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WM-Finale? Vorsicht Neuseeland!
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Publiziert 24/10/2015 um 10:10 GMT+2 Uhr
Erinnern Sie sich noch an Teil eins meiner Kolumne zur Rugby-WM? Da habe ich über Respekt, Ehrlichkeit und Stolz beim Rugby geschrieben. Die Berichterstattung über den Sport in Deutschland hat nicht nur quantitativ, sondern vor allem auch qualitativ zugenommen – eben weil diese Werte gut ankommen!
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Heute erst habe ich einen Artikel gelesen, in dem es hieß, ein Schiedsrichter aus der Fußball-Bundesliga habe einen Kollegen auf ein Spiel der Rugby-WM aufmerksam gemacht. Die Art, wie dort mit den Unparteiischen umgegangen werde, sei grandios. Lieber Fußball, aufgepasst, beim Rugby gibt es einiges abzuschauen!
Geschrieben habe ich ja auch schon über Schiedsrichter Nigel Owens. Der Waliser ist der populärste Ref der Welt – ganz nebenbei hat er sich übrigens als homosexuell geoutet. Im Fußball traut sich ja schon kein Spieler zu diesem Schritt, bei einem Schiedsrichter wäre es noch weniger vorstellbar. Wie auch immer, Owens wird aller Voraussicht nach das Finale pfeifen, nachdem Jerome Garces und Wayne Barnes auf die Halbfinals angesetzt wurden und sich Craig Joubert mit seiner Leistung im Spiel Schottland – Australien wohl selbst disqualifiziert hat. Das wird wieder ein Spaß. Das Finale des drittgrößten Sportevents der Welt mit diesem pfiffigen Entertainer an der Pfeife.
Australien mit einem blauen Auge davongekommen
Wer das Finale bestreiten wird? Das müssen wir am Wochenende sehen. Die Favoritenrollen sind schon recht klar verteilt. Neuseeland hat nach der Gruppenphase den Schalter um- und mehrere Gänge zugelegt. Das Viertelfinale gegen Frankreich war eine Demonstration der Stärke. Aber Vorsicht: Südafrika ist nicht Frankreich. Da steht eine eingespielte Mannschaft gegenüber, die eine gute Mischung aus jung und alt hat, der ich persönlich eine Überraschung zutraue – denn alles andere als ein Finaleinzug der All Blacks wäre eine Überraschung. Südafrika wirkt nach der Niederlage zum Auftakt der Gruppenphase gegen Japan zumindest gefestigt.
Australien ist im Viertelfinale gegen Schottland nochmal mit einem blauen Auge davongekommen, fast wären die Wallabies auf der Strecke geblieben. Vielleicht ein Wachrüttler wie die Japan-Erfahrung für Südafrika. Australien war spielerisch eigentlich klar besser, hat den Schotten aber häufig Punkte geschenkt, das darf gegen Argentinien nicht noch einmal passieren. Die Pumas haben Irland anfangs überrannt, dann auch von einigen Schiedsrichter-Entscheidungen profitiert – und vor allem haben sie 2014 bewiesen, dass sie Australien schlagen können. 2007 war Argentinien WM-Dritter, geht es acht Jahre später noch höher hinaus? Auch hier ist klar: Ein Sieg Argentiniens wäre eine Überraschung, ist aber möglich.
Schade ist natürlich, dass es keine einzige europäische Mannschaft in die Runde der besten Vier geschafft hat. Das hat es noch nie gegeben, sollte schon deshalb eine Warnung sein. In vier Jahren erwarte ich mit Japan ein weiteres Klasseteam, das nicht aus Europa kommt. England, Irland, Frankreich und Co. müssen sich strecken und ihre internen Probleme in den Griff bekommen. Abschließend bleibt natürlich noch zu hoffen, dass Deutschland es 2019 endlich mal zu einer WM schafft.
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