Tour de France - Nach Lipowitz-Ausfall: Deutsche Chance auf Etappensieg wohl auch dieses Jahr unwahrscheinlich

Die deutschen Radprofis werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch im fünften Jahr nacheinander ohne Tour-Etappensieg bleiben. Ein Ende der Durststrecke ist vorerst nicht in Sicht. Der Ausfall von Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-hansgrohe) nach seinem Sturz im Einzelzeitfahren bei der 16. Etappe stufte die deutschen Chancen auf einen deutschen Erfolg bei der Tour de France deutlich herab.

Lipowitz nach Tour-Aus und OP: "Auch mentale Seite bedenken"

Quelle: Eurosport

Lockruf trifft Leid in Alpe d'Huez - und das gleich im Doppelpack. Beim einmaligen Showdown der 113. Tour de France hält die Radsportwelt am Freitag und Samstag den Atem an.
Der legendäre Anstieg, seit Tagen schon Pilgerort unzähliger Fans, bietet den Fahrern gleich zweimal die Gelegenheit zum begehrten Sieg auf 1850 m Höhe. Dass ein Deutscher erstmals dort gewinnt und damit eine Radsport-Nation erlöst? Ausgeschlossen! Spätestens seit dem schmerzhaften Sturz-Aus von Florian Lipowitz.
Damit wird auch die deutsche Sieglosserie von fünf Jahren, über 1800 Tagen und mehr als 100 Etappen ohne Tour-Etappenerfolg anhalten.
Zuletzt triumphierte Nils Politt am 8. Juli 2021 nach einem beherzten Solo in Nimes. Mittlerweile ist der Kölner treuer und teurer Helfer für Tour-Dominator Tadej Pogacar - und damit frei von eigenen Ambitionen.

Denz: "Habe ich ehrlich gesagt gar nicht gewusst"

Die Sprinter um Max Kanter haben ihre Chancen nicht genutzt, wieder einmal. Marcel Kittel sorgte 2017 für den letzten Tour-Erfolg durch einen deutschen Sprinter - sein Erfolg in Pau markierte das Ende einer deutschen Ära, in der nach dem Vorbild von Sprint-Übervater Erik Zabel die Generation Kittel und André Greipel fast nach Belieben auf Flachetappen triumphierte.

Was bleibt? Ausreißversuche. Doch ob Felix Engelhardt oder Georg Zimmermann, mehr als Mitfahren in einer Spitzengruppe war auch in diesem Jahr nicht drin. Wie lange Deutschland nun schon auf einen Erfolg wartet, spielt selbst für einige im Peloton nur noch eine Nebenrolle.
"Das habe ich ehrlich gesagt gar nicht gewusst", sagte Nico Denz, immerhin dreimaliger Giro-Etappensieger, angesprochen auf das lange Warten beim Ausrollen am Mittwoch.

Nach Lipowitz-Ausfall: Chancen auf deutschen Etappensieg im Keller

Der Profi von Red Bull-Bora-hansgrohe steckt ebenfalls in einer Helferrolle, beim Lipowitz-Team rackern die verbliebenen Fahrer nun exklusiv für den Podestplatz von Remco Evenepoel. Und Lipowitz selbst, in kommenden Jahren? Bei aller Klasse gibt es nur wenige Szenarien, in denen er bei einer (Berg-)Etappe aus eigener Kraft vorne landen könnte.
Das Bittere an der Situation: Es spricht aktuell nur wenig dafür, dass die Dürre im kommenden Jahr endet.
Der schnelle Kanter war bei seiner Debüt-Tour ein paar Mal nah dran. Doch im Duell mit Weltklasse-Sprintern wie Tim Merlier fehlte ihm klar die Endgeschwindigkeit. Sein Sprinter-Kollege Phil Bauhaus zweifelte nach mehreren verpassten Top-Ten-Platzierungen sogar an einer weiteren Tour-Teilnahme. "Das sind keine Ergebnisse, bei denen man sagen kann: An mir kommt man nächstes Jahr nicht vorbei."
Der slowenische Superstar Pogacar ist Teil einer Entwicklung, die ihren Teil zur deutschen Durststrecke beiträgt. Anders als in früheren Zeiten werden Tour-Etappen heutzutage fast nur von den großen Namen gewonnen. "Man muss auch sehen, dass da wenig Platz ist für andere außer Superstars, zu gewinnen", sagted "ARD"-Experte Fabian Wegmann.

Deutschland: Wenige Rennen im Juniorenbereich

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Rad-Nation Deutschland schafft es nur selten, absolute Topfahrer hervorzubringen. Die Gründe sind vielschichtig.
So ist Radsport in Deutschland noch immer eine Randerscheinung, die Anzahl an ambitionierten Nachwuchsfahrern ist überschaubar, die Sportförderung vergleichsweise gering. Es gibt - oft wegen bürokratischer Hürden - nur wenige Rennen, speziell im Juniorenbereich.
(SID)
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Evenepoel blickt auf Alpen-Dreierpack und Taktik für 18. Etappe

Quelle: Eurosport


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