Shaun Murphy spricht über sein Gefühl des Versagens nach der Niederlage im Crucible-Finale 2015

Im Interview mit Eurosport verrät Shaun Murphy, warum nach seiner 15:18-Niederlage gegen Stuart Bingham vor einem Jahr in einem der größten Endspiele im "Crucible" der Schmerz nicht weniger geworden ist.

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Fotocredit: Eurosport

Murphy war der Favorit und sah vor und während seiner Begegnung mit Bingham wie der Sieger aus, um in brutal kurzer Zeit aus seinen Träumen gerissen zu werden. Er verlor die letzten drei Frames und musste eine 15:18-Niederlage hinnehmen, die sich irgendwie unwirklich anfühlte.
Noch Wochen später haderte Murphy, der trotz seiner 33 Jahre plötzlich wie ein Neuling wirkte, dass er sich nicht seinen zweiten WM-Titel sichern konnte. Er führte bereits 3:0 und 8:4, konnte seine Träume aber auf dem Snooker-Tisch nicht erfüllen. Obwohl er einen 12:15-Rückstand noch einmal ausgleichen konnte, verpasste er es schließlich, seinem Triumph von 2005 einen weiteren hinzuzufügen.

"Wollte das Haus nicht mehr verlassen"

Nun ist er zurück an der Stelle, wo er von Bingham vor hunderten Millionen Zuschauen weltweit "beraubt" wurde, in einem Match, nach dessen Ende er sich völlig zurückgezogen hatte. "Ich habe danach für ungefähr drei Wochen mein Haus nicht mehr verlassen", verriet er Eurosport zu Beginn des aktuellen Turniers.
Murphy hat aufgrund seines Siegeswillens und seiner Technik den Spitznamen "The Magician". Aber auch Zauberer schaffen es nicht immer, das Kaninchen aus dem Hut zu holen. "Wenn sie hierher kommen und Eintrittsgeld bezahlen, vergessen die Zuschauer manchmal, dass wir den Sport genauso lieben wie sie", sagte Murphy. "Da stehen unsere Träume und Ambitionen auf dem Spiel. Seit wir Kinder waren, haben wir davon geträumt, in diese Arena einzulaufen."
Er fügte hinzu:

Hoffnungen und Träume hängen am Snooker

Als Gewinner der UK Championships, des Masters und anderer Turniere bringt es Murphy auf 2,7 Millionen Dollar Preisgeld in seiner Karriere. "Um nicht missverstanden zu werden, wir müssen keine Baugruben ausheben", so der Engländer. "Wir haben ein sehr gutes Leben, wofür wir alle sehr dankbar sind. Wir alle genießen die Privilegien, die man hat, wenn man mit Sport seinen Lebensunterhalt finanzieren kann. Wir sind dankbar darüber, wo wir im Leben sind, aber unsere Hoffnungen und Träume hängen trotzdem daran, ob wir Snooker-Turniere gewinnen oder verlieren."
Der Weltranglisten-Dritte streitet ab, dass er in seiner Karriere mehr als einen Titel beim Crucible hätte gewinnen sollen: "Es ist nicht so einfach, wie wir es manchmal aussehen lassen. Ich habe einige fantastische Matches gezeigt, aber unglücklicherweise sind manche nicht wie erhofft ausgegangen. Ich war in zwei anderen Endspielen. In dem gegen John Higgins war ich nie richtig zur Stelle, aber letztes Jahr haben mir nur zwei Frames zu meinem zweiten WM-Titel gefehlt. Zumindets kann ich von mir sagen, dass mein Name auf der Trophäe steht."

Wendepunkt oder Karriereende

Er ist nicht der Einzige, der ein Versagensgefühl nach einer bitteren Niederlage hatte, wie man an Jordan Spieths Zusammenbruch in Augusta sah, als der Golfstar dort einen Vorsprung von fünf Schlägen auf den letzten neun Löchern verspielte.
Er ergänze: "Wir sind alle dazu in der Lage, an einem guten Tag zu gewinnen. Aber wie man die Niederlagen wegsteckt, zeigt, was für ein Mensch man ist. Nach der WM war es besonders schwer, weil danach alle erstmal die Queues in die Ecke gestellt haben. Man hat einen Monat Zeit, um sich im Finale als Sieger oder Verlierer zu sehen."
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