Tour de France - Jan Ullrich hofft auf Start von Florian Lipowitz bei Vuelta a España: "Tour-Form ist ja nicht weg"

Nach der schnellen Operation des Schlüsselbeinbruchs bei Florian Lipowitz träumt manch deutscher Radsport-Fan schon von einem Comeback bei der Vuelta a España im August. Eurosport-Experte Jan Ullrich hält dies für durchaus möglich: "Wenn es wirklich nur das Schlüsselbein ist, kann er ja nach einer Woche oder zehn Tagen schon wieder auf die Rolle." Zudem sei Lipowitz' Form ja auch nicht weg.

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Quelle: Eurosport

"Ich wünsche mir, dass er die Vuelta ohne Druck noch fahren kann", sagte Jan Ullrich am Freitag im Velo Club bei Eurosport.
Durch den Sturz im Einzelzeitfahren auf der 16. Etappe am Genfer See hatte die Tour de France am Dienstag ein jähes Ende gefunden für Florian Lipowitz. Der Tour-Dritte des Vorjahres musste die Rundfahrt mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben.
Nach dem ersten Schock richteten sich auch aufgrund der zeitigen Operation die Blicke schnell wieder nach vorne. "Er hat mir geschrieben, er möchte gerne noch einmal Rennen (in diesem Jahr, d. Red.) fahren", berichtete Ullrich über den Austausch mit Lipowitz nach dem Sturz und zeigte sich zuversichtlich: "Wenn es wirklich nur das Schlüsselbein war, wird es sich auch schnell wieder erholen."
Zugleich warnte der Tour-Sieger von 1997 vor voreiligen Hoffnungen: "Wir wollen nicht spekulieren und ihm jetzt schon wieder Druck machen. Er soll erst einmal mental und körperlich wieder gesund werden." Schließlich sei das Aus ein "Schlag ins Gesicht" gewesen.
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Ullrich: "Wünsche Lipowitz, dass er die Form noch einmal zeigen kann"

Daher wünsche er ihm einen Vuelta-Start vor allem aus persönlichen Gründen. "Ich wünsche ihm, dass er die Form, die er das ganze Jahr über in Höhentrainingslagern und weg von der Familie aufgebaut hat, noch mal zeigen kann", sagte Ullrich und ergänzte: "Für einen Sportler ist es mit das Schlimmste, dass du nicht abliefern kannst, obwohl du gerne gewollt hättest."
Eurosport-Experte Ralf Aldag pflichtete seinem ehemaligen Telekom-Teamkollegen bei: "Das wäre schön, einfach für sich selber. Wenn er die Vuelta fährt, würde ich ihm wünschen, dass er es so ein bisschen genießen kann - ohne den Druck der Tour und die riesige Erwartungshaltung von einer ganzen Nation."
Wie schwer diese Erwartungshaltung nach einem Tour-Erfolg wiegen kann, weiß Ullrich wiederum nur zu gut. Nachdem er bereits 1996 bei seinem Debüt starker Zweiter hinter Teamkapitän Bjarne Riis geworden war, gelang ihm ein Jahr später der große Coup: Er holte im Alter von 23 Jahren als erster und bisher einziger Deutscher den Tour-Gesamtsieg. Von da an stand er immer im Fokus.
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Ullrich: "Erste Tour ist immer die leichteste"

"Das Leichteste ist tatsächlich immer die erste Tour, bei der man gut fährt. Meine leichteste Tour war wirklich 1996 im Windschatten von Bjarne Riis. Da bin ich einfach gefahren, ohne groß Interviews geben zu müssen. Auch Pressekonferenzen am Ruhetag hat alle Bjarne gemacht.", so Ullrich rückblickend.
Nach dem Sieg 1997 war es damit vorbei. "Dann hat man schon den Druck gemerkt. Dann guckt man ja auch nicht nur zur Tour de France, sondern auch auf die anderen Tage, Rennen und Training. Man ist immer drauf", schilderte der gebürtige Rostocker. Hinzu kämen extra Tage für das Team und die Sponsoren. "Das geht ja auch immer entweder von deiner Trainingszeit oder deiner Erholungszeit ab", erklärte Ullrich weiter.
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Eben jene Erholungszeit würde für Lipowitz bis zum Start der Spanien-Rundfahrt in Monaco am 22. August (live bei Eurosport und HBO Max) rund viereinhalb Wochen betragen.
Bezüglich seiner generellen Leistungsstärke hat Ullrich da keine Zweifel: "Die Tour-Form ist ja nicht weg. Mit ein bisschen Ruhe kann er die auch nochmal halten."

Wandelt Lipowitz auf Ullrichs Spuren?

Sollte ein Vuelta-Start tatsächlich klappen, könnte Lipowitz gar auf Ullrichs Spuren wandeln. 1999 musste der Telekom-Star nach einem Sturz bei der Deutschland Tour Ende Mai seine Teilnahme an der Tour de France absagen. Daraufhin änderte er gezwungenermaßen seine Saisonplanung und startete bei der Spanien-Rundfahrt, bei der er nicht nur zwei Etappen gewann, sondern auch zu seinem zweiten Grand-Tour-Sieg fuhr. Es ist bis heute der letzte deutsche Grand-Tour-Erfolg.
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Dass Lipowitz 27 Jahre später tatsächlich um den Vuelta-Sieg fahren kann, wäre angesichts der Ausgangslage vermessen, zwei Etappensiege sind dem Kletterpezialisten angesichts der zahlreichen Bergetappen in Spanien aber durchaus zuzutrauen.
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