Nach dem historischem dritten WM-Titel der Kiwis war Lines zu seinen Idolen auf den Rasen gestürmt, wo ihn ein Stadion-Ordner in bester Rugby-Manier unsanft zu Boden riss. Sonny Bill Williams, einer von Neuseelands Final-Helden, hatte die unwirkliche Szene beobachtet. Der 30-Jährige führte den jungen Anhänger zurück auf die Tribüne und schenkte ihm das kostbare Andenken. "Besser, sie hängt um seinen Hals als um meinen", erklärte Williams später lapidar.

Neuseeland siegt hochverdient

Nach sechs Wochen Rugby-Spektakel in England und Wales gibt es wohl kaum jemanden, der den Neuseeländern den Titel nicht gönnt. Der Topfavorit präsentierte sich von Beginn an in bestechender Form, löste seine Aufgaben in der Gruppenphase souverän und begeisterte in den K.o.-Duellen zunächst mit furioser Offensive gegen Frankreich und dann mit kompakter Defensive gegen das später drittplatzierte Südafrika.
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Auch im Finale ließen die All Blacks bis auf eine kurze Schwächephase zu Beginn der zweiten Hälfte kaum einen Zweifel daran aufkommen, dass sie ihren Titel als erste Mannschaft überhaupt erfolgreich verteidigen würden. "Neuseeland ist der hochverdiente Sieger", sagte Australiens Coach Michael Cheika: "Sie sind seit vielen Jahren das herausragende Team im Rugby-Sport."

McCaw und Carter vor Karriereende

Seit 2009 steht Neuseeland ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste. Mit dem Triumph von London hat sich die "Goldene Generation" endgültig ein Denkmal gesetzt. Zwei der prägendsten Figuren dieser Zeit stehen vor dem Karriereende: Kapitän Richie McCaw (34) und Kicker Dan Carter (33), der im Endspiel noch einmal mit 19 Punkten glänzte. Nach dem Abschied dieser beiden Rugby-Legenden erwartet das Team ein radikaler Umbruch.
Bevor es so weit ist, lassen sich die alten Helden ausgiebig feiern. In der Heimat stieg die wilde Final-Party aufgrund der Zeitverschiebung in den frühen Morgenstunden. Dafür hatte die Regierung sogar eigens die gesetzliche Sperrstunde aufgehoben. Kehrt die Mannschaft Anfang der Woche aus England zurück, geht die Feier in die nächste Runde: Drei große Fest-Paraden durch die Städte Auckland, Christchurch und Wellington sind geplant.

2015 das "bislang größte und beste Turnier"

In England zieht man nach dem Großevent im Rugby-Mutterland derweil hochzufrieden Bilanz. Rund 2,2 Millionen Zuschauer in den WM-Arenen bedeuten ebenso eine neue Bestmarke wie die 150 Millionen Pfund (rund 210 Millionen Euro), die der Rugby-Weltverband als Gewinn einstreicht. "Die Rugby-WM 2015 wird als das bislang größte und auch beste Turnier in Erinnerung bleiben", verkündete Organisationschef Bernard Lapasset stolz.
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