Snooker - Rolf-Kalb-Blog: Weltmeister Zhao Xintong bricht den Bann - aber ein Härtetest war das nicht
VonRolf Kalb
Publiziert 22/11/2025 um 15:44 GMT+1 Uhr
Der Bann ist gebrochen: Zhao Xintong hat im saudi-arabischen Riad seinen ersten Titel als amtierender Weltmeister gewonnen, und das in beeindruckender Manier. Im Finale der Riyadh Season Championship dominierte er Neil Robertson und setzte sich mit 5:2 durch. Eurosport-Experte Rolf Kalb sieht in seinem aktuellen Blog ein Ausrufezeichen von Zhao, warnt aber davor, den Erfolg überzubewerten.
Dritthöchstes Break des Turniers: Zhao glänzt im Finale
Quelle: Eurosport
Wer zum ersten Mal die Weltmeisterschaft gewonnen hat, der steht in der folgenden Saison unter besonderem Druck. Alle erwarten, dass man den Erfolg von Sheffield bestätigt.
Zhao Xintong hat diesen Bann nun mit seinem Triumph in Riad gebrochen. Zuvor lief es für ihn in dieser Saison ja nicht wirklich rund, wobei er allerdings auch durch gesundheitliche Probleme ausgebremst wurde.
Und das war ja auch kein Spaziergang für Zhao in Riad. Nacheinander hat er bei diesem Einladungsturnier Shaun Murphy, Judd Trump und Neil Robertson geschlagen. Das ist eine stolze Strecke.
Noch wichtiger aber: Vor allem im Finale ließ er wieder seine besondere Klasse und sein Flair aufblitzen. Er begeisterte durch mitreißende Breaks und durch seine Lockerheit. Da wirkt er manchmal beinahe verschmitzt. Das ist ein sehr attraktives Paket.
Plötzlich fehlte die Lochsicherheit
Es ist müßig, darüber zu spekulieren, wie Zhao reagiert hätte, wenn Robertson das durchaus mögliche 3:4 geschafft hätte. Die Chance dazu hatte der Australier, bis er Rot auf die Mitte verschoss. Ausgerechnet im entscheidenden Moment verließ ihn seine Lochsicherheit, obwohl er zuvor doch das wohl beste Snooker gezeigt hatte.
Seine Nervenstärke hatte Zhao Xintong aber auch schon zuvor im Decider beim Halbfinale gegen Judd Trump bewiesen. Auch wenn Zhao nach dem Endspiel meinte, er sei nervös gewesen: Ich glaube, er hätte dem Druck standgehalten.
13 gewonnene Frames reichten
Auf der anderen Seite darf man den Erfolg von Zhao Xintong nicht überbewerten. Natürlich hat er namhafte Gegner geschlagen, aber er musste nur drei Matches gewinnen. 13 gewonnene Frames reichten, um sich den Titel zu holen. Ein Härtetest sieht anders aus. Finanziell ist die Riyadh Season Championship sehr attraktiv für die Spieler, der sportliche Wert jedoch ist begrenzt.
Positiv überrascht hat mich in Riad die Zuschauerresonanz. Das war deutlich besser als bei den ersten beiden Ausgaben und kein Vergleich mit dem Totentanz von Dschidda im August. Ich hatte Schlimmeres befürchtet, weil der Kartenvorkauf erst neun Tage vor dem Event startete. Mir schienen aber auch ziemlich viele chinesische Fans nach Saudi-Arabien gekommen zu sein. Zhao mag das geholfen haben.
Ein Wermutstropfen waren die freien Sessel ausgerechnet beim Finale. Da habe ich den Verdacht, dass einige VIPs durch Abwesenheit geglänzt haben. Aber das ist natürlich nur eine Spekulation.
"Pause" ist derzeit ein Fremdwort für die Snooker-Tour. Schon heute nämlich hat die Qualifikation für die UK Championship im englischen Wigan begonnen. Zu sehen ist die bei discovery+.
Vom 29. November bis zum 7. Dezember folgt dann die Endrunde der UK Championship, das erste Major der Saison. Das werden Festtage für die Snookerfans. Eurosport überträgt aus York ausführlich im linearen TV sowie natürlich auch auf Discovery+.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Zhao dreht im Finale auf: Zweites Century in Folge
Quelle: Eurosport
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