Ski-WM - Viktoria Rebensburg exklusiv zu Deutschlands Hoffnungsträgerin Emma Aicher: "Das ist die große Herausforderung"
Update 10/02/2025 um 18:21 GMT+1 Uhr
Emma Aicher ist es zu verdanken, dass der DSV nach der ersten WM-Woche in Saalbach Grund zum Optimismus hat. Die ersehnte Medaille konnte die 21-Jährige zwar (bislang) nicht liefern, setzte aber mit Platz sechs in Super-G und Abfahrt Ausrufezeichen. Und: Die beste Podestchance kommt noch, denn "Aicher ist im Slalom am nächsten dran an der Weltspitze", sagt Viktoria Rebensburg bei Eurosport.de.
Rebensburg exklusiv: Darauf kommt es jetzt bei Aicher an
Quelle: Eurosport
Emma Aichers Weg ist verschlungen. Geboren und aufgewachsen im schwedischen Sundsvall, erlernte sie das Skifahren auf skandinavischen Pisten. Weil die Trainingsmöglichkeiten in den Alpen vielversprechender waren, zog es die Familie zunächst in die Schweiz, später wechselte sie dank ihres deutschen Vaters zur Saison 2020/2021 ins Lager des Deutschen Skiverbands (DSV).
Ein Glücksfall für den deutschen Skisport, so viel lässt sich schon jetzt sagen. "In Abfahrt und Super-G sowie im Slalom kann Emma vorne mitfahren", unterstreicht Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg im Gespräch mit Eurosport.de die Allround-Qualitäten der jungen Sportlerin.
In den Speed-Rennen habe "nicht viel gefehlt zum Podest", am besten seien die Aussichten aber im Slalom, wo sie "konstant Richtung Top Fünf oder Podium blicken" könne.
Genau darauf hofft man im deutschen Team. Schon am Dienstag bietet sich Aicher in der Team-Kombination der Frauen die realistische Möglichkeit auf eine Medaille. Die 21-Jährige bestreitet die Abfahrt (ab 10:00 Uhr live auf Eurosport 1, im Stream bei discovery+ und hier im Ticker), Lena Dürr soll danach im Slalom (ab 13:15 Uhr) den Coup perfekt machen.
Rebensburg lobt Aicher: "Sie regt sich trotzdem nicht auf"
Aicher bringe alles mit, was dafür vonnöten sei, erklärt Rebensburg. "Emma ist eine lustige, lockere und lebensfrohe Person. Sie bringt die richtige Mentalität mit, die man als Abfahrerin braucht", so die Riesenslalom-Olympiasiegerin von 2010.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/08/4095564-83048928-2560-1440.jpg)
In Medaillennähe: DSV-Hoffnung Aicher überzeugt bei WM-Abfahrt
Quelle: Eurosport
Aichers Ruhe und ihr Naturell habe sich "bei der WM positiv ausgewirkt, gerade bei der Startnummern-Thematik. Sie bekommt die Nummer 30 und regt sich trotzdem nicht darüber auf, sondern sagt: 'Okay, so ist es nun mal. Jetzt mache ich das Beste daraus.' Genau diese Einstellung brauchst du - das hilft Emma enorm."
- Die Alpine Ski-WM 2025 in Saalbach live und auf Abruf auf discovery+
Die clevere Herangehensweise des Toptalents dürfte ein Grund dafür sein, dass sie sich trotz eines Riesenpensums bei den Weltmeisterschaften in toller Form präsentiert. 18 Weltcup-Rennen bestritt Aicher vor den Titelkämpfen, und das in allen vier Einzel-Disziplinen. Ob Abfahrt, Super-G, Riesenslalom oder Slalom - Aicher trat an. Die Ergebnisse sind noch nicht konstant auf gutem Level, Fortschritte aber erkennbar.
Aicher steht vor großer Herausforderung
"Emma hat große Fähigkeiten im Speed-Bereich und in den technischen Disziplinen, insbesondere im Slalom. Im Riesenslalom steigert sie sich ebenfalls. Ich sehe sie in Abfahrt, Super-G und im Slalom am stärksten", sagt Rebensburg und warnt gleichzeitig: "Es ist allerdings nicht leicht für eine junge Athletin, dabei eine gute Balance zu finden."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/08/4095497-83047593-2560-1440.jpg)
Aicher nach Platz sechs in der Abfahrt: "Bin zufrieden"
Quelle: Eurosport
Auf der einen Seite fehle "vielleicht die Substanz, um über die gesamte Saison alle Disziplinen mitzunehmen. Auf der anderen Seite besteht die Schwierigkeit darin, von den langen Skiern in den Speed- auf die kürzeren in den Technik-Disziplinen zu wechseln. Und es fehlt die Zeit fürs Training. Wenn du mehrere Speed-Wochenenden hintereinander im Einsatz bist, bleiben kaum Möglichkeiten, die technischen Disziplinen zu trainieren. Das ist die große Herausforderung", führt Rebensburg aus.
Rebensburg: "Für Emmas Weg ist es wichtig ..."
Es gehe "darum, Feingefühl an den Tag zu legen, mal das eine oder andere Speed-Rennen auszulassen, um den Fokus auf den Slalom zu richten. Für Emmas Weg ist es wichtig, dieses Gefühl zu entwickeln", betont die Eurosport-Expertin, die ihre Laufbahn im September 2020 offiziell beendete.
Wenn du als Athletin die Möglichkeit hast, in allen Disziplinen zu starten und vorne mitzumischen, gibt es keinen Grund, es nicht zu tun.
Aktuell sehe sie in Aichers großer Bandbreite aber kein Problem. "Man kann nicht pauschal festlegen, ab wann das große Pensum mit Starts in allen Disziplinen zu viel wird. Das hängt von der Veranlagung der Athletin ab. Michelle Gisin etwa hat unlängst ihre Karriere als Allrounderin beendet und sich auf den Speed-Bereich und den Riesenslalom spezialisiert. Wenn du als Athletin die Möglichkeit hast, in allen Disziplinen zu starten und vorne mitzumischen, gibt es keinen Grund, es nicht zu tun", unterstreicht Rebensburg.
Zeitdruck? Kein guter Ratgeber für Aicher
Es sei allerdings nicht angebracht, Zeitdruck auf Aicher auszuüben. Wann ihr der Sprung vom Talent zur konstanten Topfahrerin gelinge, hänge davon ab, "wie Emma sich entwickelt und ob sie gesund bleibt. Da spielen eine Menge Faktoren hinein. Viel wichtiger als ein fixer Zeitpunkt ist die Fokussierung darauf, Schritt für Schritt zu gehen und zu planen", stellt Rebensburg klar.
Zum Glück ist Frauen-Chefcoach Andreas Puelacher bei allen Rennen an Emmas Seite, egal, ob im Speed- oder Technik-Bereich.
Entscheidend sei in dieser Hinsicht ein gutes Umfeld, denn: "Es gibt eine Komponente, welche die Sache nicht ganz so einfach macht: Wenn du Abfahrt und Super-G fährst, trainierst du mit dem Speed-Team, stehen technische Disziplinen auf dem Programm, entsprechend in der Technik-Mannschaft. Man gehört nicht permanent in einer Gruppe an und springt hin und her." Sie kenne das aus eigener Erfahrung. "Mir persönlich war es wichtig, einen Trainer zu haben, der immer dabei ist und meinen ganzen Saisonverlauf kennt. Zum Glück ist Frauen-Chefcoach Andreas Puelacher bei allen Rennen an Emmas Seite, egal, ob im Speed- oder Technik-Bereich", erläutert Rebensburg.
Das gilt natürlich auch für den Slalom-Wettbewerb am Samstag (ab 9:45 Uhr live auf Eurosport 1 und discovery+). Wenn Aicher in diesem Rennen tatsächlich näher an der Weltspitze dran sein sollte als in den Speed-Rennen, dann könnte etwas Großes passieren ...
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Kein Dream Team mit Shiffrin - Vonn reagiert vielsagend
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/06/4094692-83031493-2560-1440.jpg)
Aicher nach Platz sechs: "Ich kann mich nicht ganz an den Lauf erinnern"
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung