Olympia 2024 | Florian Wellbrock und Isabel Gose enttäuschen im Becken von Paris: "Das kriege ich nicht zusammen"

Neun Stunden nach dem unerklärlichen Vorlaufdebakel von Florian Wellbrock hat Isabel Gose ein weiteres Erfolgserlebnis für das deutsche Schwimmteam in Paris verpasst. Die Trainingskollegin des tief gefallenen Tokio-Olympiasiegers kraulte beim historischen Sieg des US-Superstars Katie Ledecky über 800 m Freistil auf Platz fünf. Zu ihrer zweiten Medaille fehlten fast fünf Sekunden.

Ledecky schreibt Olympia-Geschichte - Gose ohne Medaille

Quelle: Eurosport

In 8:17,82 Minuten musste sich die 22-Jährige nicht nur der übermächtigen Amerikanerin, die sich mit ihrem neunten Gold zur Rekord-Olympiasiegerin krönte, geschlagen geben. Auch die Australierin Ariarne Titmus, die zweite US-Schwimmerin Paige Madden und die Italienerin Simona Quadarella waren schneller.
"Ich hatte gehofft, dass es ein, zwei Sekunden schneller wird. Aber die Mädels vorne waren bockstark", sagte Gose: "Jetzt fällt eine Menge Druck ab, ich will einfach erstmal meinen Papa in den Arm nehmen. Ich bin aber stolz, dass ich das so gemeistert habe und stark geblieben bin."
Dennoch vollzieht sich eine Wachablösung: Gose und der gleichaltrige Olympiasieger Lukas Märtens bescherten dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) in Paris mit einmal Gold und einmal Bronze die beste Beckenbilanz seit 2008 und liefen Wellbrock, vor drei Jahren in Tokio noch fast im Alleingang der Retter seiner Sportart, den Rang ab.
Gose, die für die beste deutsche Platzierung über 800 m Freistil seit 24 Jahren sorgte, gehört nach Bronze über 1500 m und zwei deutschen Rekorden ebenso die Zukunft wie Märtens. Der souveräne Sieger über 400 m Freistil hatte auf der halben Distanz eine Medaille nur verpasst, weil er sich das Rennen falsch eingeteilt hatte.

Olympia 2024: Florian Wellbrocks sportliches Desaster

Der vier Jahre ältere Wellbrock, der das deutsche Schwimmen in den letzten sechs Jahren mit zehn WM- und fünf EM-Medaillen dominiert hatte, erlebte dagegen in Paris einen tiefen Sturz - und womöglich das Ende einer beeindruckenden Karriere. Nach Platz 14 in indiskutablen 15:01,88 Minuten über 1500 m Freistil verschwand der Magdeburger kommentarlos und völlig niedergeschlagen.
"Das passt alles nicht zusammen, das kriege ich nicht zusammen", sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn anderthalb Stunden nach dem Rennen, als sein Schützling im Ausschwimmbecken noch von den Teamkollegen getröstet wurde. So langsam war der Magdeburger zuletzt im EM-Finale 2022 in Rom geschwommen, als ihn eine Coronainfektion in der unmittelbaren Vorbereitung zurückgeworfen hatte. Ähnliche Gründe gab es diesmal nicht, betonte Berkhahn: "Kein Infekt, er ist wirklich gesund." Umso rätselhafter war, warum er seine starken Trainingsleistungen nicht ins Becken bringen konnte. "Vielleicht war alles zu gut, ich weiß es nicht", sagte der Coach.
Es habe keinen Grund gegeben, "über 15 Minuten zu schwimmen", meinte Berkhahn, "es gab einen Grund, unter 14:40 zu schwimmen". Damit hätte der sechsmalige Weltmeister als Vorlaufschnellster das Finale am Sonntagabend erreicht. "Wir haben alle dran geglaubt, dass er richtig was drauf hat", sagte Berkhahn, "wir sind im Moment einfach nur fassungslos und traurig."
Schon über 800 m war Wellbrock als Zwölfter weit hinterher geschwommen, hatte Zweifel an seiner Olympiaform aufkommen lassen. Am kommenden Freitag steht noch das Freiwasserrennen über zehn Kilometer auf dem Programm, das er in Tokio so überlegen gewann.
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(SID)
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Quelle: Eurosport


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