Alexander Zverev und die seltsame Formkrise nach den Australian Open: Mats Wilander macht fehlendes Selbstvertrauen aus

Eurosport-Experte Mats Wilander äußert sich im exklusiven Gespräch zur gegenwärtigen Formkrise von Alexander Zverev und analysiert die Gründe. Der deutsche Weltranglistenzweite ist seit seiner klaren Dreisatzniederlage im Finale der Australian Open gegen Jannik Sinner regelmäßig früh und unerwartet bei Turnieren ausgeschieden. Wilander sieht darin eine direkte Folge der Enttäuschung von Melbourne.

Wilander exklusiv zu Zverev: Madrid wird vieles ändern

Quelle: Eurosport

Tatsächlich hält Mats Wilander Zverevs 3:6, 6:7 (4:7), 3:6-Niederlage im Endspiel von Melbourne für den Auslöser des Tiefs.
Der Hamburger habe vermutlich "das Gefühl, im Finale der Australian Open ziemlich weit davon weg gewesen zu sein, die Nummer eins der Welt zu schlagen. Dort hatte er nach dem ersten Satz ganz deutlich kaum noch Selbstvertrauen", so der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger.
"Vielleicht", so Wilander, "wäre er näher dran, die Nummer eins zu werden, wenn er diesen ersten Satz gegen Sinner gewonnen hätte - hat er aber nicht".
Zverev selbst hatte sich nach der Pleite gegen den Italiener beim Happy Slam am Boden zerstört gezeigt. Schon der Dank an seine Betreuer und seine Familie ließ tief blicken: "Danke an mein Team. Wir versuchen, all die richtigen Dinge zu tun. Ich bin aber einfach nicht gut genug."
picture

Zverev nach Final-Pleite gegen Sinner: "Das beschissenste Gefühl"

Quelle: Eurosport

Eine Sinnkrise, die Wilander keinesfalls verwundert. Ein Tief sei "einfach natürlich". Aus eigener Erfahrung könne er sagen, dass es mehrere Monate dauern könne, um ein verlorenes Finale zu verarbeiten.

Wilander: Zverev hat "schreckliches Gefühl"

Man müsse erst begreifen, dass man eine "große Chance verspielt hat oder - noch schlimmer - völlig chancenlos gewesen ist", sagt Wilander, der in seiner Karriere in vier von elf Grand-Slam-Endspielen das Nachsehen hatte.
Zverev habe aktuell wahrscheinlich "das schreckliche Gefühl, dass er tatsächlich keine Möglichkeit hatte, dieses Finale zu gewinnen oder nicht sicher zu sein, ob er überhaupt jemanden schlagen kann", mutmaßt der frühere Weltranglistenerste.
Zverev hatte nach seinem jüngsten Achtelfinal-Aus beim Masters in Miami gegen Arthur Fils (6:3, 3:6, 4:6) nicht mit Selbstkritik gespart. Es habe keinen Grund gegeben, die Partie zu verlieren, hatte der Deutsche gehadert.
picture

Zverev scheitert beim Masters nach Satzführung an Fils

Quelle: Eurosport

Immer wieder hat Zverev seit den Australian Open überraschende Niederlagen kassiert. So etwa im Viertelfinale von Rio de Janeiro gegen Francisco Comesaña (6:4, 3:6, 4:6), in Acapulco im Achtelfinale gegen Learner Tien (3:6, 4:6) oder in Indian Wells zum Auftakt gegen Tallon Griekspoor (6:4, 6:7 (5:7), 6:7 (4:7)).

Südamerika-Abstecher ein Fehler?

Für Wilander war Zverevs Abstecher zu den Turnieren in Buenos Aires (Viertelfinalaus gegen Francisco Cerúndolo) und Rio rückblickend ein Fehler.
"Es klingt sehr romantisch und cool, nach Südamerika zu reisen und ein paar Sandevents zu spielen, um perfekt für diesen Teil der Saison vorbereitet zu sein - aber zumindest für sein Tennis war es keine gute Strategie, dort anzutreten", meint der Experte, der aber zunächst anderer Auffassung war.
"Als bekannt wurde, dass er dort aufschlagen würde, dachte ich: 'Vielleicht ist das gar keine schlechte Idee. Es könnten gute Orte zu sein, um ein paar Spiele oder vielleicht ein Turnier zu gewinnen und Ranglistenpunkte zu sammeln.' Schließlich ist das 500er in Rio normalerweise nicht so stark besetzt wie andere 500er. Aber nichts davon ist passiert."
picture

Tennis - Australian Open - Final - Hug Zverev Sinner

Quelle: Eurosport

Trotz der Misserfolge in den vergangenen Monaten glaubt Wilander an eine Rückkehr des "alten" Zverev: "Ich glaube, dass er sich zurückkämpfen wird. Er ist ein zu guter Spieler und arbeitet sehr hart."

Wilander: Zverev-Wende bis Madrid

Der 27-Jährige selbst hatte in Miami trotz des Ausscheidens gegen Fils einige positive Aspekte ausmachen können und befunden, wieder besser gespielt zu haben.
Wilander geht dementsprechend von einer baldigen Trendwende aus: "Ich glaube, dass wir bis Madrid, einem seiner Lieblingsturniere auf Sand, wieder über Sascha als einem echten Anwärter für Roland-Garros sprechen werden."
picture

Zverev über Finalniederlage in Australien: "Mental sehr schwierig"

Quelle: Perform

Das Masters wird vom 23. April bis zum 4. Mai in der spanischen Hauptstadt ausgetragen, Zverev hatte dort jeweils 2018 und 2021 triumphiert.
Drei Wochen später beginnen in Paris die French Open - für Zverev die nächste Chance auf den ersehnten ersten Grand-Slam-Titel.
picture

Highlights: Mensik gelingt Meisterstück im Finale gegen Djokovic

Quelle: Eurosport


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung