Ski-WM 2017: 30 Jahre goldlos: Die Suche nach dem Wörndl-Effekt

Frank Wörndl ist der letzte Slalom-Weltmeister, den der Deutsche Skiverband hervorgebracht hat. Dem Eurosport-Experten gelang 1987 der große Coup in Crans Montana. 30 Jahre ist das mittlerweile her. Weder Armin Bittner, noch Alois Vogl, Fritz Dopfer oder Felix Neureuther konnten es dem 57-Jährigen seitdem gleichtun.

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Aus St. Moritz berichtet Thomas Janz
Bei der alpinen Ski-WM in St. Moritz wollen Neureuther, Stefan Luiz, Linus Straßer und Dominik Stehle die deutsche Durststrecke im Kampf um Slalom-Gold endlich beenden.
Obwohl im Medaillenspiegel nach zehn WM-Rennen noch immer die Null fürs DSV-Team steht, sieht Wörndl dem Herren-Slalom positiv entgegen. Kein Wunder, schließlich ist das Glas im Leben des Allgäuers immer halbvoll. Zudem hat Neureuther seine Klasse mit der zweitbesten Laufzeit im zweiten Riesenslalom-Durchgang trotz massiver Rückenprobleme unter Beweis gestellt. "Rookie" Straßer überraschte als bester Deutscher auf Platz zwölf.
"Felix ist immer ein Kandidat für eine Medaille", erklärt Wörndl und fügt hinzu: "Straßer ist im Flow. Linus hat skifahrerisch alles drauf. Auch Stefan Luiz traue ich eine Menge zu."

DSV-Bilanz der letzten Jahre sehenswert

Auch wenn es für Deutschland bei Weltmeisterschaften in den vergangenen 30 Jahren nicht mehr zu Gold im Stangenwald reichte, erinnert Wörndl an die letzten Erfolge. 2013 holte Neureuther in Schladming die Silbermedaille im Slalom. Zwei Jahre später jubelte der 32-Jährige über Bronze in Vail/Beaver Creek, während Teamkollege Fritz Dopfer mit Silber im Gepäck in die Heimat reiste.
Auch 30 Jahre nach dem Gewinn der Goldmedaille im WM-Slalom von Crans Montana ist Wörndl ein gefragter Mann. Die zahlreichen Medienvetreter bei der alpinen Ski-WM schätzen den Eurosport-Experten als kompetenten Gesprächspartner und die "Selfiejäger" unter den Fans posieren mit einem breiten Grinsen, wenn sie "Fränky" vor die Linse bekommen.
Im Engadin begleitet Wörndl die Wettkämpfe in den technischen Disziplinen vorm TV-Mikrofon. Und bei seinem Job als TV-Experte beweist er genauso so viel Talent wie zu seiner aktiven Zeit als Ski-Rennläufer.

Mit dem Auge für das Spezielle

Kaum ein Zweiter beschreibt die Szenerie und die Action auf den Weltcup-Hängen so präzise wie Wörndl. Ob schneller Schwung oder Fahrfehler: Wörndl sieht, analysiert und erklärt – live auf den Punkt.
Der WM-Titel von 1987 und die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary sind "nicht mehr relevant" für sein Leben. Wörndl könne sich nicht mehr an alle Details erinnern. Dennoch ist der eine oder andere Gedanke an den schönsten Moment seiner Karriere hängen geblieben:
"Ich bin damals aufgestanden und war gut drauf. Wenig später floss bei der morgendlichen Gymnastik eine Energie durch meinen Körper. Da wusste ich: beim heutigen Derby packt mich keiner", erzählt Wörndl mit einem Funkeln in seinen blauen Augen.
Das Selbstvertrauen war für Wörndl 1987 der Schlüssel zum Erfolg. Eben dieses ist Neureuther, Luiz und Straßer am Sonntag im abschließenden Rennen der Ski-WM in St. Moritz zu wünschen, um die magere Bilanz der deutschen Skirennläufer im Engadin am Ende noch aufzupolieren.
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