Tour de France 2026: Drei Dinge, die auffielen - nach Aus von Florian Lipowitz wird Podiumskampf übersichtlicher
VonJan Zesewitz
Publiziert 21/07/2026 um 23:03 GMT+2 Uhr
Das einzige Einzelzeitfahren der Tour de France brachte Veränderungen in der Gesamtwertung. Aus der Sicht des deutschen Teams Red Bull-Bora-hansgrohe im Guten wie im Schlechten: Remco Evenepoel festigte mit seinem zweiten beeindruckenden Sieg in Serie den zweiten Platz in der Gesamtwertung. Die Podiumshoffnungen von Florian Lipowitz dagegen zerplatzten in einer Kurve. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Lipowitz-Sturz überschattet Evenepoels Zeitfahrsieg
Quelle: Eurosport
"Er wird uns auf den verbleibenden Etappen fehlen", sagte Evenepoel im Sieger-Interview über seinen gestürzten Teamkollegen, der die Tour mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben musste. Es war die "Entscheidung" über die Doppelspitze beim Raublinger Rennstall, die niemand auf diese Weise wollte.
Hinter Evenepoel lichtete sich durch Lipowitz' Ausfall die Gesamtwertung. Die Youngster Isaac Del Toro und Paul Seixas haben nun beste Aussichten.
Der Zeitfahrweltmeister und Doppel-Olympiasieger aus Belgien wurde seiner Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht. Auch Dominator Tadej Pogacar hatte gegen den Belgier keine Chance.
Andere Zeitfahrspezialisten wie Filippo Ganna konnten beim Kampf gegen die Uhr über 26 Kilometer am Genfer See nichts ausrichten.
Drei Dinge, die beim Einzelzeitfahren auffielen:
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/07/21/image-3c770d1a-4a96-4523-b61a-0da1bc6542ea-85-2560-1440.jpeg)
Demonstration im Zeitfahren! Evenepoel schlägt Pogacar deutlich
Quelle: Eurosport
1.) Der Kampf ums Weiße Trikot ist auch der Kampf um Platz drei
Um Platz eins ging es bei dieser Tour de France realistischerweise schon ab der 6. Etappe nicht mehr. Pogacar war der Konkurrenz in den Pyrenäen enteilt. Dahinter stritt sich ein Septett um die verbliebenen beiden Plätze auf dem Podium.
So war es bis 20 Kilometer vor dem Ziel der 15. Etappe. Jonas Vingegaard, der große Favorit auf Platz zwei, schied mit einem Schlüsselbeinbruch aus und eröffnete sechs Fahrern einen Kampf um zwei Podiumsplätze. 48 Stunden später reduzierte der nächste Schlüsselbeinbruch, diesmal von Lipowitz, den Kreis der Kandidaten auf fünf.
Nach dem Einzelzeitfahren stellte Evenepoel seinen Anspruch auf Platz zwei heraus und dahinter sind es vor allem Del Toro und Seixas, die sich Hoffnungen machen dürfen. Dahinter lauert das Lidl-Trek-Duo um Juan Ayuso und Mattias Skjelmose - allerdings bereits mit 2:30 beziehungsweise 3:20 Minuten Rückstand.
Skjelmose sendete als Tages-Dritter ein starkes Lebenszeichen, Ayuso verlor dagegen mehr als zwei Minuten auf Evenepoel. Damit verbleiben die beiden Youngster, die auf Platz drei und vier nur 20 Sekunden zugunsten von Del Toro voneinander trennen. Im Zeitfahren waren sie nur fünf Sekunden auseinander. Der Kampf um Platz drei ist gleichzeitig wohl auch der Kampf um das Weiße Trikot des besten Jungprofis.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/07/21/image-7ca2e777-8193-4350-8b90-b0310ee75a68-85-2560-1440.jpeg)
"Unverschämt eng": Fans machen Pogacar das Leben schwer
Quelle: Eurosport
2. Evenepoel liefert auch als Topfavorit
Es war das perfekte Zeitfahren für Evenepoel. Der lange, aber nicht zu steile Anstieg zu Beginn des Rennens in Evian-les-Bains war auf den Belgier zugeschnitten, der seine Bergfähigkeiten mit seiner überragenden Aerodynamik kombinieren konnte.
Die folgende Abfahrt und das Flachstück kamen seinen Fähigkeiten als bester Zeitfahrer seiner Generation ebenfalls entgegen. Schon nach dem Anstieg war er acht Sekunden schneller als Pogacar, im Ziel waren es 28 Sekunden.
Dieser Tag war seit Bekanntgabe der Route ein erklärtes Ziel Evenepoels. Akribisch bereitete er sich darauf vor und bekam durch seinen Etappensieg im Hochgebirge am vergangenen Sonntag noch einen zusätzlichen Motivationsschub.
Als Topfavorit dann aber auch am Tag X da zu sein und seine Leistung abzurufen, gebietet Respekt.
Auch wenn das Ausscheiden von Lipowitz extrem bitter für ihn und das Team ist: Evenepoel hat bewiesen, dass er die Kapitänsrolle bei Red Bull zurecht innehat und wurde für seine Leistungen mit einem verdienten zweiten Platz im Gesamtklassement belohnt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/07/21/image-60e98ca8-3d18-4d20-8d40-5d822980ed69-85-2560-1440.jpeg)
Evenepoel überglücklich nach Sieg und geschockt von Lipowitz-Aus
Quelle: Eurosport
3. Kein Tag für Ganna und Netcompany-Ineos
Andere Topfavoriten konnten den Vorschusslorbeeren weniger gerecht werden als der Belgier. Zu diesen Kandidaten zählte allen voran Filippo Ganna (Netcompany). Vor dem Rennen spielte er den eigenen Anspruch angesichts des anspruchsvollen Anstiegs noch herunter - ein Top-Ten-Platz sei "schon sehr gut".
Der Italiener wurde Elfter. Zwar war es ein Tag für die Favoriten in der Gesamtwertung, aber Ganna war keinesfalls der stärkste der "schweren" Fahrer und Zeitfahrspezialisten. Mattia Cattaneo (Red Bull), Bruno Armirail (Visma), Pablo Castrillo (Movistar) und Gannas Teamkollege Joshua Tarling - sie alle landeten vor dem Stundenweltrekordhalter und würden sich selbst wohl kaum als "Bergziegen" bezeichnen.
Nach einem starken Mannschaftszeitfahren mit Platz zwei lief die Tour für Netcompany-Ineos nicht nach Plan. Egan Bernal konnte sich in der Gesamtwertung nicht an vorderster Front festsetzen. Von einem Etappensieg war die britische Equipe nach Barcelona recht weit entfernt.
In einem Team voller Zeitfahrspezialisten hätte die 16. Etappe Erleichterung bringen können. Daraus wurde nichts. Geradezu symbolisch verpasste Thymen Arensman seinen Start beim Zeitfahren um circa 12 Sekunden - und wurde als Siebter bester Ineos-Fahrer. Für Tarling und Ganna erwies sich der Anstieg als zu anspruchsvoll, Ex-Zeitfahrweltmeister Tobias Foss blieb blass. Dem einstigen Super-Team bleiben noch fünf Etappen, um das Blatt zu wenden.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/07/21/image-abdde095-0363-48f0-aa9e-1f518bd3b523-85-2560-1440.jpeg)
Kurios! Arensman verspätet sich am Start und verliert wichtige Sekunden
Quelle: Eurosport
Das könnte Dich auch interessieren: Pogacar zu Lipowitz' Schicksalskurve: "Konnten sie nicht besichtigen"
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung