Hossein Vafaei triumphiert bei Shootout in Leicester: Weder Krieg noch Politik konnten ihn stoppen

Der Sport schreibt immer wieder ganz besondere Geschichten, auch Snooker. Der Sieg von Hossein Vafaei beim Shootout in Leicester ist eine solche. Als er in seiner Heimatstadt Ayouri auf einem durch den Krieg beschädigten Tisch zum ersten Mal Snooker ausprobierte konnte er nicht davon träumen, dort zu stehen, wo er heute steht. Und auch die Politik hat seine Karriere lange ausgebremst.

Hossein Vafaei

Fotocredit: Getty Images

Man kann den Sieg von Hossein Vafaei ja einfach in Zahlen fassen: Er ist der 70. Spieler, der einen Ranglisten-Titel gewonnen hat, und er ist der 107. Spieler, der im Finale eines Ranglisten-Turnieres gestanden hat. Der Iran ist damit das 14. Land, das einen Sieger bei einem Ranglisten-Turnier stellt. Aber nackte Zahlen werden dem Ereignis nicht gerecht.
Wer so viele Widrigkeiten überwindet muss ungeheuer viel Biss haben. Als Vafaei mit Snooker angefangen hat, war das im Iran ja wohl noch eine ziemlich exotische Angelegenheit. Trotzdem ist er dem grünen Tuch sofort verfallen und hat es geschafft, sich auch eine international erfolgreiche Amateur-Karriere aufzubauen. Mit nur 17 Jahren wurde er 2011 Amateur-Weltmeister durch einen Finalsieg über Lee Walker und gewann 2014 zudem noch die U21-Weltmeisterschaft.
Mit beiden Titeln hatte er damals auch Anspruch auf einen Platz auf der Maintour, aber das schien lange an unüberwindbaren Problemen zu scheitern. Eine Rolle spielte dabei, dass sein Heimatland einer Profikarriere aus verschiedenen Gründen skeptisch gegenüberstand. Eine Rolle spielte dabei auch, dass ein international erfolgreicher Amateur Vafaei durch Medaillengewinne den Ruf seines Landes hätte strahlen lassen.
Noch gravierender allerdings waren die aufgrund der politischen Situationen erschwerten Möglichkeiten, Visa für die Einreise in diverse Länder zu erhalten. So verpasste er bis auf die WM-Qualifikation auch die gesamte Saison 2014/15. Erst ab Sommer 2015 konnte er weitestgehend regelmäßig an den Turnieren teilnehmen. Und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Profi-Karriere waren erst gegeben, als er während der Saison seine Basis im englischen Darlington aufgeschlagen hatte.
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Century zum Start: Vafaei trumpft gegen Selby auf

Quelle: Eurosport

Vafaei beweist unbändigen Willen

Dass er an der jahrelangen Existenz zwischen Baum und Borke nicht verzweifelt ist zeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Er hat einen unbändigen Willen. Da erscheint es dann auch nicht mehr vermessen, dass er gestern gesagt hat, er wolle Weltmeister werden. Daraus hatte er auch vorher keinen Hehl gemacht und davon träumen die meisten, die Snooker spielen. Das ist keine Arroganz. Das ist der Ausdruck eines starken Willens, den man braucht, um wirklich erfolgreich zu sein.
Zudem stand sein Auftritt beim Shootout unter keinem guten Stern, nachdem unmittelbar zuvor seine Großmutter verstorben war. In Leicester erlebte man nicht den immer höflichen, lächelnden und zugewandten Hossein Vafaei, sondern einen sichtlich traurigen Menschen, der sich nach Möglichkeit von anderen absonderte. Kein Wunder, dass sich angesichts dieser Hintergründe wirklich alle für ihn freuten.
Kann der Shootout-Triumph jetzt wirklich der Start einer ganz großen Karriere sein? Bei Spielern wie Michael White, Michael Georgiou, Thepchaya Un-Nooh oder Michael Holt hat das ja noch nicht geklappt. Aber wer so viel überwunden hat wie Hossein Vafaei, dem muss man alles zutrauen.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Quelle: Eurosport

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