Angelina Köhler schwimmt trotz "Tollpatschigkeit" zum ersten Gold seit Britta Steffen - und zu Olympia nach Paris

Angelina Köhler schwamm trotz ihrer "Tollpatschigkeit", wie Trainer Lasse Frank sagte, zum WM-Titel in Doha - es war der erste einer deutschen Beckenschwimmerin seit 15 Jahren. Bis zu diesem Erfolg hatte es die 23-Jährige laut eigenen Aussagen jedoch nicht leicht. Genau das habe sie aber auch in ihrer Art gestärkt. Als Geschenk geht’s im Sommer zu den Spielen nach Paris.

Angelina Köhler

Fotocredit: Imago

Das Handy explodierte, hunderte Glückwünsche prasselten auf Angelina Köhler nach ihrem Gold-Coup ein.
"Ich war noch bis halb zwei wach und habe versucht, super viele Nachrichten zu beantworten, weil mir so, so viele Leute geschrieben haben", berichtete die frischgebackene und überglückliche Weltmeisterin nach einer kurzen Nacht.
"Ich kann es immer noch nicht so ganz verarbeiten, was gestern passiert ist", sagte Köhler.
Nur wenige Stunden zuvor hatte die Berlinerin in Doha mit Tränen in den Augen und der Goldmedaille um den Hals ganz oben auf dem Podest gestanden - als erste deutsche Beckenschwimmerin seit fast 15 Jahren, seit dem Doppel-Erfolg von Britta Steffen 2009 in Rom.

Steffen lobt Köhler: "Eine ganz große Leistung"

Die Peking-Doppelolympiasiegerin hatte das Rennen gespannt verfolgt, wie sie dem "ARD"-Hörfunk berichtete: "Ich habe gestern am Bildschirm gehangen mit meinem sechsjährigen Sohn." Als Köhler sich den Titel in starken 56,28 Sekunden geschnappt hatte, habe sie sich "tierisch gefreut", sagte Steffen: "Eine ganz große Leistung."
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Angelina Köhler schwimmt in Doha zu Gold

Fotocredit: Getty Images

Köhler selbst war nach ihrem Erfolg über 100 m Schmetterling "einfach unfassbar stolz". Vor allem, weil der Erfolg zeige, dass auch jemand wie sie, "der manchmal ein bisschen tollpatschig" sei, Weltmeisterin werden könne, erklärte Köhler.
Mit dieser Art habe sie in ihrer Teenagerzeit nämlich "auch viele Probleme" gehabt, berichtete die 23-Jährige. "Wenn man ziemlich groß und dünn ist, lange Arme, bisschen größere Zähne", eine Brille habe und "dann auch noch über die eigenen Füße" falle, sei es "ziemlich einfach für große, ältere Jungs, sich über einen lustig zu machen", sagte Köhler: "Aber das hat mich eigentlich immer nur bestärkt, in dem was ich mache."

Köhler füllt die Mannschaftskasse

In ihrer Berliner Trainingsgruppe, die wie "eine zweite Familie" für sie sei, weiß man ihre Art hingegen zu schätzen. "Ihre Tollpatschigkeit wird mit einem Lächeln einfach akzeptiert, wir nehmen sie so, wie sie ist", erklärte Trainer Lasse Frank und ergänzte schmunzelnd: "Wenn sie mal was liegen lässt, dann ist die Trainingsgruppe da und schleppt es ihr hinterher." Die Mannschaftskasse sei durch Köhler, die der "Regenbogen, die Sonne" des Teams sei, jedenfalls "ordentlich gefüllt".
Auch Köhler sei froh, dass sie ein Team habe, "das auf mich aufpasst", erzählte sie und lachte: "Sonst wäre ich schon um viele Sachen ärmer." Doch nicht nur menschlich, auch sportlich passt es zwischen Köhler und Berlin. Als sie vor knapp zwei Jahren von Hannover in die Hauptstadt gekommen sei, habe man laut Frank an "sehr vielen Stellschrauben gleichzeitig" gedreht, das Krafttraining fokussiert und an den Kicks gearbeitet, durch die Köhler zuvor viel "in der Weltspitze verloren" habe.

Köhler: Keine Zeit für Taylor-Swift-Konzert

Die Arbeit zahlt sich nun aus. Gleich zwei Mal verbesserte Köhler in Doha im Vorlauf und im Halbfinale ihren eigenen deutschen Rekord letztendlich auf 56,11 Sekunden, gewann bei der Kurzbahn-EM in Rumänien Gold (200 m) und Silber mit deutschem Rekord (100 m) - ein "krasser Meilenstein", wie sie im "SID"-Gespräch erklärt hatte.
Mit ihrem Weltmeistertitel wolle sie nun vor allem Jüngeren zeigen, "dass man nicht perfekt sein muss", um Leistung zu bringen, betonte Köhler. Europameisterin, Weltmeisterin - "scheißegal, ich bin immer noch Angie, immer noch die Tollpatschige".
Und die hat sich mit Gold auch vorzeitig das Ticket für Paris gesichert. Für Köhler, die sich als "riesengroßer Taylor-Swift-Fan" mit der Musik des Pop-Idols vor ihren Rennen einstimmt, hat das auch einen kleinen Wermutstropfen: "Ich wäre so unfassbar gerne zu ihrer Eras-Tour gegangen, aber da sind die Olympischen Spiele."
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(SID)
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Quelle: SNTV

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