Olympia 2024 in Paris: Speedklettern ist ein rasantes Highlight der Spiele - Experte Jan Hojer erklärt die Disziplin
VonJan Zesewitz
Publiziert 07/08/2024 um 19:43 GMT+2 Uhr
Es ist spektakulär, immer eins gegen eins - und nach wenigen Sekunden vorbei. Speedklettern ist 2024 in Paris zum ersten Mal eine Einzeldisziplin bei den Olympischen Spielen. Die Zuschauer im La Bourget Sportkletterpark erleben nicht nur eine rasante Sportart, sondern auch zahlreiche Weltrekorde bei den Männern und Frauen. Der Experte Jan Hojer erklärt die Disziplin und analysiert die Weltrekorde.
"Gibt nichts schnelleres": Jan Hojer erklärt Speedklettern
Quelle: Eurosport
"In der Leichtathletik gibt es keine Disziplin, die in einem so schnellen Zeitraum absolviert wird", sagt Eurosport-Experte Hojer, der 2021 selbst als Athlet in Tokio dabei war. "Das hat etwas Besonderes, das macht auch den Reiz aus - dass alles Schlag auf Schlag geht, alle Finals sind nach einer halben Stunde vorbei."
Im Finale muss man bei den Männern wohl in unter fünf Sekunden zu Gold sprinten, genauer gesagt: klettern. Beim Speedklettern bewältigen die Athleten eine 15 Meter hohe Wand. Diese Kletterroute ist seit 20 Jahren absolut unverändert und weltweit genau gleich angebracht.
Und genau diese standardisierte Route bewältigen die Speedkletterer im neugeschaffenen Sporkletterpark besonders schnell. Bei den Frauen stellte Alexandra Miroslaw in der Qualifikation in 6,06 Sekunden einen neuen Weltrekord auf - der alte lag bei 6,24 Sekunden. Die Polin wurde tags darauf auch erste Einzelolympiasiegerin in dieser Disziplin. In Tokio war Klettern noch als Dreikampf aus Speed, Bouldern und Lead, also Schwierigkeitsklettern, olympisch.
"Die Bedingungen sind sehr gut, die Wand ist ganz neu und Reibung spielt beim Speedklettern natürlich eine große Rolle", erklärt Hojer die Fabelzeiten. "Dadurch, dass die Wand wirklich immer und überall gleich ist, sind solche Zeiten überhaupt möglich. Die Athletinnen und Athleten schauen nur nach oben und die Füße folgen blind. Das geht nur, weil man mit der Route aufgewachsen ist und sie tausende Male geklettert ist."
Naturtalent Watson ist neuer Weltrekordhalter
Auch bei den Männern gab es in der Qualifikation einen neuen Weltrekord. Der 18-jährige US-Amerikaner Samuel Watson verbesserte seinen eigenen Rekord auf 4,75 Sekunden. Der Texaner ist ein absolutes Naturtalent.
"Seine reinen Kraftwerte halten nicht mit den stärksten, kraftvollsten Kletterern mit, aber er hat ein super Gespür für die Wand und macht keine Fehler. Im Training war er sogar noch schneller", sagt Hojer über den Goldfavoriten.
Die Endrunde der Männer findet am Donnerstag statt (ab 12:35 Uhr live auf Eurosport und discovery+). Ist durch Watsons Dominanz alles klar? "Die Leistungsdichte ist so hoch, dass man sich nichts in den vorherigen Runden aufsparen kann und jeder Fehler würde auch für ihn das Aus bedeuten. Sein 'Vorsprung' auf die Konkurrenz beträgt ein Zehntel - Viele können ihm gefährlich werden", sagt der Eurosport-Experte.
Deutsche Teilnehmer sind in dieser Disziplin nicht am Start. "Als Speedkletternation sind wir etwas hinterher", erklärt Hojer. "Es hat etwas länger gedauert, um die nötigen Strukturen einzurichten. Jetzt wird aber gute Arbeit geleistet und wir sind auf einem guten Weg."
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Quelle: Eurosport
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