Tour de France 2026: Mathieu van der Poel feiert Sieg mit Willensleistung - Fragezeichen hinter UAE- und Lidl-Taktik
VonJan Zesewitz
Publiziert 12/07/2026 um 22:17 GMT+2 Uhr
Mit Mathieu van der Poel trug sich der nächste Superstar in die Siegerliste der Tour de France 2026 ein. Der Niederländer setzte sich auf der 9. Etappe in einem harten Kampf durch. Erstmals in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt wurde eine Etappe wegen Hitze verkürzt. Die verbleibenden 155 Kilometer wurde Vollgas gefahren, Van der Poels Ausreißer-Quartett rettete sechs Sekunden ins Ziel.
Highlights: Ausreißer sprinten um Sieg - Pedersen punktet weiter
Quelle: Eurosport
Nach 14,5 Kilometern der Etappe von Malemort nach Ussel stand durch die Verkürzung der Etappe schon der Zwischensprint an - Mads Pedersen sicherte sich 25 Punkte, von diesem Moment an war es kein Tag mehr für die Sprinter.
Zahlreiche Attacken folgten, bis sich schließlich eine Spitzengruppe um Van der Poel und Tom Pidcock fand. Damit gab sich das Feld aber nicht zufrieden, beim Auf und Ab im Zentralmassiv entwickelte sich eine erbittert geführte Verfolgungsjagd - mehr als 1:40 Minuten Vorsprung bekam die Gruppe nicht.
Das Peloton schrumpfte seinerseits auf etwa 30 Fahrer, UAE fuhr der prominent besetzten Gruppe nach, später übernahmen Netcompany-Ineos für Filippo Ganna und Lidl für Mads Pedersen.
Vier "Überlebende" um Van der Poel stemmten sich erfolgreich gegen das Feld. Im Sprint zeigte Van der Poel dann noch einmal eine Willensleistung und fuhr den Bergauf-Sprint von vorne in beeindruckender Manier zu Ende.
Drei Dinge, die auf der 9. Etappe auffielen:
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Van der Poel gewinnt Sprint der Ausreißer bei Hitzeschlacht im Zentralmassiv
Quelle: Eurosport
1. Van der Poel trotzt der Hitze und den Verfolgern
Es war während der ersten acht Tage nicht die Tour von Van der Poel und seinem Team Alpecin-Premier Tech. Der Superstar konnte den ersten Etappen nicht seinen Stempel aufdrücken und Jasper Philipsen blieb in den Sprints bislang blass.
"Ich hatte sehr zu kämpfen, aber heute hatte ich endlich die Beine, um auf Sieg zu fahren", sagte auch der Sieger. Kurz vor dem Ruhetag schaffte Van der Poel, was von ihm im Team erwartet wird: Erfolge einfahren.
"Es war ein superharter Tag. Der Start der Tour war nicht gut von uns. Wir haben aber daran geglaubt, das rumzureißen", sagte der Klassiker-Spezialist. Die 9. Etappe fühlte sich an wie ein Frühjahrsklassiker.
Wellig, Vollgas vom Start, viele Teams hatten ein Interesse an der Spitzengruppe - und dann auch am Scheitern der Gruppe. Van der Poel ließ das schlicht nicht zu, attackierte, arbeitete im Wind - und belohnte sich. "Das zeigt seinen Willen", sagte Experte Rolf Aldag im Velo Club.
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Van der Poel setzt sich nach Vollgas-Etappe durch: "Zeigt seinen Willen"
Quelle: Eurosport
2. UAE ändert Meinung - Konkurrenten rätseln
Aus dem Feld fielen schon auf der ersten Hälfte der Etappe Fahrer zurück, vorne kämpften zwischenzeitlich 18 Mann um jede Sekunde Vorsprung. Das UAE-Team gönnte den Ausreißern keine einzige, 60, 70, 80 Sekunden waren das höchste der Gefühle.
Die Konkurrenz fragte sich ein wenig - "Warum?". Eine echte Gefahr für die Gesamtwertung war nicht mit dabei, schon gar nicht für Pogacars Gelbes Trikot. Aber etwas ließ die sechs UAE-Fahrer nachführen. Tom Pidcock behauptete, sie hätten ihn schon vom Start weg im Blick gehabt.
Alex Baudin, der Vierte des Tages, hatte eine eigene, nicht ganz ernst gemeinte, Theorie: "Ich glaube, UAE hat Angst vor mir", sagte er. "Ich liege 43 Minuten zurück in der Gesamtwertung, also müssen sie vorsichtig sein. Ich habe absolut keine Ahnung. Alle in der Ausreißergruppe dachten sich: Was zum Teufel? Warum? Ich weiß, da waren Tobias (Halland Johannessen) und ein paar andere, Pidcock. Ja, ein paar Fahrer in der Gesamtwertung, aber die liegen etwa zehn Minuten zurück."
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Red-Bull-Duo ohne Helfer: "Die Erwartungen sind andere"
Quelle: Eurosport
Richtung Finale zog sich das UAE-Team zurück. Laut Adam Yates wollte man sich alle Optionen offen halten, entschied sich aber schließlich um. Auch Pogacar selbst spielte die Taktik herunter. Michael Matthews, ebenfalls Teil des reduzierten Felds, könnte mit seiner Theorie der Wahrheit am nächsten kommen.
"UAE wollte nicht die Teamwertung am Horizont verschwinden sehen durch zwei Lidl-Fahrer in der Ausreißergruppe", erklärte der Australier. "Die Teamwertung hat für UAE eine extreme Bedeutung, sie wollen sie jedes Jahr gewinnen - es ist ein riesiges Ziel für sie. Wenn zwei Lidl-Fahrer da heute einen großen Vorsprung herausgefahren hätten, wäre es für sie schwieriger geworden, dieses Klassement am Ende zu gewinnen. Sie haben die Mannschaft, um das heute so durchzuziehen, also warum nicht?"
Warum nicht - aber die Frage ist auch: Warum so ein legitimes Ziel nicht formulieren? Das bleibt UAE-Geheimnis. In der Mannschaftswertung liegt die Equipe 27 Minuten hinter Lidl-Trek.
3. Lidl-Trek kämpft an vielen Fronten
Das Team mit der gelben Rückennummer hat bei dieser Tour viele Ziele. Lidl verfolgt mit Juan Ayuso und Mattias Skjelmose ein doppeltes Ziel für die Gesamtwertung. Pedersen soll das Grüne Trikot und möglichst viele Etappen gewinnen. Quinn Simmons und Co. sind ihrerseits starke Etappenjäger.
Heute kamen alle diese Ziele irgendwie zusammen. Pedersen gewann den Zwischensprint, nachdem das Team die Anfangsphase souverän kontrolliert hatte. Dann waren Simmons und Derek Gee-West Teil der Ausreißergruppe, im Feld dahinter kämpfte sich Pedersen über jeden Anstieg und sah seinerseits eine Siegchance.
"Wir haben alles gegeben, um die Gruppe einzuholen, aber die war zu stark und es hat einfach nicht geklappt", sagte Pedersen. "Ich habe heute trotzdem wertvolle Punkte geholt, deswegen habe ich gemischte Gefühle. Mit dem Sieg hat es nicht geklappt, aber wir können zufrieden sein über die Punkteausbeute."
Alles gegeben stimmt nur halb. Simmons und Gee-West wurden zurückbeordert und versuchten, die Gruppe einzuholen. Skjelmose und Ayuso wurden aber geschont und führten nicht mit. Schließlich ging diese Multi-Ziel-Strategie ganz gut aus. Der Däne baute seinen Vorsprung in der Puntewertung deutlich aus und liegt jetzt 45 Punkte vor Biniam Girmay. Und die Bergform Pedersens zeigt der Konkurrenz: Der Lidl-Star kann auf fast jeder Etappe punkten.
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So laufen die Dopingkontrollen: "Können jeden Fahrer jederzeit testen"
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