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Shorttrack bei Olympia 2018 - Anna Seidel nach Sturzdrama frustriert

Shorttrackerin Seidel nach Sturzdrama frustriert
Von SID

18/02/2018 um 10:58Aktualisiert 18/02/2018 um 18:08

Anna Seidel wählte eine aktive Form der Frustbewältigung. Bereits zwölf Stunden nach ihrem Sturzdrama über 1500 Meter kurvte die deutsche Shorttrackerin am frühen Sonntagmorgen durch die Trainingsarena in Yeongdong und lief sich den Ärger von der Seele. Zwei Pannenläufe und Platz 16 auf der geliebten Strecke - die 19-Jährige hatte sich ihren zweiten Auftritt in Pyeongchang anders vorgestellt.

Sie habe sich sehr gut gefühlt, erklärte Seidel nach dem Aus im Halbfinale, als sich ihr Blick in den Katakomben der Olympia-Arena plötzlich auf einen TV-Bildschirm richtete. Dort begann gerade der Medaillenlauf, an dem sie nur zu gern teilgenommen hätte. "Die Ungarin Petra Jaszapati", sagte Seidel und zeigte frustriert auf den Monitor, "die habe ich locker im Sack. Jetzt läuft sie das A-Finale..."

Um Edelmetall liefen andere, weil Seidel in der verflixten zehnten Runde des Halbfinals auf dem Gold-Eis der Paarlauf-Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot wegrutschte. "Wir müssen jetzt ihren Kopf freibekommen", sagte der kommissarische Bundestrainer Daniel Zetzsche: "Es ist ärgerlich. Sie hätte definitiv in ein Finale kommen können."

Seidel: erst ausgehebelt, dann ausgerutscht

Erst ausgehebelt, dann ausgerutscht - fast alles war am Samstagabend schiefgelaufen. Schon im Viertelfinale hatte das Pech erstmals zugeschlagen. Nach einer Berührung mit der Amerikanerin Jessica Kooreman ging Seidel spektakulär zu Boden, durfte nach einer Juryentscheidung aber in der nächsten Runde antreten. "Sie ist mir so stark in die Schiene gelaufen, dass ich keine Chance mehr hatte", sagte Seidel.

Im Halbfinale der längsten Einzelstrecke lief es für Seidel zunächst gut, lange hielt sie sich in der Spitzengruppe auf. Doch dann verlor sie in einer Kurve ohne Fremdeinwirkung den Halt - das Aus war besiegelt. Seidel schimpfte:

"Mein Laufanzug wurde von Mal zu Mal nasser. Es reicht jetzt auch erst einmal."

Ihr Frust über den gebrauchten Tag war verständlich. Seidel, noch Schülerin, hatte für ihre drei Rennen in Pyeongchang fast alles hinter sich gelassen: Familie, Freunde, die gewohnte Umgebung.

Seidel: Olympia-Vorbereitung in der Niederlande

Im Juli brach Seidel die Zelte in ihrer Heimatstadt Dresden ab und zog ins niederländische Utrecht, um unter Trainerin Wilma Boomstra neue Impulse zu setzen. Vor dem Start am Samstag hatte die Niederländerin Seidel geraten, "wie ein Kerl zu laufen", mit mehr Körpereinsatz und harten Bandagen also. Seidel spürte sie am eigenen Leib.

Am Dienstag stehen die Vorläufe über 1000 m an. Womöglich wird es Seidels letzter Auftritt in Pyeongchang sein. "Es wird schwieriger, ins A-Finale zu kommen", sagte Seidel, "ich werde alles geben." Und wenn das nicht gelingt, kann Seidel wenigstens die Atmosphäre in der Shorttrack-Nation Südkorea genießen. "Es ist eine große Ehre, in diesem Land Olympia erleben zu können", sagte sie.