Skisprung-Weltmeister Markus Eisenbichler ist in Engelberg bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee auf das Podest geflogen und hat acht Tage vor dem Auftakt in Oberstdorf (live bei Eurosport) seine Ambitionen auf den ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald unterstrichen.
Der 29-Jährige aus Siegsdorf musste sich am Sonntag auf der von ihm ungeliebten Gross-Titlis-Schanze nur seinem norwegischen Dauerrivalen Halvor Egner Granerud geschlagen geben, der nach seinem fünften Sieg in Serie als Topfavorit ins Allgäu reist.
"Nach dem ersten Sprung war ich stinksauer, der war nicht schön, einfach rausgenudelt", sagte Eisenbichler in der "ARD": "Im zweiten habe ich dann gedacht: Scheiß drauf. Ich wollte dann einfach einen raushauen. Saugeil, dass es so geklappt hat."
Engelberg
Granerud siegt erneut - Eisenbichler knapp am Podium vorbei
19/12/2020 AM 16:49
"Er wollte zu viele Dinge perfekt machen und hat sich dabei nicht auf die Automatik fokussiert", analysierte Bundestrainer Stefan Horngacher Eisenbichlers ersten Sprung auf 134 Meter.

Eisenbichler mit Bestweite in Durchgang zwei - Granerud zu stark

Eisenbichler mit Bestweite im zweiten Durchgang

Der Bayer, der am Samstag im ersten Springen als Vierter noch hauchdünn am Podium vorbeigesegelt war, hatte in Abwesenheit des mit Corona infizierten Skiflug-Weltmeisters Karl Geiger (Oberstdorf) nach Durchgang eins noch auf Platz sieben gelegen.
Mit der Bestweite von 137,5 m im zweiten Sprung schob sich Eisenbichler mit 303,7 Punkten noch nach vorne. "Da sieht man dann mal, was drin ist, wenn er den Sprung freigibt", meinte Horngacher: "Es geht in die richtige Richtung."
Das Springen im Ticker zum Nachlesen
Granerud (305,4/141,5+135,5) lag jedoch wieder umgerechnet einen Meter vor der deutschen Nummer eins. "Es ist unglaublich. Bei der Stabilität fehlen mir die Worte. Im Moment sind auch die normalen Sprünge einfach unfassbar. Es läuft alles bestens. Es fühlt sich einfach Klasse an", meinte Seriensieger Granerud nach seinem fünften Weltcupsieg in Folge: "Ich freue mich sehr auf die Vierschanzentournee. Ich werde mein Bestes geben und es den anderen so schwer wie möglich machen."
Laut Eurosport-Experte Martin Schmitt ist Granerud für die Tournee logischerweise favorisiert, direkt dahinter kommt aber schon Eisenbichler. "Er ist absolut auf Tuchfühlung", sagte der ehemalige Weltcup- und Olympiasieger: "1,7 Punkte sind die gleiche Klasse und gleiche Liga. Ihm wird die Pause auch gut tun. Und dann kann er ihn auch stark herausfordern."

Markus Eisenbichler

Fotocredit: Imago

DSV-Quartett um Wellinger enttäuscht

Dritter wurde der Pole Piotr Zyla (296,2), der nach dem ersten Durchgang noch geführt hatte. Erneut überraschend stark war Routinier Pius Paschke (294,1), der als Fünfter sein bestes Karriereergebnis egalisierte. Martin Hamann kam nach Platz elf am Samstag diesmal auf Rang 21.
Wenig Glück hatten die deutschen Sorgenkinder. Die Olympiasieger Andreas Wellinger und Severin Freund, die in der Qualifikation für den ersten Wettkampf gescheitert waren, überstanden am Sonntag immerhin die Vorausscheidung, schieden aber als 32. und 39. im ersten Durchgang aus.
Auch Constantin Schmid war eine Woche nach Silber bei der Flug-WM mit dem deutschen Team erstaunlich chancenlos und schied als 41. aus. Der lange verletzte David Siegel verpasste bei seinem ersten Weltcup nach 700 Tagen als 34. ebenfalls das Finale - am Samstag war er unmittelbar vor seinem Sprung wegen eines nicht korrekten Anzugs disqualifiziert worden.

Horngacher mit Finish zufrieden

"Wir haben uns sehr schwer getan, aber gut gefinisht", sagte Bundestrainer Horngacher zu den Top-Five-Plätzen von Eisenbichler und Paschke: "Hinten war der Anschluss aber nicht so optimal."
Die DSV-Springer bereiten sich nun in Oberstdorf auf die am 28. Dezember an eben jener Stelle startende Vierschanzentournee (alle Qualifikationen und Springen live bei Eurosport) vor.
"Wir werden noch ein bisschen am Material und der Technik feilen", versprach Horngacher: "Wir wollen die Vierschanzentournee gewinnen. Wir hoffen natürlich, dass der Karl gesund zurückkommt. Dann haben wir ein sehr starkes Team und schon Chancen, vorne mitzuspringen."
Fazit Schmitt: "Ich glaube, das deutsche Team ist gut gerüstet für die Vierschanzentournee."
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