Magnus Carlsen und Ian Nepomniachtchi teilen WM-Titel: Hans Niemann kritisiert Entscheidung des Weltverbands als "Witz"

Magnus Carlsen hat die Schach-Welt einmal mehr in Aufruhr versetzt. Der Norweger einigte sich bei der Blitzschach-WM in New York nach einem Final-Marathon mit dem Russen Ian Nepomniachtchi eigenmächtig auf ein eigentlich nicht vorgesehenes Remis - und sorgte für heftige Proteste. "Die Schach-Welt ist offiziell ein Witz", schrieb sein Intimfeind Hans Niemann aus den USA bei "X".

Magnus Carlsen

Fotocredit: Getty Images

Als Weltmeister Magnus Carlsen den anderen Weltmeister Ian Nepomniachtchi lächelnd umarmte, platze Hans Niemann irgendwo in New York der Kragen. "Die Schach-Welt ist offiziell ein Witz", schrieb der Amerikaner bei "X" und ließ einen wahren Shitstorm gegen seinen Intimfeind Carlsen folgen. Der Vorwurf: "Ich kann nicht glauben, dass der offizielle Schach-Verband von einem einzigen Spieler kontrolliert wird."
Der Norweger Carlsen und sein russischer Gegner hatten kurz zuvor im Finale der Blitzschach-WM an der Wall Street für ein Novum gesorgt. Weil es nach vier Partien 2:2 stand und auch drei Sudden-Death-Spiele mit Remis endeten, bot Carlsen seinem Gegenüber eigenmächtig an, den WM-Titel zu teilen. Der Weltverband FIDE prüfte den Vorschlag - und gab grünes Licht.
Als wenig später ein Video des Norwegers in den sozialen Medien die Runde machte, in dem er offenbar seinem Gegner eine Matchabsprache vorschlug, tobte Niemann auf "X": "Das ist ein Grund für eine Untersuchung durch die FIDE-Ethikkommission. Ich kann nicht glauben, dass 2 Spieler, die mich böswillig beschuldigt und versucht haben, meine Karriere zu ruinieren, offen gegen die Regeln verstoßen. Die Ironie kann einfach nicht schlimmer werden."
Während die FIDE den Remis-Vorschlag prüfte, sagte Carlsen zu seinem Gegner: "Wenn sie es [den geteilten Titel] ablehnen, können wir schnelle Remis spielen, bis sie aufgeben." Der 34-Jährige stellte anschließend klar: "Ich habe niemals in meiner Karriere ein Remis abgesprochen. In dem Video scherze ich mit Ian über das Fehlen der entscheidenden Tie-Break-Regeln. Das war offenkundig kein Versuch, die FIDE zu beeinflussen. [...] Wenn es etwas war, dann angesichts der Bedeutung der Situation ein schlechter Witz."

Streit in Schach-Welt: Zwei Weltmeister möglich?

Zwei Weltmeister - zumindest für Carlsen fühlte sich das richtig an. "Wir haben fünf Stunden gespielt - und ich hatte das Gefühl, dass keine Ende in Sicht ist", sagte der 35-Jährige. Niemann, der im Viertelfinale gegen seinen alten Rivalen verloren hatte, sah das komplett anders. "Es kann nur einen Weltmeister geben. Das ist kein Titel, den man einfach teilen kann", schrieb er und ließ zahlreiche weitere Vorwürfe folgen.
Carlsen ist mit dem 21 Jahre alten Niemann - anders als mit seinem langjährigen Freund Nepomniachtchi - seit einiger Zeit in inniger Feindschaft verbunden. 2022 hatten sich beide einen öffentlichkeitswirksamen Streit geliefert, es ging um Betrugsvorwürfe gegen Niemann. Unter anderem wegen Verleumdung ging dieser damals juristisch gegen Carlsen vor - und verlor.
Auch in New York hatte Carlsen für Aufsehen gesorgt, als er zum WM-Auftakt gegen die Kleiderordnung des Weltverbandes verstoßen hatte, indem er in einer Jeans ans Brett trat. Die FIDE verdonnerte ihn zu einer Geldstrafe, der Norweger zog sich aus dem Turnier zurück. Daraufhin lockerte die FIDE ihr Reglement - und Carlsen durfte doch in Jeans spielen.
Das tat er dann auch im Finale, das sein Rivale Niemann aus der Ferne aufmerksam verfolgte. Immerhin: Seinen Humor verlor der Amerikaner, der einst nach einer Niederlage sein Hotelzimmer verwüstet haben soll, bei all dem Ärger nicht. "Keine Sorge, Leute", schrieb er zum Abschluss seiner Tirade: "Ich befinde mich gerade nicht in einem Hotel."
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(SID)

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