Ski-WM 2017 - Felix Neureuther nach Bronze: "Man hat mich schon ziemlich abgeschrieben"

Für Felix Neureuther war die Ski-WM in St. Moritz eine emotionale Achterbahnfahrt. Im Interview spricht der 32-Jährige über seine Emotionen nach Bronze im Slalom und erklärt, warum er die Medaille seiner Freundin Miriam Gössner widmet. Nachdem der Druck von seinen Schultern abgefallen war, saß die Zunge locker: "Vor allem stehen wir jetzt im Medaillenspiegel vor Iran, das ist schon auch wichtig".

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Aufgezeichnet von Marco Mader (SID)
Felix Neureuther, was bedeutet Ihnen diese dritte WM-Medaille?
Felix Neureuther: Es ist wirklich sehr, sehr emotional gewesen für mich, weil alles so ein bisschen hochkommt, die letzten 14 Jahre. Ich bin hier vor 14 Jahren meine erste WM gefahren, jetzt eine Medaille mit nach Hause zu nehmen, ist Wahnsinn.
Wohl auch wegen der Vorgeschichte, oder?
Neureuther: Ja, die letzten Tage waren echt nicht einfach für mich, mit den Rückenproblemen und dem Druck und der Kritik von außen. Ich habe mich auch sehr zurückgezogen und alles in dieses Rennen reingelegt - und das ist aufgegangen. Das ist eine extreme Genugtuung.
Sie haben diese Medaille Ihrer Freundin Miriam Gössner gewidmet. Warum?
Neureuther: Weil sie keine einfach Zeit hatte, aber egal, wie schlecht es ihr ging, sie ist immer da gestanden und hat mich immer aufgebaut. Das ist menschlich für mich wirklich sehr, sehr groß, auch, dass sie sich nie beklagt, sie hat sich nie wichtig genommen, das zeigt den Charakter eines Menschen. Deswegen gehört mindestens die Hälfte ihr.
Sie haben immer gesagt, Silber in Schladming 2013 werde nichts mehr toppen können...
Neureuther: Ja, es ist anders. Es war heute echt extrem, man hat mich schon ziemlich abgeschrieben. Es hat mich geärgert, dass man gesagt hat, der Neureuther holt keine Medaille mehr, es müssen andere richten, deswegen war bei mir der Ehrgeiz im Vorfeld groß. Ich habe die Verhältnisse wieder ein bisschen zurechtgerückt, es ist schon sehr, sehr schön.
Hat sich jetzt tatsächlich, wie von Ihnen zuvor angesprochen, der Kreis geschlossen?
Neureuther: Schon, definitiv. Der Simari-Birkner, der Hubertus von Hohenlohe und ich sind die einzigen drei, die 2003 hier schon am Start gestanden sind, das ist echt eine coole Geschichte, dass ich jetzt hier 14 Jahre später eine Medaille gewinnen darf.
War es auch Ihre letzte WM?
Neureuther: Das kann ich noch nicht sagen, ehrlich. Emotionaler kann's nicht mehr werden. Ich bin normalerweise keiner, der so schnell zu weinen anfängt, aber heute hat es mich komplett herg'schüttelt und mir die Tränen richtig rausgedrückt.
Die Medaille war auch für den Skiverband wichtig, weil es die erste war...
Neureuther: Vor allem stehen wir jetzt im Medaillenspiegel vor Iran, das ist schon auch wichtig. Seit dem Team-Wettbewerb war es echt nicht einfach für uns, weil wir ziemlich kritisiert worden sind, die Trainer, der Verband, der Wolfi (Alpindirektor Maier). Für mich nicht gerechtfertigt, weil die Jungs extrem hart arbeiten und sich für uns den Hintern aufreißen. Es war sicher nicht ihre Schuld, dass es nicht gelaufen ist, wir haben die besten Trainer, die man sich vorstellen kann. Wer sie kritisiert, hat keine Ahnung, wovon er spricht.
Wie wird die Medaille gefeiert?
Neureuther: Einen Kaffee trinken wir noch, und dann geht's nach Hause. (lacht)
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