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Wengen: Sturz von Aleksander Aamodt Kilde sorgt für Kritik - Marco Odermatt und Co. fordern Lehren
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Publiziert 13/01/2024 um 20:01 GMT+1 Uhr
Abfahrt, Super-G, Abfahrt - für den gewöhnlichen Fan war das Speed-Programm in Wengen vorab ein Genuss. Welche Ausmaße eine derart hohe Belastung jedoch annehmen kann, offenbarte der Klassiker am Samstag. Zwölf Athleten schieden aus, der schwere Sturz von Aleksander Aamodt Kilde sorgte für Totenstille im Zielraum. Die "Hölle" von Wengen soll eine Lehre sein - auch mit Blick auf Kitzbühel.
Horrorsturz im Zielhang: Kilde kracht brachial in Fangzaun
Quelle: Eurosport
Und plötzlich war es still am Lauberhorn. Nachdem Marco Odermatt das heimische Publikum wenige Minuten zuvor noch mit seinem Zauberlauf ins Delirium geschickt hatte, sorgte der schwere Sturz von Mitfavorit Aleksander Aamodt Kilde im Zielhang für ernste und besorgte Mienen.
Die Einfahrt in die finale Kurve der Abfahrt misslang dem entkräfteten Norweger, mit voller Geschwindigkeit krachte er in den Fangzaun.
Beim Aufprall verbog sich sogar ein Ski, der 31-Jährige musste lange Zeit behandelt werden. 25 Minuten später wurde der 21-malige Weltcupsieger mit dem Hubschrauber abtransportiert und wenig später in Bern operiert.
Der Norweger hatte sich eine Schnittwunde in seiner Wade, eine ausgekugelte Schulter, sowie Prellungen, aber keine Knochenbrüche zugezogen.
Zwar wurde das Rennen fortgesetzt, das Gefühl war jedoch nicht mehr dasselbe.
Baumann erlebt "Hölle" - Odermatt vermisst Fairness
Vor allem die endlose Warterei machte den verbliebenen Starten offensichtlich zu schaffen. "Der Tag wird einfach lang", erklärte Eurosport-Experte Alexander Köll. "Die stehen sicherlich zwei Stunden am Start. So viele Unterbrechungen - und den Athleten stellt sich die Frage: 'Wann gehe ich zum Start?'"
DSV-Abfahrer Romed Baumann war einer jener Athleten, die direkt von den Auswirkungen von Kildes Sturz betroffen waren. "Die Pause hat mich ziemlich aus dem Konzept gebracht", sagte er gegenüber dem "ZDF". "Ab dem Tunnel habe ich fast nur schwarz vor den Augen gehabt", fuhr er fort. "Es war die Hölle heute."
Neben Kilde fanden elf weitere Fahrer den Weg nicht ins Ziel. Ein Umstand, der im dritten Rennen innerhalb von drei Tagen auch auf die nachlässenden Kräfte der Sportler zurückzuführen ist.
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Mit Hungerast in Wengen: Baumann auf Abfahrt in Nöten
Quelle: Eurosport
Vor allem die Top-Fahrer wie Odermatt, Kilde oder auch Cyprien Sarrazin "haben schon so viele Tage in den Beinen", unterstrich Köll während der Übertragung auf Eurosport. "Man muss sich vorstellen: Die Sieger von Freitag - dasselbe Podium von Donnerstag übrigens - haben mit den Pressekonferenzen und Siegerehrungen extrem lange Tage. Da bleibt ganz wenig Zeit zum Regenerieren."
Odermatt ging im Anschluss an das Rennen auf den Sturz seines Freundes und Konkurrenten Kilde ein. "Das ist natürlich wieder der fade Nachgeschmack bei diesem Sieg. Wenn ein Freund stürzt, ist das nie schön", meinte er im "ORF"-Interview. "Ich habe gestern gemerkt, wie viel Energie das raubt. Deshalb war es heute sicher nicht das fairste Rennen, auch wenn das leider zu unserem Sport gehört."
Sarrazin: "Drei Tage in Serie sind zu viel"
Der französische Tageszweite Sarrazin schloss sich dem Fazit von Odermatt an. "Das sind keine guten Gefühle", gab er nach seinem dritten Podestplatz in Folge zu.
Die extreme Streckenlänge von knapp 4,5 Kilometern fordere laut dem 29-Jährigen ebenso ihren Tribut. "Drei Tage in Serie sind auf der längsten Strecke im Weltcup zu viel", so Sarrazin. "Aleksander ist der stärkste Läufer und er ist vor dem Ziel gestürzt."
Dominik Paris, der trotz eines Rückstands von 1,92 Sekunden Platz drei eroberte, pflichtete diesen Bedenken bei und richtete den Blick besorgt bereits eine Woche weiter. Dann finden in Kitzbühel nämlich erneut zwei Abfahrten innerhalb von 24 Stunden statt (jeweils ab 13:30 Uhr live und on-demand bei discovery+).
"Wir bewegen uns alle am Limit. Ich finde Doppelabfahrten nicht optimal, egal ob in Kitzbühel oder anderswo", mahnte der Südtiroler beim "ORF". Die Entscheidung, die in Beaver Creek abgesagte Abfahrt in Wengen nachzuholen, sei nicht ideal gewesen. "Das ist kräftezehrend", so Paris.
Absagenflut als Boomerang - Odermatt wünscht sich Lehre aus Wengen
Doch wie konnte es zu diesem Mammutprogramm überhaupt kommen? Tatsächlich bekamen die Speedfahrer an diesem Wochenende die Nachwehen der Schmach am Matterhorn und dem Debakel von Beaver Creek zu spüren.
Insgesamt vier Abfahrten und ein Super-G mussten an den beiden Orten abgesagt werden, die FIS versuchte die verlorenen Rennen irgendwie noch zu retten. Gerade für Allrounder und mögliche Anwärter für den Gesamtweltcup ein Schuss vor den Bug - und ein Beispiel für die Achillesferse des Weltcups.
Hätte sich Marco Schwarz in der Abfahrt von Bormio nicht schwer verletzt, hätte der Österreicher mit dem Slalom am Sonntag theoretisch innerhalb von vier Tagen an vier Rennen teilnehmen können. Ob sich der 28-Jährige diesen Overkill angetan hätte, ist die eine Frage - wo die Fairness im Gesamtweltcup bleibt, hingegen die andere.
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Schwarz stürzt böse und muss mit dem Helikopter ins Krankenhaus
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"Natürlich müssen die Rennen nachgeholt werden und wir sind froh, dass diese nachgeholt werden", sprach Paris diese Problematik an. "Aber muss es sein, dass man so viele Rennen an einem Wochenende bestreitet?”
Kriechmayr widerspricht: "Schwache Ausrede"
Odermatt, der bereits Mitte Januar mit 556 Punkten Vorsprung seinem dritten Gesamtweltcup in Folge entgegenstrebt, hofft indes auf einen Lernprozess. "Das ist keine Kritik, aber hoffentlich eine Lehre für alle - für jeden Austragungsort, jeden Verband und für die FIS, dass mehr nicht immer besser ist", lautete sein Fazit.
Im österreichischen Lager kann man die Kritik indes nicht nachvollziehen: "Natürlich ist es eine hohe Belastung mit drei Rennen, aber wir trainieren den ganzen Sommer. Das ist eine schwache Ausrede", sagte Vincent Kriechmayr, der am Samstag Fünfter wurde. "Es ist einfach blöd hergegangen. Ich würde jetzt nicht sagen, dass zu hohe Belastungen sind. Wir sind froh, dass wir Rennen haben, wir sind auch froh, dass Wengen hier eingesprungen ist. Immerhin haben wir schon einige Rennen verloren."
Inwiefern der Weltverband die Ratschläge einiger besorgter Athleten beherzigt, bleibt vorerst wohl im Raum stehen. Zwar sind die ungleichen Voraussetzungen zwischen Techniker (24 Rennen) und Speedfahrer (18) im Gesamtweltcup eklatant und das Nachholen der Rennen ein Muss.
Doch wie Odermatt zurecht unterstreicht, steht Quantität nicht immer über Qualität - und erst recht nicht über der Gesundheit der Athleten.
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"Richtig brutal": Verzweifelter Dreßen fährt aufrecht ins Ziel
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