Eurosport
Àlex Corretja im Exklusiv-Interview über Rafael Nadal: "Kein großes Ding"
Von
Publiziert 28/02/2018 um 18:57 GMT+1 Uhr
Àlex Corretja hat 2003 den damaligen Teenager Rafael Nadal in Barcelona und Madrid zweimal geschlagen. 15 Jahre später hat Nadal 16 Grand-Slam-Titel auf dem Konto, wird aber zunehmend durch Verletzungsprobleme ausgebremst. Für Corretja, der zweimal im French-Open-Finale stand und 1998 den Masters Cup gewann, kein Grund zur Sorge: "Wir sollten daraus kein großes Ding machen", so der 43-Jährige.
Rafa Nadal Alex Corretja
Fotocredit: Eurosport
Das Interview führte Jörg Hausmann
Herr Corretja, Rafael Nadal hat wegen einer Verletzung am Hüftbeuger seine Teilnahme in Acapulco absagen müssen. Es ist das fünfte Turnier nacheinander, dass er absagen muss bzw. nicht beendet. Sehen Sie seine Karriere in Gefahr?
Àlex Corretja: Wir sollten daraus kein großes Ding machen. Es ist ein muskuläres Problem. Das hatte er bereits in Melbourne. Nadal hatte sich auf das Turnier in Acapulco vorbereitet und dann gemerkt, dass er nicht bei 100 Prozent ist. Er wollte kein Risiko eingehen. Ich hoffe, dass Rafa für Indian Wells rechtzeitig fit wird, spätestens aber für Miami. In meinen Augen ist die Verletzung nicht schwerwiegend, es sei denn, es stellt sich etwas anderes heraus. Er würde nie nach Acapulco fahren und seine Zukunft riskieren.
Es handelt sich allerdings um die gleiche Verletzung, die ihn schon bei den Australian Open gestoppt hat.
Corretja: Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass du dich nach einer Verletzung bis kurz vor einem Turnier gut erholt und fit fühlst - und dann den Schmerz wieder an der gleichen Stelle spürst. Das ist ihm unglücklicherweise passiert. Er muss die Verletzung auskurieren.
Das kraftvolle Tennis, für das Rafael Nadal steht, hat ihm über die Jahre schon viele Verletzungen beschert. Beunruhigt Sie das nicht?
Corretja: Nein. Ich kann nicht für Rafa sprechen, stecke nicht in seinem Körper, weiß nicht, ob er sich gut oder schlecht fühlt. Das Ausmaß seiner Verletzung kenne ich nicht. Seine lange Verletzungsgeschichte ist eine andere Sache. Wenn es sich jetzt um ein muskuläres Problem handelt, sollte es früher oder später erledigt sein.
Federer und Nadal schwer vergleichbar
Aus Ihrer Sicht als ehemalige Nummer zwei der Welt: Sollte Nadal dem Beispiel von Roger Federer folgen und sein Turnierpensum herunterfahren?
Corretja: Jeder Spieler hat seine eigene Mentalität, sein eigenes Gefühl auf dem Platz. Das ist schwer vergleichbar. Rafa entscheidet nach bestem Gewissen, wann und wo er spielt. Er liebt es, sich auf Turnieren zu messen. Ich gehöre aber nicht zu seinem Team und kann nicht sagen, was er tun soll.
Sie betrachten diesen erneuten Rückschlag nicht als Signal seines Körpers, kürzer zu treten?
Corretja: Er muss eine Pause machen, um die Verletzung auszukurieren. Sobald das passiert ist, ist das Problem behoben. Es ist nur eine Muskelverletzung. Das dauert zwei, drei oder vier Wochen. Er hat in Australien gut gespielt und war in einer guten Verfassung. Trotz der vielen Turniere, die er zuvor gespielt hatte. Er ist ohne Pause nach Melbourne gekommen. Wird er fit für Indian Wells und Miami, dann passt das auch für die Sandplatzsaison.
Kann Nadal in diesem Jahr wieder auf Platz eins der Weltrangliste zurückkehren?
Corretja: Ich weiß es nicht, aber: Warum nicht? Es hängt davon ab, ob er seine Punkte in Indian Wells und Miami verteidigt. Aber er hat auch auf Sand eine Menge Punkte zu verteidigen. Dass momentan Federer vorne steht, sollte Rafa nicht beunruhigen. Wichtig ist nicht, zwischen März und April die Nummer eins zu sein, sondern am Jahresende. Wissen Sie genau, wie viele Wochen Federer die Nummer eins der Welt war?
Sehr viele Wochen, bei Nadal waren es bisher genau 167.
Corretja: Aber genau das ist der Punkt. Es zählt am Ende nicht, ob es 168 oder 170 Wochen sind. Geschichte schreibst du, wenn du am Endes des Jahres Erster bist. Selbst Federer interessiert es nicht, ob er 312 oder 314 Wochen lang Erster war. Zum Jahresende vorne zu stehen, ist die Geschichte. Das haben Rafa und Federer geschafft. Deshalb ist für beide alles, was jetzt noch kommt, Bonus.
"Rafa hatte diesen magischen Touch"
Sie haben den blutjungen Nadal im Jahr 2003 zwei Mal knapp besiegt. Wie erinnern Sie sich an diese Duelle?
Corretja: Er war ein Junge voller Power, energiegeladen. Er hat den Ball schon damals unwahrscheinlich beschleunigt und hatte eine schnelle Beinarbeit, ein sehr intensives Spiel. Ein Blick in sein Gesicht, in seine Augen, hat genügt, um darin das Spezielle zu sehen, das er in sich trug.
Haben Sie bereits damals erkannt, dass er eine solche Karriere hinlegen würde?
Corretja: Es war zu sehen, dass er etwas Spezielles hat. Natürlich wusste ich nicht, wie weit er es bringen würde. Das weißt du nie. Aber Rafa hatte diesen magischen Touch, das, was den Unterschied ausmacht. Er war schon damals kein gewöhnlicher Spieler, sondern von einer sehr großen Entschlossenheit.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Corretja.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung