Snooker - Saison-Rückblick im Rolf-Kalb-Blog: Wilson ist mein Spieler des Jahres

Judd Trump ist als Spieler der Saison 2024/25 geehrt worden. Eurosport-Experte Rolf Kalb sieht aber in seinem Saison-Rückblick einen anderen Spieler vorne. Den langjährigen Kommentator hat vor allem die Saison von Kyren Wilson imponiert. Der "Warrior" wurde ja auch von den Medienvertretern zum Spieler des Jahres gewählt. Als Weltmeister hat Wilson in der abgelaufenen Saison vier Titel geholt.

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Quelle: Eurosport

Klar gibt es gute Gründe, Judd Trump zum Spieler des Jahres zu wählen. Mit dem Shanghai Masters, dem Saudi Arabia Masters und der UK Championship hat er drei Titel geholt. Zudem stand er bei drei weiteren Events im Finale. In der Ein-Jahres-Rangliste liegt er mit weitem Abstand vorne.
Keine Frage: Das ist eine beeindruckende Bilanz. Aber dass er die Rangliste so deutlich anführt, liegt vor allem daran, dass er ausgerechnet die lukrativsten Events gewonnen hat. Deswegen ist er aber noch lange nicht der konstanteste Spieler. Vor allem in der zweiten Saisonhälfte schwächelte er durchaus.
Konstanter war für mich Kyren Wilson. Vier Titel holte er über die gesamte Saison verteilt und stand zwei weitere Male im Endspiel. Für einen, der zuvor seinen ersten WM-Titel geholt hatte, ist das imponierend.
Oft ist es ja so, dass Spieler nach ihrem ersten WM-Titel schwächeln. Die größeren Erwartungen und die vielfältigen Ablenkungen sorgen da einfach für mehr Druck.

Wilson startet durch

Nicht so bei Kyren Wilson. Der hat zwar bei der Championship League einen Fehlstart hingelegt, aber das war ein Warnschuss für ihn. Danach ist er durchgestartet und hat die gesamte Saison über konstant auf hohem Niveau gespielt. Der einzige Wermutstropfen für ihn war die Erstrunden-Niederlage bei der WM. Das war ein bitteres Saisonende. Ansonsten aber gilt: Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung des Trump-Wilson-Duells in der nächsten Saison.
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Kyren Wilson in seinem Auftaktmatch gegen Lei Peifan

Fotocredit: Getty Images

Zu den Auffälligkeiten der Saison 2024/25 gehört auch, dass die chinesischen Spieler immer erfolgreicher werden. Mit Ding Junhui, Xiao Guodong, Lei Peifan und Zhao Xintong haben gleich vier von ihnen Titel geholt. Für Xiao (Wuhan Open) und Lei (Scottish Open) war es jeweils der erste Titel. Zudem standen mit Wu Yize (gleich zweimal) und Si Jiahui weitere Chinesen in Endspielen.

WM-Triumph mit Beigeschmack

Noch mehr Schlagzeilen hat natürlich der WM-Triumph von Zhao Xintong produziert. Nach Ablauf seiner Sperre hatte er nicht nur schnell wieder das Ticket für die Main Tour geholt, sondern startete er auch von der ersten Runde der WM-Qualifikation durch bis zum größten aller Titel.
Natürlich war das mit einem Beigeschmack verbunden und sorgt weiterhin für Diskussionen, aber sportlich gesehen war das einfach überragend. Und es wird Snooker in China einen weiteren Schub geben. Der Durchmarsch der Chinesen in die Weltspitze wird weitergehen.
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Quelle: Eurosport

Mark Selby scheint sich in der abgelaufenen Saison wieder gefangen zu haben. Seine Leistungen waren wieder konstanter, und er holte auch drei Titel. Ein Auf und Ab war die Saison dagegen für Neil Robertson. Bei den English Open und dem World Grand Prix triumphierte er zwar, aber er streute auch immer wieder schwache Turniere ein. Dazu mag aber auch beigetragen haben, dass er wohl ein unentdecktes Problem mit seiner Ferrule hatte.
Der Beinahe-Mann der Saison für mich ist Shaun Murphy. Der hat zwar das Masters gewonnen, ist aber ansonsten trotz sehr guter Leistungen immer früher oder später auf der Strecke geblieben.
Die Saison 2024/25 war sehr abwechslungsreich. Immerhin haben wir bei 23 Events 14 verschiedene Sieger gesehen. Den echten Überflieger gab es nicht. Mit John Higgins und Mark Williams haben sich darüberhinaus auch Legenden in die Siegerlisten eingetragen. Das hat Spaß gemacht und macht auch Appetit auf die neue Saison. Einzig die Krise von Ronnie O’Sullivan hinterlässt Fragezeichen.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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