Viktoria Rebensburg raste beflügelt von ihrem ersten Abfahrtstriumph ihrem nächsten Heimsieg entgegen, als sie auf der brutalen Kandahar plötzlich vom siebten Ski-Himmel in die "Hölle" stürzte. Der 30-Jährigen riss es auf dem völlig vereisten Steilhang mit dem infernalischen Namen den Außenski weg, mit dem linken Knie räumte sie ein blaues Richtungstor ab, dann krachte sie ins Netz.

Im Zielraum, wo Rebensburg 24 Stunden zuvor von 5000 Fans, ihrer Familie und Freunden gefeiert worden war, herrschte für bange Minuten atemlose Stille. Doch die Kandahar-Königin richtete sich nur schnell die Krone - und gab bald Entwarnung. Sie sagte über ihren Abflug im Super-G:

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Noel gewinnt Heimrennen bei Ausfallserie in Chamonix
08/02/2020 AM 13:10
Das war ein heftiger Aufprall, aber es ist alles okay. Glück im Unglück.

Rebensburg mit Schmerzen am Knie

Nur ihr linkes Knie schmerze, meinte Rebensburg, "das wird schön blau." Um eine schwere Verletzung gänzlich auszuschließen, begab sich die beste deutsche Skirennläuferin noch während des Rennens, das Corinne Suter (Schweiz) gewann, zu einer MRT-Untersuchung ins Garmischer Krankenhaus.

Stürze, sagte Rebensburg, "gehören zum Skisport dazu. Wenn man Rennen gewinnen will, muss man am Limit fahren, da kann das passieren. Mund abwischen, weitermachen." Schließlich war sie am Vortag mit derselben Taktik nach schweren Wochen mit schwachen Ergebnissen und der Kritik von Alpinchef Wolfgang Maier zu einem ihrer schönsten Siege gefahren.

Heftiger Sturz mit Folgen: Saison-Aus für Rebensburg

Kandahar-Sieg bedeutet Rebensburg "extrem viel"

Bei der Siegerehrung auf dem Balkon der Spielbank von "GAP" musste sie sich vorkommen, als hätte sie gerade den Jackpot geknackt. Mit einem Scheck über 45.000 Euro wurde ihr der Triumph versüßt, damit ließ sich die fällige Party problemlos finanzieren. Dass sie dazu - wie in der Vorwoche Abfahrtsheld Thomas Dreßen - all ihre Lieben würde einladen müssen, "das ist mir egal", sagte sie und lächelte verschmitzt:

Wenn die extra den Weg auf sich nehmen, um mich anzufeuern, dann ist das eine schöne Sache, die man gerne macht.

Schon die lange Gratulationstour am Fuße der Kandahar, wo sie als erste Deutsche seit Maria-Höfl-Riesch 2010 gewann, hatte Rebensburg in vollen Zügen genossen. Den warmen Applaus, die Umarmung ihrer Vorgängerin Höfl-Riesch, und wohl besonders die verbale Verbeugung von Chefkritiker Maier. "Das kann ich nicht beschreiben, das ist einfach mega geil, hammermäßig", sagte sie, "ich hätte es mir nicht besser erträumen können."

Ihr zweiter Saisonsieg kam angesichts der Vorgeschichte einer Erlösung gleich. Rebensburg sagte bewegt:

Es sind so viele Gefühle und Emotionen da, das wird Wochen oder Monate brauchen, das zu verarbeiten.

Dass sie nach 14 Siegen im Riesenslalom und vier im Super-G jetzt auch in ihrer dritten Disziplin reüssierte, "bedeutet mir extrem viel, das ist extrem cool". Dreßen, meinte Rebensburg, sei "sicherlich eine sehr große Inspiration" für sie gewesen, "ich habe nochmal gesehen, wie besonders es ist, ein Heimrennen zu gewinnen."

Maier von Rebensburg "beeindruckt"

Von Genugtuung wollte die Olympiasiegerin nicht sprechen. "Nein", beteuerte sie, die Schlagzeilen rund um die Maier-Kritik hätten sie nicht zusätzlich angespornt, "das hat mit dem überhaupt nichts zu tun gehabt." Maier meinte: "Alles nicht so wild, da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht." Das angekündigte klärende Gespräch, ergänzte Rebensburg, werde es erst geben, "wenn ich ein bissl Pause habe". Also wohl nach Saisonende.

Maier verneigte sich schon in "GAP" vor ihr. "Beeindruckt" war er von Rebensburgs Traumlauf auf einer Piste, die er als "schwierigste Kandahar seit langem" einstufte: "Da zu gewinnen, ist aller Ehren wert, da kann man ihr nur gratulieren." Und das tat er auch.

(SID)

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