzige ist, der Pogacar vielleicht in die Schranken weisen kann", meinte auch Eurosport-Experte Tony Martin, der von seinem einstigen Teamkollegen aus Dänemark beeindruckt war – und zwar knapp drei Monate nach dem Horrorsturz im Baskenland nicht nur wegen seiner Stärke: "Für mich war die noch größere Frage, wie er sich im Feld und in Abfahrten verhält. Und da hat er im Finale gezeigt, dass er bereit ist, das Risiko zu gehen und Pogacar zu folgen."
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Test von Pogacar bestanden: Perfekter Tag für Vingegaard

Quelle: Eurosport

Vingegaard selbst war erleichtert. "Ich bin froh, dass ich es geschafft habe, mitzugehen und schon so weit bin. Das habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet und umso glücklicher bin ich", gab der Titelverteidiger zu. "Mein Ziel für die ersten Tage war, gut anzukommen und keine Zeit zu verlieren. Das hat heute super geklappt."
Pogacar und Vingegaard arbeiteten anschließend zusammen und rauschten gemeinsam die Abfahrt hinunter. In Bologna angekommen aber hatten sie nicht mehr den ganz großen Zug auf der Kette. Von hinten fuhr Zeitfahr-Weltmeister Remco Evenepoel mit Richard Carapaz am Hinterrad nochmal heran, obwohl er nach der Abfahrt noch zehn Sekunden Rückstand hatte. Auch der Belgier und der Ecuadorianer haben den Form-Test also bestanden, wenn auch nicht ganz in Sachen Spritzigkeit im Steilen.
Evenepoel und Carapaz waren jedenfalls auch noch unter den Besten, als Pogacar aus dem Sattel ging. Und das galt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für viele, denn im steilsten Teil der San-Luca-Rampe konnten nur Matteo Jorgenson, Vingegaard, Pogacar, Evenepoel, Carapaz, Enric Mas und Maxim Van Gils dem Tempo von Pogacar-Vorbereiter Adam Yates noch folgen.
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Plötzlich tritt Pogacar an - nur Vingegaard kann folgen

Quelle: Eurosport

Roglic dagegen war zuvor zu weit hinten und verlor den Anschluss Seite an Seite mit Simon Yates. Ein paar Meter vor den Beiden fuhren da noch Aleksandr Vlasov und Giulio Ciccone. Es war also nicht der Antritt von Pogacar, dem Roglic und Co. nicht mehr folgen konnten, sondern schon das von Adam Yates angeschlagene Tempo zuvor.
Und: Ganz am Anfang des Anstiegs, als Tiesj Benoot das Feld in die 1,9 Kilometer lange Steigung hineinführte, saß Roglic nur etwa an 20. Position, während Vlasov und Jai Hindley direkt am Hinterrad von Pogacar unter den ersten Sieben waren. Schon in der Anfahrt war also wohl etwas schiefgegangen.
Trotzdem gab Roglic in einem kurzen Statement am Mannschaftsbus zu: "Ich wäre ihnen (Pogacar und Vingegaard) gerne gefolgt, hatte aber nicht die Beine dazu." Es war also nicht nur die Positionierung.

2.      Es war nur ein Antesten und Tag 2

Auch wenn für Roglic und viele andere Podiumskandidaten am Ende 21 Sekunden Zeitverlust gegenüber Pogacar, Vingegaard, Evenepoel und Carapaz auf der Uhr standen, waren das eben 'nur' 21 Sekunden. Zwischenzeitlich waren die Abstände größer, die Schadensbegrenzung war also immerhin gelungen.
"20 Sekunden wird am Ende nicht viel sein, aber es ist ein erster Indikator und da muss man mal schauen. Das heute hatten wir nicht erwartet", bilanzierte Red-Bull-Teamchef Ralph Denk gegenüber der ARD und Sportdirektor Rolf Aldag meinte: "Niemand wird die ganze Tour bei 110 Prozent sein. Wenn das heute unsere 98 Prozent waren, dann verlasse ich diese Etappe mit einem breiten Grinsen."
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"Schade für die Spannung": Roglic der große Verlierer von Bologna

Quelle: Eurosport

Die Tour ist erst in Paris zu Ende, heißt es so schön – oder in diesem Jahr: in Nizza. Genau drei Wochen vergehen bis dahin noch und San Luca war lediglich ein Antesten an Tag zwei – wenn auch eins, von dem niemand überrascht sein durfte. "Wir haben immer vorhersagt, dass Tadej schon zu Beginn Jonas testen wird, um zu sehen, wie gut er ist", meinte Aldag und der Hauptdarsteller erklärte:
"Der Etappensieg war nicht mehr möglich, aber die Etappe war gut genug, um meine Beine und die der Anderen zu testen. Ich habe es geschafft, meine Konkurrenten explodieren zu lassen. Jonas war sehr stark, aber es war eine gute 2. Etappe. Für mich ist das eine Bestätigung, dass ich gut in Form bin."
Die Frage ist, ob die Tatsache, dass es 'nur ein Antesten' war, nicht sogar als Drohung zu verstehen ist. Denn wenn man sah, wie Pogacar und Vingegaard auf den flachen Schlusskilometern nochmal Zeit verloren, anstatt voll durchzuziehen, konnte man schon auch den Eindruck bekommen, dass da mehr gegangen wäre.
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Ekstase in Bologna: Vauquelin holt nächsten französischen Tagessieg

Quelle: Eurosport

Auf der Zielgeraden ließ Pogacar schließlich sogar ausrollen und im Ziel sagte er laut cyclingnews.com zu Evenepoel, dass er am Ende des Grüppchens eine Lücke aufgehen lassen wollte. Wäre das gelungen, hätte der Belgier das Gelbe Trikot und die damit verbundenen Verpflichtungen bekommen. Ein bisschen war das Antesten also auch ein Spiel für den Giro-Sieger.
"Ich denke er wird in zwei Tagen am Galibier den nächsten Test fahren, um herauszufinden, ob er strategisch in den nächsten Wochen am Berg angreifen sollte, oder eher aufs Zeitfahren gucken muss", vermutete Aldag mit Blick auf Etappe 4.

3.      Brutaler Samstag sorgte für ruhigeren Sonntag

Die Hitze von rund 35 Grad sorgt in Italien derzeit für brutale Auftakt-Tage bei der Tour – vor allem für all diejenigen, die sich in den letzten Wochen bei kühleren Temperaturen in Höhentrainingslagern vorbereiteten. Besonders auf der 1. Etappe am Samstag gingen viele regelrecht auf dem Zahnfleisch und es entstanden schon große Abstände jenseits der Top 50.
Das war für den Verlauf der 2. Etappe entscheidend. Denn so konnte sich früh eine zehnköpfige Gruppe bilden, aus der alle Fahrer 15 Minuten oder mehr von Gelb entfernt waren. Und nur so konnte das Teilstück in Bologna auch mit dem Sieg eines Ausreißers enden. Denn im Peloton war man zwischenzeitlich deutlich sichtbar froh, nicht den ganzen Tag wieder Vollgas fahren zu müssen.  
"Wir hatten ein viel offensiveres Rennen erwartet. Aber weil es so heiß ist, ist es ein Sterben auf Rädern. Die Hitze bremst die Dynamik des Rennens", meinte Denk und auch Aldag stimmte zu: "Vorbereitung in der Kälte und keine Anpassung für die Hitze - das trifft alle."
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De Florence à Nice : le parcours complet du Tour de France 2024

Quelle: Eurosport


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