Jannik Sinner und Carlos Alcaraz dominieren nach Belieben: "Sincaraz" wird zum Problem für Alexander Zverev und Co.
Jannik Sinner und Carlos Alcaraz haben sich im Finale der ATP Finals das nächste hochklassige Duell geliefert. Die Nummer eins und zwei der Welt sind der Kokurrenz längst enteilt, stacheln sich gegenseitig zu immer höheren Höhen an. Trübe Aussichten für Alexander Zverev, Taylor Fritz und Co., die es angesichts des Verbesserungswillens der beiden Ausnahmekönner auch in Zukunft schwer haben dürften.
Tennis zum Zungeschnalzen: Sinner zieht Alcaraz im Endspiel den Zahn
Quelle: Perform
2:15 Stunden schlugen sich Jannik Sinner und Carlos Alcaraz in der Inalpi Arena die Bälle um die Ohren. Die 12.000 Tifosi bekamen genau das, was sie sich erhofft hatten. "Sincaraz", die Nummer eins gegen die Nummer zwei der Welt. Das Beste, was das Herren-Tennis aktuell zu bieten hat.
Bereits zum sechsten Mal standen sich die beiden Ausnahmekönner im Jahr 2025 gegenüber. Natürlich wieder in einem Finale. Das letzte Duell, in dem Sinner und Alcaraz nicht im Endspiel eines Turniers, sondern bereits früher aufeinandergetroffen waren, datiert aus dem Juni 2024. Das war im Halbfinale der French Open 2024.
Und nein: Es war qualitativ nicht das beste Aufeinandertreffen zwischen den beiden. Immerhin lag die Messlatte nach dem epischen French-Open-Finale und dem nicht viel weniger spannenden Wimbledon-Finale extrem hoch. Gerade der Beginn des Matches war von Nervosität und kleineren Fehlern geprägt. Aber eben trotzdem noch eine Klasse über dem, was der Rest der Welt aktuell anzubieten hat. Am Ende ging Sinner als Sieger hervor (7:6 [7:4], 7:5).
Viel einprägender als das Geschehen auf dem Platz war ohnehin das, was ein auf Revanche dürstender Alcaraz mit einem Lächeln im Anschluss sagte: "Ich hoffe, du bist bereit für nächstes Jahr. Denn ich werde es sein."
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Jannik Sinner posiert nach dem Titelgewinn mit Freundin und Team
Fotocredit: Getty Images
Alcaraz und Sinner treiben sich gegenseitig zu Bestleistungen
"Sincaraz" steht mittlerweile für viel mehr als eine Rivalität. Es ist eine aufziehende Ära, so wie die der Big Three, und eine Warnung an alle, die in der Weltrangliste dahinter stehen.
Denn: Nachdem Alcaraz und Sinner bereits das Tennis-Jahr 2024 dominiert hatten, legten beide 2025 noch eine Schippe drauf. Erneut teilten sie alle vier Grand-Slam-Titel unter sich auf, standen sich in drei von vier Major-Finals direkt gegenüber. Sinner holte sechs Titel, Alcaraz sogar acht. Zudem steigerte der Spanier seine Siegquote von 81 auf 89 Prozent.
Es scheint, als stachele die Rivalität und vor allem Niederlagen gegen den jeweils anderen den ruhigen Italiener und den extrovertierten Spanier zu immer höheren Höhen an.
"Er leistet jedes Mal großartige Arbeit mit seinem Team. Nach jeder Niederlage kommt er noch stärker zurück, obwohl er nicht viele davon hat", schwärmte Alcaraz vom zwei Jahre älteren Sinner.
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Sinner überglücklich: "Bedeutet mir die Welt"
Quelle: Perform
Sinner arbeitet an Aufschlag nach Niederlage bei US Open
Beispiel gefällig? Nach der vergleichsweise deutlichen Niederlage im Finale der US Open (2:6, 6:3, 6:1, 6:4) im vergangenen September war Sinner offenbar so unzufrieden mit sich, dass er seinen ohnehin grandiosen Aufschlag noch weiter verbesserte.
"Er hat die Armbewegung verändert", analysierte die deutsche Tennis-Legende Boris Becker im Podcast "Becker Petekovic". Nur um ein paar Nuancen. Er habe die "Schleife in die Trophy-Position verkürzt", erklärte seine Podcast-Partnerin Andrea Petkovic.
Das sei "sehr mutig", so Becker: "Die wenigsten Spieler trauen sich an eine Technik-Veränderung. Wenn man mal ein Grand Slam gewonnen hat, dann weiß man, wie man Tennis spielen muss. Dass der Trainer den Mut hat, dem Spieler eine andere Aufschlagbewegung beizubringen, kommt selten vor."
Noch beeindruckender war nur, wie schnell die Maßnahme fruchtete. In Turin hatte Sinner vor allem in seinen zweiten Aufschlag deutlich größeres Vertrauen, spielte diesen deutlich aggressiver. So auch im ersten Satz, als er einen Satzball gegen sich mit einem 184 km/h schnellen Zweiten nach außen abwehrte. Im kompletten Turnierverlauf kassierte er nur ein einziges Break gegen sich - und das im Finale.
Auch Alcaraz hatte in den vergangenen beiden Jahren kontinuierlich an seinem Aufschlag gearbeitet und dabei aus einer vermeintlichen Schwäche "eine seiner größten Waffen entwickelt", so Becker.
Alcaraz und Sinner enteilen dem Rest der Welt
"Ich fühle mich wie ein besserer Spieler als letztes Jahr", schätzt Sinner selbst seine Entwicklung ein. Zwar beendete er 2025 nicht an der Spitze der Weltrangliste, lag trotz dreimonatiger Sperre wegen eines Dopingverstoßes jedoch am Ende nur 550 Punkte hinter Alcaraz.
Und dahinter? Klafft eine riesige Lücke. Alexander Zverev ist mit 5160 Punkten über 6000 Zähler hinter Sinner (11.500) und fast 7000 hinter Alcaraz (12.050) zurück und damit näher an Platz 1000 im Ranking als an der Nummer zwei.
Sinner und Alcaraz sind der Konkurrenz längst enteilt. Dass sie sich jedes Jahr weiter verbessern wollen - und auch können, sorgt für trübe Aussichten beim Rest der Welt. Gerade im Hinblick auf die Grand-Slam-Turniere, bei denen der Spanier und der Italiener aktuell wie unüberwindbare Hürden wirken.
Das musste selbst Novak Djokovic, seinerseits Grand-Slam-Rekordsieger (24) und jahrelanger Dominator der Szene nach seiner Niederlage bei den US Open gegen Alcaraz neidlos anerkennen.
Das Beängstigende: Alcaraz ist erst 22, Sinner 24 Jahre alt. Wir dürfen uns aller Voraussicht also noch Jahre, vielleicht ein ganzes Jahrzehnt an dieser Rivalität erfreuen.
Oder eben nicht, je nach Betrachtungswinkel.
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Zverev genervt: "Keine Lust mehr" auf Beckers Kommentare
Quelle: Perform
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