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"Können alles erreichen": Südafrikas Rugby-Helden vereinen zerrissenes Land

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Südafrika - Rugby-WM

Fotocredit: Getty Images

VonEurosport
03/11/2019 Am 16:18 | Update 03/11/2019 Am 16:20

Südafrika demontierte England im WM-Finale und sicherte sich damit den dritten Weltmeistertitel nach 1995 und 2007. Siya Kolisi führte die "Springbocks" als erster dunkelhäutiger Kapitän bei einer Weltmeisterschaft an und wurde somit zum Sinnbild des Triumphs. Denn auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid ist das Land am Kap noch immer tief zerissen.

Die sportliche Niederlage nagte noch sichtlich an Prinz Harry, doch auch dem Briten war natürlich klar: Dieses WM-Finale war mehr gewesen, als ein einfaches Rugby-Spiel. Der Sieg Südafrikas über England hatte Symbolkraft, und der Royal fasste sie in Worte. "Ich glaube fest daran, dass Rugby die ganze Welt vereinen kann", sagte Harry bei seinem Besuch in der Kabine der neuen Weltmeister:

Und mir fällt keine Nation ein, die das gerade dringender benötigt als Eure Nation.
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Kapitän Kolisi Sinnbild des Triumphs

Der Rest ging unter im Jubel der südafrikanischen Sieger, die England in einem gnadenlos intensiven Endspiel der WM in Japan mit 32:12 (12:6) geradezu demontiert hatten. Tausende Kilometer entfernt vereinte der dritte Titel für die Springboks ein zerrissenes, von Problemen geplagtes Land im Freudentaumel, in Johannesburg und Kapstadt stiegen wilde Rugby-Partys.

"Wir hatten viele Herausforderungen vor uns, haben aber das ganze Land hinter uns gespürt. Wir sind so dankbar, ich habe so etwas noch nie erlebt", sagte Siya Kolisi. Der 28-Jährige wurde zum Sinnbild dieses Triumphs, als erster dunkelhäutiger Kapitän führte er Südafrika bei einer Weltmeisterschaft an.

Auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid ist das Land am Kap noch gespalten, "hier aber", sagte Kolisi, "haben Menschen aus allen Rassen zusammengestanden. Wir haben gezeigt, dass wir alles erreichen können, wenn wir alle zusammenhalten."

England im Finale chancenlos

Nach Spielende hatte auf der Tribüne Francois Pienaar, der - weiße - Kapitän der legendären ersten südafrikanischen Weltmeistermannschaft von 1995 seinem Nachfolger zugejubelt. Der damalige Siegeszug im eigenen Land mit dem Finalsieg über Neuseeland hatte vor allem vor dem Hintergrund des offiziellen Endes der Apartheid den Mythos der Springboks begründet. Im Hollywood-Streifen Invictus über die damaligen Geschehnisse spielte Matt Damon die Rolle Pienaars.

Wie im falschen Film kamen sich am Samstag die Engländer vor, die im Halbfinale noch Topfavorit und Titelverteidiger Neuseeland mit 19:7 entzaubert hatten. Gegen ein Südafrika, das ihnen über 80 Minuten förmlich die Luft zum Atmen nahm, waren die Briten in Yokohama meilenweit vom zweiten Titel nach 2003 entfernt. Wie schon im Finale 2007, als Südafrika mit 15:6 zum zweiten Mal Weltmeister wurde, war gegen die Auswahl vom Kap der guten Hoffnung nichts zu holen.

Siya Kolisi (rechts) im Rugby-WM-Finale gegen England

Fotocredit: Getty Images

Und so zog Südafrika nach Titeln mit Rekordweltmeister Neuseeland gleich, der sich 24 Stunden zuvor mit 40:17 gegen Wales zumindest Bronze gesichert hatte.

Kolisi: "Möchte alle Menschen repräsentieren"

Kolisi, dieser körperlich fast unwirkliche Ausnahmeathlet von 105 kg verteilt auf 1,89 m, wurde in den 43 WM-Tagen von Japan zum Gesicht dieser Mannschaft, die die Menschen am Kap wieder näher zusammenbringen sollte. Schon Kolisis Ernennung durch Coach Rassie Erasmus im vergangenen Jahr zum ersten schwarzen Kapitän in der Geschichte des Teams sorgte für Schlagzeilen.

Denn dieser Schritt war keine Selbstverständlichkeit, auch sechs Jahre nach dem Tod Nelson Mandelas. "Ich freue mich, Kapitän zu sein. Das ist ein großes Privileg", sagte Kolisi, der aus einem Township der Hafenstadt Port Elizabeth stammt, vor dem Finale noch einmal. Sein großes Ziel:

Ich möchte alle Menschen repräsentieren.

(SID)

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