Zum Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe, hat Graeme Dott schon das Finale des World Grand Prix erreicht. Gegen Ronnie O’Sullivan hat er auch mit seinem Matchplay überzeugt, gegen Tom Ford lieferte er ein offensives Feuerwerk ab. Der ist bereit für einen nächsten Titel. Fast 13 Jahre ist es her, dass er seinen letzten Triumph gefeiert hat; eine lange Zeit, die teilweise auch persönlich sehr hart für ihn war. Würde er seine Durststrecke beenden, es gäbe wohl kaum einen in der Snooker-Familie, der sich nicht für ihn freuen würde.

Sein Gegner im Endspiel ist entweder Neil Robertson oder Kyren Wilson. Nachdem Robertson sich zuletzt so dominant zeigte, ist er natürlich der Favorit. Aber irgendwann wird sich auch bei ihm der Kräfteverschleiß zeigen. Außerdem: Wer wie Wilson nacheinander Jack Lisowski, Judd Trump und John Higgins in einem Decider schlägt, der ist aus hartem Holz geschnitzt. Entscheidend wird sein, wie Robertson mit der langsameren Spielweise von Wilson zurechtkommt. Je mehr der "Warrior“ das Tempo bestimmt, desto größer werden seine Chancen. Der Australier muss unbedingt sein schnelles und flüssiges Spiel durchziehen, denn dann ist er am stärksten.

Snooker
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Trump gegen Robertson ein Traum-Endspiel

Am letzten Sonntag war noch das Finale des German Masters im Berliner Tempodrom. Wieder einmal war die Atmosphäre dort überragend. Wann immer ich dort in der Arena stehe, bekomme ich eine Gänsehaut. Dort zu stehen ist für mich keine Arbeit, sondern ein Privileg. Das Finale zwischen Trump und Robertson war nicht nur ein Traum-Endspiel, sondern für mich auch sehr interessant. Anders als bei ihrem Finale beim Champion of Champions spielte dieses Mal das taktische Spiel eine viel größere Rolle. Trump hat den Titel im Tempodrom geholt, weil er das bessere Matchplay hatte. Diese Qualität macht ihn noch gefährlicher.

In der Woche davor gab es die Premiere in Dornbirn: zum ersten Mal ein Ranglisten-Turnier in Österreich. Beim ersten Mal war vielleicht noch nicht alles perfekt, aber das Potential für mehr ist vorhanden. Man muss nur noch an einigen kleinen Stellschrauben drehen, dann kann das auch ein Top-Event werden. Das zu entscheiden allerdings obliegt natürlich der World Snooker Tour.

Das Finale natürlich hat nicht viel geboten: 9:0 für Neil Robertson gegen Zhou Yuelong. In den ersten beiden Frames hatte Zhou noch mitgehalten. Die hat er nur aufgrund von Kleinigkeiten verloren, zum Beispiel eine einzige zu dünn gespielte Safety. Danach aber wurde für den Youngster der Druck zu groß, und am Ende ist er gar zusammengebrochen. Da hat er mir schon leidgetan; so etwas sieht man auch als Journalist nicht gerne. Robertson aber hat da den Grundstein auch für seine Erfolge in den kommenden Wochen gelegt.

Bingham ein würdiger Masters-Champion

Das Snooker-Jahr hatte wie üblich mit dem Masters begonnen. Wer im Vorfeld auf ein Finale zwischen Stuart Bingham und Ali Carter gesetzt hätte, der wäre wohl ausgelacht worden. Aber am Ende war es ein logisches und das richtige Endspiel. Bingham ist unter den anderen Spielern sehr beliebt. So konnten sich am Ende alle mit dem neuen Masters-Champion freuen. Und der hat auch mal wieder gezeigt, dass derjenige, der ihn auch nur ein bisschen unterschätzt, unter Umständen schon den entscheidenden Fehler gemacht hat.

Atemlos waren die letzten Wochen, und es kehrt auch jetzt noch keine Ruhe ein. Nach dem World Grand Prix geht es sofort mit den Welsh Open weiter, dann folgen das Shootout und die Players Championship. Die Themen werden in den letzten Wochen also nicht ausgehen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr / Euer Rolf Kalb

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