Bei der großen Show des neuen Weltmeisters Henrik von Eckermann waren Marcus Ehning und Jana Wargers nur Zuschauer - immerhin in der ersten Reihe und beide in den Top Ten.
Der dreimalige Weltcupsieger Marcus Ehning (Borken) mit Stargold belegte nach zwei blitzsauberen Runden am Sonntag in der Endabrechnung Platz fünf. WM-Debütantin Wargers (Hamburg) wurde mit ihrem Hengst Limbridge Neunte. Erstmals seit Caen 2014 kehren die deutschen Springreiter ohne Medaille von einer WM zurück.
"Glückwunsch an Henrik, er ist ein würdiger verdienter Weltmeister, das ist Werbung für unseren Sport", sagte Bundestrainer Otto Becker. Mit seiner Equipe, so Becker, sei er "super zufrieden, megastolz sogar, wir waren knapp dran an der erhofften Teammedaille, haben aber unser Minimalziel Olympia erreicht".
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Ehning und Wargers waren die einzigen Deutschen im Finale. Europameister Andre Thieme, als Mitfavorit angereist, war im zweiten Umlauf des Nationenpreises im hohen Bogen aus dem Sattel seiner Stute Chakaria geflogen und ausgeschieden.
Immerhin schaffte er es dadurch am Samstag rechtzeitig zur Einschulung seiner Tochter Johanna daheim in Plau am See. Christian Ahlmann (Marl) verzichtete zugunsten seines Pferdes Dominator auf einen Start im Einzelfinale.

Kein Kraut gegen von Eckermann gewachsen

Jana Wargers, 30 Jahre alt und damit die Jüngste in der deutschen Equipe, war "absolut glücklich, wie das hier gelaufen ist".
Ehning war "nach dem ganzen Championat ziemlich stolz auf mein Pferd". Ohne einen Aussetzer im zweiten Umlauf des Nationenpreises, als er gleich zwei Stangen mitgenommen hatte ("Das war irgendwie nicht mein Tag"), hätte der Routinier bei der Titelentscheidung durchaus ein Wörtchen mitreden können.
Die machten an diesem letzten Tag der WM in Dänemark andere unter sich aus, am Ende war gegen die überragende Reitkunst des neuen Weltmeisters Henrik von Eckermann kein Kraut gewachsen.
Der Weltranglistenerste lag seit dem Zeitspringen am Mittwoch in Führung, die geriet auch am Sonntag mit zwei Nullrunden nie in Gefahr. "Henrik von Eckermann ist einfach kein Maßstab", sagte Ehning - der mit ein bisschen mehr Glück selbst der Maßstab hätte werden können.
Im September 2023 finden die Europameisterschaften in Mailand statt, dort beginnt der Countdown zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Bis dahin wird Bundestrainer Otto Becker noch so manches Mal die Qual der Wahl haben, denn das Angebot an guten Reitern und erstklassigen Pferden in Deutschland ist groß.

Durchwachsene WM-Bilanz

Dennis Peiler verlässt Herning derweil mit gemischten Gefühlen. "Zumindest haben wir in drei olympischen und paralympischen Disziplinen die Qualifikation für Paris 2024 sicher", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Reiterlichen Vereinigung: "Im Springen, in der Dressur und bei den Para-Reitern können wir jetzt in Ruhe planen, das ist eine große Erleichterung."
Zeit zum Medaillenzählen braucht Peiler nicht, die WM-Ausbeute der deutschen Reiterei ist - vorsichtig ausgedrückt - überschaubar.
Lediglich Bronze für die Dressur-Equipe steht in der Bilanz, was sich im Vergleich zu früheren Jahren ziemlich bescheiden ausmacht. Peiler hätte sich das natürlich auch "anders gewünscht", aber: "Wir bewahren alle die Ruhe, Zahltag ist 2024 in Paris."
Die Gründe für das mäßige Abschneiden sind vielfältig. Geduld, Umbruch, Neuaufbau - das sind die Schlagwörter, die auch Peiler gebraucht. "Vor allem in der Dressur müssen wir uns in Geduld üben", sagte er: "So ein Neuaufbau braucht Zeit."

Dressur-Gold in Paris 2024 angepeilt

Ohne Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl, ohne die zweimalige Mannschafts-Weltmeisterin Dorothee Schneider und mit vier WM-unerfahrenen Pferden sei Bronze "von Anfang an ein realistisches Ziel" gewesen.
Gerade in der Dressur, so Peiler, sei er dennoch recht zuversichtlich, "dass wir in Paris wieder um Gold mitmischen".
Prognosen dieser Art sind bei den Springreitern kaum möglich, ein einziger Fehler im Parcours kann alles verändern. "Es gibt immer mindestens acht Teams, die vorne dabei sein", sagte Peiler, aber ja: "Natürlich ist es eine Enttäuschung, dass wir es nicht in die Medaillenränge geschafft haben."

Deutsche Pferde sind Weltklasse

An guten Trainern, guten Reitern und noch besseren Pferden mangelt es im Springen nicht. Chakaria (Andre Thieme), Stargold (Marcus Ehning), Ben (Gerrit Nieberg) und Killer Queen (Daniel Deußer), um nur einige zu nennen, sind Weltklasse, das Ausland lockt ihre Besitzer mit zum Teil abenteuerlichen Kaufsummen.
Allerdings: "Wenn die Stange fällt, machst du nix", sagt Peiler, "und die fällt auch mal bei einem Spitzenpferd." Manchmal fällt auch der Reiter, frag nach bei Andre Thieme.
2023 mit den Europameisterschaften in Riesenbeck (Dressur) und Mailand (Springen) soll nach Peilers Vorstellung ein Jahr werden, "in dem vielleicht auch mal der Nachwuchs bei einem großen Championat getestet wird".

Vielseitigkeitsreiter im September dran

Dann aber fallen ihm bei der Dressur spontan doch wieder die altbekannten Namen ein: "Jessi, Isabell (Werth), Doro und Benni Werndl." Nicht unbedingt das, was man unter Nachwuchs versteht.
An den Vielseitigkeitsreitern liegt es nun, die deutsche WM-Bilanz des Jahres 2022 aufzupolieren. Im berühmten italienischen Pferdesportzentrum Pratoni del Vivaro in Rocca di Papa, dem Sommersitz des Papstes in der Nähe von Rom, geht es vom 14. bis 18. September um Gold, Silber und Bronze.
Himmlischer Beistand dürfte also garantiert - und wohl auch willkommen sein.
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(SID)

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