Nach dem Karriereende aus dem Bilderbuch übernahm Tony Martin noch einmal Verantwortung. Auf dem dicht gedrängten WM-Podium in Brügge verteilte der deutsche Radprofi die Goldmedaillen an die stolzen Teamkollegen einfach selbst. Dann legte er die Arme um die Schultern der Olympiasiegerinnen von Tokio und ließ bei der Nationalhymne gerührt den Blick schweifen. WM-Gold im Mixed-Wettbewerb: Zum Abschied in den Radsport-Ruhestand hatte sich Martin einen letzten Traum erfüllt.
"Das ist das beste Ende, das ich mir vorstellen kann - die Radsportbühne als Goldmedaillengewinner zu verlassen. Das ist ein Traum für mich. Ich bin dem Team super dankbar, besonders den Frauen: Sie haben heute den Unterschied gemacht", sagte der 36-jährige Cottbuser und fügte hinzu: "Ich habe die gesamte Woche mit dem Team genossen. Wir haben auf Gold gehofft und jetzt ist der Traum Wirklichkeit geworden. Jetzt wird gefeiert." Sogar Belgiens Rad-Legende Merckx war gekommen, um einen der besten Zeitfahrer des vergangenen Jahrzehnts zu verabschieden.
Das finale Rennen seiner Laufbahn war für Martin zur Triumphfahrt geworden. Nach insgesamt 44,5 km siegte er an der Seite von Max Walscheid (Neuwied), Nikias Arndt (Buchholz) sowie den Bahn-Olympiasiegerinnen Lisa Brennauer (Durach), Lisa Klein (Saarbrücken) und Mieke Kröger (Bielefeld) in 50:49 Minuten. Das Podium komplettierten die Teams aus den Niederlanden (+0:13 Minuten) und Italien (+0:38).
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Martins Teamkollegen waren sich der Besonderheit des Rennens bewusst - und extra motiviert. "Es ist eine Legende, die hier abtritt", hatte Walscheid vorab gesagt: "Er ist einer der ganz überragenden Zeitfahrer der letzten zehn Jahre." Klein sprach von einer "Ehre, mit ihm sein letztes Rennen zu fahren."

Martins letzte Worte als aktiver Profi: "War eine sehr große Ehre"

Rad-WM 2021: Tony Martin beendet erfolgreiche Karriere

Vor diesem wirkte Martin hochkonzentriert. Fokussiert rückte er sich den futuristischen Zeitfahrhelm zurecht, dann startete in die letzten 22,5 km der Karriere - so lang war der Kurs bis zum Wechsel zu den Frauen in Brügge.
Das Männer-Trio um Martin startete als drittletztes Team und lag früh auf Medaillenkurs. Ihre Teilstrecke absolvierten die Männer in 24:37 Minuten, dann übernahmen die Frauen für den Rest des Rennens.
Während Brennauer und Co. den Kampf um die Medaille aufnahmen, fiel Martin seinen männlichen Kollegen zufrieden um den Hals. Dann beobachteten sie das Rennen der Frauen - und wurden nicht enttäuscht. Brennauer und Co. harmonierten bestens und schoben sich an die Spitze. Als die Goldmedaille feststand, brach ein Riesenjubel bei Martin aus. Vor der Siegerehrung baten auch Fahrer anderer Nationen den Deutschen um ein Abschiedsfoto.
Martin blickt auf eine überaus erfolgreiche Zeit im Radsport zurück. Er wurde unter anderem viermal Weltmeister im Einzelzeitfahren (2011 bis 2013, 2016). 2012 in London war er Olympiazweiter. Zehnmal triumphierte er bei den deutschen Meisterschaften. Bei der Tour de France gewann er fünf Etappen, 2015 trug er vorübergehend das Gelbe Trikot.

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Rad-WM 2021: Tony Martin mit exzellenten Ruf im Peloton

In Martin verliert der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) aber nicht nur einen seiner erfolgreichsten Fahrer des letzten Jahrzehnts. Es verabschiedet sich auch eine wichtige Persönlichkeit.
Martin hatte sich in den vergangenen Jahren einen exzellenten Ruf im Peloton verdient, nicht zuletzt als Kritiker und Mahner für bessere Sicherheitsvorkehrungen. Das Wort des Wahl-Schweizers hatte Gewicht.
In Zukunft will Martin die Erfahrung an die Jugend weitergeben. Gespräche über eine Kooperation mit einer Sportschule in seiner Heimat Kreuzlingen hat er bereits vor längerer Zeit geführt. Zunächst steht aber ein Urlaub mit der Familie an.

Gold für Deutschland: Hier bekommen Martin und Co. ihre Medaillen

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Highlights: Martin und Co. in der Mixed-Team-Staffel siegreich

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