Ski-Weltcup-Finale - Mikaela Shiffrin im Duell mit Emma Aicher um Gesamtweltcup: Letzter großer Kampf der Ski-Queen?

Mikaela Shiffrin ist im Kampf um den Gesamtweltcup mit Emma Aicher in der Pole Position. Doch die unbekümmerte Deutsche sitzt der Ski-Queen im Nacken und kann beim Weltcupfinale in Norwegen durch gute Resultate zum Start in den Speeddisziplinen den Druck auf Shiffrin erhöhen. Für die US-Amerikanerin ist es möglicherweise der letzte große Kampf in ihrer Karriere - gegen Aicher und sich selbst.

Zweikampf um Gesamtweltcup: Aicher beißt sich an Shiffrin fest

Quelle: Eurosport

Mikaela Shiffrin kennt diese Situation. Den Druck. Die Erwartung. Die Stille im Starthaus, in der nur der eigene Atem zählt. Doch in diesem Winter fühlt sich alles etwas anders an.
Da ist Emma Aicher - 22 Jahre alt, furchtlos, vielseitig und so konstant wie keine andere Läuferin im Weltcup. Eine Konkurrentin, die Shiffrin fordert und sie zwingt, noch einmal über ihre Grenzen hinauszugehen.
Seit ihrem schweren Sturz beim Riesenslalom in Killington im November 2024, bei der Shiffrin durch eine Torstange eine tiefe Stichwunde im Bauch erlitt, ist der Superstars der Szene eine andere Rennfahrerin. Shiffrin hatte lange mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen. Einer Diskrepanz zwischen Körper und Geist und dem Gefühl, dass der Körper nicht gehorcht.
In ihrer Rekordsaison 2022/23, als Shiffrin bei ihrem fünften und bislang letzten Gesamtweltcupsieg 989 Punkte Vorsprung auf die Zweite Lara Gut-Behrami hatte, gewann sie sieben Riesenslalomrennen - seit ihrem Sturz von Killington keines mehr.
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Aicher vor Weltcupfinale entspannt: "Gut Skifahren und Spaß haben"

Quelle: Eurosport

Shiffrin fuhr im Riesenslaom achtmal in die Top 6

Ihrer einmaligen Brillanz im Slalom (sieben Saisonsiege) hat es Shiffrin zu verdanken, dass sie gute Chancen hat, beim Finale in Norwegen (alle Rennen ab Samstag live im Stream auf HBO Max und im Liveticker) ihre sechste große Kristallkugel zu gewinnen.
Vier Rennen vor Schluss liegt Shiffrin 140 Punkte vor Aicher. Ein Polster, das früher beruhigend gewesen wäre. Doch während Aicher in allen vier Disziplinen vorne mitmischen kann, muss sich Shiffrin in erster Linie auf den Riesenslalom, in dem sie in dieser Saison immerhin achtmal in die Top 6 kam, und den Slalom verlassen.
Shiffrin hat Aicher gelobt, mit einer öffentlichen Anerkennung, die man selten im Hochleistungssport hört. "Um ehrlich zu sein, hat sie das absolut verdient", sagte sie nach dem Rennwochenende in Are. "Sie fährt in jeder Disziplin einfach unglaublich."

Duell Aicher vs. Shiffrin erinnert Odermatt vs. von Allmen

Doch hinter diesem Respekt steckt auch etwas anderes: die Erkenntnis, dass Aicher genau das ist, was Shiffrin früher selbst war - eine Allrounderin, die keine Grenzen kennt. Eine, die überall punkten kann. Eine, die keine Angst hat.
Shiffrin hingegen trägt ihre Vergangenheit mit sich. Die schweren Stürze. Die Phasen, in denen sie sich selbst verlor. Die Momente, in denen sie nicht wusste, ob sie je wieder die Alte sein würde, verbunden mit wiederkehrenden Rücktrittsgedanken.
Shiffrin ist eine Perfektionistin. Eine, die Fehler nicht einfach abhakt, sondern seziert. Eine, die sich selbst härter beurteilt als jede Schlagzeile. Und genau das macht diesen Zweikampf so intensiv.
Aicher ist jung, vielseitig, unerschrocken. Sie fährt mit einer Leichtigkeit, die Shiffrin an ihre eigene Anfangszeit erinnert - an jene Jahre, in denen sie Rennen gewann, bevor sie überhaupt verstand, wie außergewöhnlich das war. Aicher fährt frei, Shiffrin fährt mit Geschichte. Sie gilt mit ihren 109 Weltcupsiegen als die beste Skifahrerin aller Zeiten, spürt aber nach wie vor die Verantwortung, es allen beweisen zu müssen.
Das Duell ähnelt dem der Schweizer Superstars Marco Odermatt und Franjo von Allmen bei den Männern. Nach von Allmens drei Olympiasiegen von Bormio schwärmte Odermatt von der Zeit, als er sich noch mit Unbekümmertheit und Spaß die Abfahrtspisten herunterstürzte. Dies sei - neben den herausragenden Fähigkeiten als Skifahrer - von Allmens großer Vorteil.
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Schätzen und mögen sich: Emma Aicher (l.) und Mikaela Shiffrin

Fotocredit: Getty Images

Shiffrins großer Trumpf ist ihr Umfeld

Shiffrins großes Ass im Ärmel ist ihr Umfeld. Ihr Team ist kein klassisches ”Betreuerstab-Konstrukt”, sondern ein enges, fast familiäres Netzwerk, das sie emotional abfedert und strukturell schützt. "Mikaela muss nicht angeschrien oder gespusht werden. Sie muss verstanden werden", sagte Trainerin Karin Harjo einmal über sie.
Wenn Shiffrin über ihr Duell gegen Aicher spricht, spricht sie nie von sich allein. "Weil Emma so unglaublich ist, müssen wir uns richtig anstrengen. Mein Team und ich werden bis zum Schluss kämpfen", sagte sie.
Bei den Olympischen Spielen in Cortina hat Shiffrin mit dem ersehnten Gold im Slalom - wie sie sagt - "meine Dämonen" besiegt. Der sechste Triumph im Gesamtweltcup wäre nach zwei Jahren ohne große Kristallkugel der nächste - und möglicherweise letzte - große Sieg ihrer einzigartigen Karriere.
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Highlights: Aicher bärenstark - Shiffrin zeigt ihre Slalom-Klasse

Quelle: Eurosport



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