Ski-WM 2017: Kjetil Jansrud, Peter Fill, Erik Guay und Hannes Reichelt sind in der Abfahrt Favoriten

Der "Freie Fall" zum Start der WM-Abfahrt der Männer ist imposant. Aber entschieden wird das Rennen dort nicht. Und die Favoriten wie Kjetil Jansrud, Beat Feuz, Peter Fill und Hannes Reichelt zittern vor den unberechenbaren Kanadiern um Super-G-Weltmeister Erik Guay.

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Sie haben ein bisschen geschwindelt, die sonst so korrekten Schweizer. Stets behaupteten sie, dieser "Freie Fall", über den sich die besten Abfahrer der Welt in St. Moritz auf die Strecke "Corviglia" stürzen, weise ein Gefälle von 100 Prozent auf. In Wahrheit sind es nur maximal 80 Prozent, und das auch nur auf den ersten 50 Metern.
Von oben, von unten und von der Seite sieht diese Rampe trotzdem respekteinflößend aus. "Man schluckt erst einmal", sagt der Südtiroler Dominik Paris: "Es ist wie der erste Kopfsprung vom Fünf-Meter-Turm." Am Samstag, 12.00 Uhr (live im TV, Livestream und Ticker), wird dort um WM-Gold gesprungen.
Der "Freie Fall", und das ist verbürgt, ist der steilste Starthang im alpinen Skirennsport. Es geht von Null auf Hundert in etwa vier Sekunden. Entworfen hat dieses Steilstück Bernhard Russi, Olympiasieger von 1972, bereits für die WM 2003 in St. Moritz.

Ein Knaller zu Beginn

Der Schweizer hatte sich geärgert, weil er bei der WM 1974, ebenfalls in St. Moritz, auf dem Flachstück, mit dem damals die Strecke begann, kein Tempo bekommen hatte. "Da konnte ich fast mit dem Publikum reden", scherzt Russi. Er wurde damals, 1974, nur 13. Bei der Premiere des "Freien Falls" vor 14 Jahren gewann Michael Walchhofer aus Österreich.
Russi ist seit den Olympischen Winterspielen 1988 der Pistenarchitekt des Internationalen Skiverbandes FIS, demnächst wird er den Job an Landsmann Didier Defago übergeben, den Olympiasieger von 2010. Er hat halbe Berge ummodelliert, in St. Moritz fand er eine prima Piste vor - nur der Start gefiel ihm nicht.
"Ich wollte deshalb zu Beginn gleich einen Knaller haben", erklärt er. Oben auf dem Berg steht nun eine Plattform. Vier Millionen Franken hat der Umbau gekostet, für einen Lift reichte das Geld nicht mehr. Nun müssen die Rennläufer 187 Stufen nach oben stapfen zum Start.
Dem deutschen Cheftrainer Mathias Berthold ringt die Startrampe trotz allem nur ein müdes Lächeln ab. "Viel wichtiger", erläutert er, "ist die Linkskurve danach" - denn sie führt hinein in dieses elende Flachstück, auf dem sich Russi damals so langweilte.

Entscheidende Einfahrt ins Flachstück

Im Training am besten erwischt hat diese Passage offenkundig Vincent Kriechmayr, ein junger Österreicher, "abartig, ja leck", sagte dazu Josef Ferstl beeindruckt. Kriechmayr ist nun prompt die Hoffnung seiner Landsleute. Denn: Olympiasieger Matthias Mayer ist nicht so recht in Form, er grübelt und sieht sich selbst nur als Außenseiter.
Andere Sieganwärter strotzen dagegen vor Selbstvertrauen. Kjetil Jansrud (Norwegen), der Schweizer Beat Feuz, vor allem aber die Kanadier. Im Super-G gewannen Erik Guay und Manuel Osborne-Paradis Gold und Bronze, und das soll's nicht gewesen sein.
In der Abfahrt "bin ich noch höher einzuschätzen", betont Osborne-Paradis, Guay versichert: "Wir sind wieder voll konzentriert, am Samstag erledigen wir den Job." Kuriosität am Rande: Die Österreicher haben zur Vorbereitung in Saalbach eigens eine Abfahrtstrainingsstrecke bauen lassen. Vor der WM trainiert haben sie dort nicht. Dafür die Kanadier.
Die Österreicher übten lieber in Garmisch. Auf der Kandahar trainierten sie mit den Deutschen, Ferstl fasste den Vergleich mit den Worten zusammen: "Sie sind schlagbar." Nur: Es ist nicht zu erwarten, dass ihm dies am Samstag gelingt - er hat die "Corviglia" überhaupt nicht im Griff. Die Deutschen hoffen daher auf einen erneuten Achtungserfolg, sprich: eine Top-10-Platzierung von Andreas Sander. Der Westfale hat als Siebter im Super-G überzeugt. Dort war er nur neun Hundertstelsekunden langsamer als ein gewisser Vincent Kriechmayr.
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