Ski-Weltcup: Emma Aicher sitzt Mikaela Shiffrin im Nacken - Viktoria Rebensburg schwärmt von Skifahrerin der Zukunft

Emma Aicher reitet die Erfolgswelle: Nach der Gala beim Ski-Weltcup in Soldeu träumt die 22-Jährige nicht nur von der Abfahrtskristallkugel, sondern setzt auch Mikaela Shiffrin im Gesamtweltcup mächtig unter Druck. "Ich glaube, Mikaela gerät etwas ins Schwitzen und spürt Emmas Atem in ihrem Nacken", erklärt Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg, die in Aicher die Skifahrerin der Zukunft sieht.

Herausragende Fahrt: Aicher siegt im Super-G von Soldeu

Quelle: Eurosport

Neun Termine sind im Kalender des Alpinen Skiweltcups noch vermerkt. Und gleich zweimal könnte Emma Aicher Geschichte schreiben.
Im Kampf um die kleine Kristallkugel in der Abfahrt liegt der Shootingstar des Deutschen Skiverbandes (DSV) drei Rennen vor Schluss hinter der schwer verletzten Lindsey Vonn (400 Punkte) mit einem Rückstand von 94 Zählern in der Pole Position. Spätestens seit dem Weltcup in Soldeu träumt Aicher aber noch eine Kategorie größer.
Im Gesamtweltcup beträgt der Rückstand der 22-Jährigen auf Mikaela Shiffrin nur 219 Punkte. Neun Rennen vor Saisonende wird gemunkelt, die US-Amerikanerin gehe in Val di Fassa und beim Finale in Lillehammer gezwungenermaßen im Super-G an den Start, um die sechste große Kristallkugel ihrer Laufbahn abzusichern.
"Ich glaube, Mikaela gerät etwas ins Schwitzen und spürt Emmas Atem in ihrem Nacken", zeigte sich Eurosport-Expertin Viktoria Rebensburg überzeugt.
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Rebensburg: "Wer soll sie jetzt noch schlagen?"

Am kommenden Wochenende bietet sich Aicher eine einzigartige Chance. Beim Weltcup im Fassatal (4. bis 8. März) stehen zwei Abfahrten auf dem Programm, bereits in den Dolomiten könnte die Deutsche also auf Platz eins der Disziplinwertung springen.
"Emma hat überragend gute Chancen, weil sie sich zurzeit voll im Flow befindet. Es läuft, sie surft auf der Welle und nimmt die starken Ergebnisse von Olympia mit", bezog sich Rebensburg auf die Silbermedaillen von Cortina in Abfahrt und Team-Kombination.
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Aicher im Siegerinterview: "Fühlt sich ziemlich gut an"

Quelle: Eurosport

Neben diesem starken mentalen Fundament spielen Aicher auch die äußeren Bedingungen in die Karten. Selbst bei frühlingshaften Temperaturen und den dadurch kniffligeren Verhältnissen gerät sie nicht ins Wanken. "Das liegt Emma, das hat sie schon in Soldeu gezeigt", so Rebensburg.
Dort landete sie in der Abfahrt auf dem vierten Platz, an den beiden darauffolgenden Tagen eroberte sie im Super-G ihren dritten Saisonsieg sowie einen zweiten Rang. "Ich frage mich: Wer soll sie jetzt noch schlagen?", so Rebensburg weiter.

Die Mentalitätsfrage: Cool, cooler, Aicher

Das Saisonfinale wird zumeist auch im Kopf entschieden. Für eine solche Herausforderung sieht Rebensburg die junge Deutsche gewappnet: "Sie muss einfach bei sich bleiben, ihr Ding weiter durchziehen und nicht über das Drumherum nachdenken. Dass sie das kann, hat sich auch bei den Winterspielen unter Beweis gestellt", erklärte die Riesenslalom-Olympiasiegerin von 2010. "Wenn Druck von außen zu spüren ist, bleibt sie einfach sie selbst und zieht durch. Das ist ihr Erfolgsgeheimnis."

Der aktuelle Stand im Abfahrts-Weltcup:

PlatzNamePunkte
1.Lindsey Vonn (USA)400
2.Emma Aicher (GER)306
3.Kira Weidle-Winkelmann (GER)256
4.Sofia Goggia (ITA)240
5.Laura Pirovano (ITA)236
Zwar lauern mit Kira Weidle-Winkelmann, Sofia Goggia und Laura Pirovano noch drei weitere Athletinnen auf ihre Chance, Rebensburg glaubt jedoch fest an die erste deutsche Kristallkugel in der Abfahrt seit Maria Höfl-Riesch in der Saison 2013/14.
"Wenn sie diesen Flow aufrechterhält, wird Emma die Kristallkugel gewinnen", unterstrich die 36-Jährige. "Da habe ich ein sehr gutes Gefühl."

Aicher klopft an: Jetzt denkt selbst Shiffrin um

KKleines Gedankenspiel: Würde Aicher im Val di Fassa wie zuletzt in 230 Weltcup-Punkte sammeln, übernähme sie auch im Gesamtweltcup die Führung. Ein Szenario, an welches Shiffrin gedacht haben dürfte, als sie sich am vergangenen Wochenende im Training die Super-G-Skier anschnallte. Ein Start der US-Amerikanerin in Norditalien zeichnet sich unweigerlich ab.
Die finalen Super-G-Rennen im Fassatal und beim Weltcup-Finale in Kvitfjell auszulassen, wäre für die dreimalige Olympiasiegerin mit Blick auf die große Kristallkugel nämlich schlichtweg ein zu großes Risiko.
"So wie Emma zurzeit drauf ist, wird es für Mikaela wichtig sein, dort am Start zu stehen und zu punkten", merkte Rebensburg an. Das ist jedoch alles andere als garantiert: Mitte Dezember bestritt Shiffrin in St. Moritz erstmals seit zwei Jahren einen Super-G - und schied aus. Seitdem ging die Slalom-Olympiasiegerin von Cortina nicht mehr in den Speed-Disziplinen an den Start.
Jahrelang reichten Shiffrin im Kampf um den Gesamtweltcup ihre Ergebnisse in Slalom und Riesenslalom. Aicher zwingt den Superstar nun dazu, seine Komfortzone zu verlassen. "Und trotzdem gibt es drei weitere Rennen, in denen Emma noch einmal den Unterschied machen kann, weil Mikaela die Abfahrten nicht bestreiten wird", führte Rebensburg weiter aus.

Aicher und das Eichhörnchen-Prinzip

Und damit sind wir beim Knackpunkt angelangt: Keine andere Athletin verkörpert nämlich die Silbe "Gesamt" im Begriff "Gesamtweltcup" wie Aicher. 27 von 28 Rennen bestritt der DSV-Star in dieser Saison, einzig beim Riesenslalom am Kronplatz setzte die Allrounderin aus.
Mühsam, wie sich ein Eichhörnchen ernährt, sammelte Aicher ihre Punkte und brachte sich damit in die Position, den ersten deutschen Gesamtweltcupsieg seit Höfl-Riesch im Winter 2010/11 einzufahren. Beeindruckend: Sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G und Slalom landete Aicher auf dem Podest.
Das enorme Pensum kann jedoch im Schlussakt der Saison einen Tribut fordern. "Gerade gegen Ende der Saison wird es besonders schwierig, weil einem hier und da das Training fehlt und die Spritzigkeit abhandenkommt", gab Rebensburg zu bedenken. "Auf der anderen Seite spielt ihr das enorme Selbstbewusstsein in die Karten."
DatumRennenOrt
6. MärzAbfahrtVal di Fassa (Italien)
7. MärzAbfahrtVal di Fassa (Italien)
8. MärzSuper-GVal di Fassa (Italien)
14. MärzRiesenslalomAre (Schweden)
15. MärzSlalomAre (Schweden)
21. MärzAbfahrtKvitfjell (Norwegen)
22. MärzSuper-GKvitfjell (Norwegen)
24. MärzSlalomKvitfjell (Norwegen)
25. MärzRiesenslalomKvitfjell (Norwegen)
Bei den neun verbliebenen Rennen im Weltcup-Kalender wird Aicher aller Voraussicht nach an den Start gehen und weiter am Thron von Shiffrin sägen. Und wenn es nicht klappt?
"Egal welches Ende diese Saison nimmt: Emma wird in Zukunft diejenige sein, die es im Kampf um den Gesamtweltcup zu schlagen gilt", so Rebensburg. "Ob es ihr dieses Jahr gelingt, werden wir sehen. Mikaela wird aber nicht mehr ewig fahren, dann wird Emma definitiv die nächste sein."
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Baumanns WM-Sternstunde: Haarscharf an Super-G-Gold vorbei

Quelle: Eurosport


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