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Mark Allens Meisterstück und übergroße Taschen

Allens Meisterstück und übergroße Taschen

05/11/2018 um 15:49Aktualisiert 06/11/2018 um 13:31

Mark Allen drohte lange eine Art unvollendeter Spieler zu bleiben: jemand mit einem Riesentalent, der seine Möglichkeiten aber nicht nutzt. Das ist vorbei. 2018 hat er gezeigt, dass er auch ein Mann für die großen Momente ist. Erst hat er im Januar mit dem Masters einen Triple-Crown-Event gewonnen, dann hat er gestern in Daqing mit der International Championship einen weiteren großen Titel geholt.

Besonders beeindruckt hat mich in der letzten Woche, wie dominant er zum Titel gestürmt ist. Abgesehen von seinem Auftakt-Match gegen Liam Highfield, wo er einen 0:4-Rückstand wettmachte, hat er nie gewackelt, sondern immer souverän gewonnen. Er und Neil Robertson waren nach der Woche die logischen Finalisten, und der Nordire war der logische Sieger.

Sein Meisterstück hat Allen natürlich in der ersten Session des Finales abgeliefert, als er sechs Frames in Folge gewann. Drei dieser Frames gewann er jeweils mit einem Century, die anderen drei Frames waren aber erheblich offener. Da hat er Kampfgeist, Geduld und taktische Cleverness bewiesen; die Tugenden eines guten Allrounders.

Video - Vase oder Pokal? Allen erhält Trophäe für seinen Sieg

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Ständiges Thema: Rekordzahl an Centuries

Neil Robertson hatte sich seine Auszeit zur Unzeit genommen. Dass er den letzten Frame der ersten Session noch gewann änderte nicht mehr wirklich etwas. Zu groß war der Rückstand und zu gut war der Gegner. Alle Achtung, dass der Australier in der zweiten Session noch einen großen Kampf lieferte und dafür sorgte, dass aus dem Finale noch ein Match wurde. Aber eine echte Chance hatte er nicht mehr.

Er selber brachte es auf den Punkt: "Vor dem Finale war ich eigentlich zuversichtlich. Ich weiß, dass jemand sein Bestes aufbieten muss, um mich in einem Endspiel zu schlagen, aber Mark hat sein allerbestes Snooker gespielt." Allen ist an der Aufgabe gewachsen. Das ist das, was echte Champions machen.

Mark Allen

Mark AllenGetty Images

Ein ständiges Thema während der Woche in Daqing war die Aufnahmefreudigkeit der Taschen und die daraus resultierende Rekordzahl an Centuries. Eigentlich sollten die Taschen immer gleich geformt sein, denn sie werden ja mit den Schablonen überprüft. Die Spieler selber führten die vielen hohen Breaks vielmehr auf die Bedingungen zurück: Geringe Luftfeuchtigkeit sorgte dafür, dass die Tische sehr schnell wurden und sehr gut auf das reagierten, was man dem Ball mitgab.

Da kann sich dann auch schon einmal ein Ball an der Bande entlangziehen und fallen, der bei anderen Bedingungen nicht gefallen wäre. Was aber auch immer der Grund dafür gewesen sein mag (vermutlich ein Mix aus verschiedenen Punkten): Das Snookerspielen wurde dadurch nicht leichter, wie es viele Beiträge in den sozialen Medien nahelegten.

Im Gegenteil: Der Druck, die eigenen Chancen zu nutzen, wurde größer. Der Druck, dem Gegner keine Chance hinzustellen, wurde ebenfalls größer. Leichter sieht anders aus. Auch hier hat Neil Robertson die passenden Worte gefunden: "Die Bedingungen waren ein Paradies für die, die reichlich punkten. Wenn sie in den Bällen waren haben die Top-Spieler kaum noch etwas verschossen. Man musste schon Besonderes leisten, um den Titel zu holen. Der erforderliche Standard war sehr hoch."

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

Video - Klarer Sieg im Finale: Allen schlägt Robertson

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