ATP Halle - Alexander Zverev mit Rückenwind gegen den Rasenfluch: Die Waffen sind da, aber...

Alexander Zverev hat die dramatische Niederlage im Finale der French Open nach eigener Aussage schnell abgehakt und blickt nach vorn. In Halle will er sich Selbstvertrauen für den Klassiker in Wimbledon holen. In den vergangenen Jahren fiel ihm die Umstellung auf den ungeliebten Rasen-Belag allerdings nicht immer leicht. Dabei bringt er alles mit, um auch auf diesem Untergrund erfolgreich zu sein.

Alexander Zverev 2024 beim ATP-Turnier in Halle

Fotocredit: Imago

Ein bitterer Schiedsrichter-Fehler im fünften Satz, Jubel auf der gegnerischen Seite, ein niedergeschlagener Alexander Zverev, der schnell wieder die richtigen Worte fand. Im Moment der vielleicht größten Niederlagen seiner Karriere.
Es waren Bilder, die haften blieben. Die deutsche Nummer eins war wie 2020 bei den US Open nah dran, verpasste jedoch im French-Open-Finale in einem epischen Fünsatz-Fight gegen Carlos Alcaraz sein großes Ziel: Den ersten Grand-Slam-Titel.
Doch bereits auf der anschließenden Pressekonferenz wurde deutlich: Zverev wird an dieser Niederlage nicht zerbrechen und kennt nur eine Richtung. Nach vorne.
Dieser Eindruck verfestigte sich eine Woche später. "Ich habe noch Ziele, die ich erreichen möchte", sagte der 27-Jährige jüngst: "Und die Ziele werde ich nicht erreichen, wenn ich jetzt noch tagelang oder wochenlang an das Finale in Paris denke."

Zverevs bedenkliche Rasen-Statistik

Viel Zeit hat er dazu ohnehin nicht mehr. Denn in dieser Woche steht bereits das nächste Saison-Highlight auf dem Programm. Die ATP-Elite gibt sich beim größten deutsche Rasen-Turnier in Halle die Ehre (vom 17. bis 23. Juni live auf Eurosport und im Stream bei discovery+). Zverev ist als Weltranglistenvierter beim 500er-Turnier an Position zwei gesetzt, was ihn qua Amt schon zu einem der Mitfavoriten macht.
Wäre da nicht der Untergrund, mit dem sich Zverev bekanntlich schwertut. Der Übergang von Sand zu Rasen war für den Deutschen in der Vergangenheit oft ein Problem, daraus macht er selbst keinen Hehl: "Ich kenne das ja, ich bin ja schon eine Weile dabei."
Auf Rasen (Siegquote 65 %) hinkte Zverev in den vergangenen Jahren seinen Ansprüchen deutlich hinterher. Hardcourt (68 %) und vor allem Sand (73 %) liegen dem gebürtigen Hamburger besser.
Ein Titel auf dem grünen Belag fehlt dementsprechend noch in seiner Vita. In Halle stand er 2016 und 2017 kurz davor, scheiterte jedoch im Finale an Florian Mayer und ein Jahr später am großen Roger Federer.
In Wimbledon, dem Höhepunkt der Rasen-Saison, ist die Statistik bedenklicher. Dort war für Zverev bisher spätestens im Achtelfinale Schluss.
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Alexander Zverev scheiterte 2023 im Halbfinale von Halle Alexander Bublik

Fotocredit: Getty Images

Zu groß? Zverev verfügt auf Rasen über alle Waffen

Dabei besitzt Zverev eigentlich die Waffen, um auch im westfälischen Halle und im All Lawn Tennis and Croquet Club in London ein Wörtchen um den Titel mitreden zu können.  
Sein Aufschlag gehört zu den besten der Tour. Auf dem schnellen Rasen ein noch größerer Vorteil als auf den anderen Belägen.
Zverev selbst schob in der Vergangenheit oft seine Größe als Grund für seine Rasenprobleme vor. Der Wahl-Monegasse misst 198 Zentimeter, daher springe der Ball unterhalb seiner Schwungzone, erläutert er immer wieder mal gerne.
Allerdings haben nicht wenige "Aufschlagriesen" dieses Argument bereits ad absurdum geführt. Nick Kyrgios, Milos Raonic, John Isner, Ivo Karlovic - sie alle messen wie Zverev knapp zwei Meter oder sogar darüber. Und: Sie alle sind oder waren Rasen-Spezialisten. Sucht man weiter in der Vergangenheit, finden sich mit Goran Ivanisevic oder Richard Krajicek sogar noch erfolgreichere Beispiele.
Die Größe allein kann es also nicht sein. Zumal Zverev im Gegensatz zu den Genannten deutlich beweglicher ist, was ihn nicht nur im Aufschlag-, sondern auch im Returnspiel gefährlich macht.
Auch im Netzspiel hat sich der Deutsche deutlich verbessert. Gepaart mit der Gala-Form, die er aus Paris mitbringt, sollte einem erfolgreichen Rasen-Swing also nicht mehr im Wege stehen ... oder?

In Halle warten harte Gegner auf Zverev

In Halle wartet mit Oscar Otte bereits zum Auftakt die erste richtige Bewährungsprobe auf Zverev. Der 30-Jährige, der über ein Jahr lang mit Knieproblemen zu kämpfen hatte und einige Operationen über sich ergehen lassen musste, besiegte im Finale der Qualifikation den Franzosen Constant Lestienne mit 7:6 und 6:1 und findet immer mehr zur Form früherer Tage zurück.
2022 stand Otte in Halle gar unter den letzten Vier. Zverev muss also gewarnt sein.
Die richtig dicken Brocken warten jedoch erst im weiteren Turnierverlauf. Mit Jannik Sinner (Nr. 1), Daniil Medvedev (5), Andrey Rublev (6), Hubert Hurkacz (9) und Stefanos Tsitsipas (11) haben fünf weitere Top-Spieler gemeldet. Zudem lauern mit Matteo Berrettini und Alexander Bublik zwei ausgewiesene Rasen-Spezialisten im Draw.

Zverev hat die Nummer eins im Visier

Geht es um die aktuelle Verfassung, muss Zverev aber keinen der Genannten fürchten. Im Race to Turin, das nur die Ergebnisse 2024 einbezieht, liegt der Deutsche auf Rang zwei hinter dem Weltranglistenersten Sinner. Der Italiener sieht in Zverev neben French-Open-Champion Alcaraz gar den größten Konkurrenten im Kampf um die Krone am Jahresende.
Der Olympiasieger spiele "eine tolle Saison, vor allem auch bei den Grand Slams", so Sinner. In direkten Duellen hat Zverev gegenüber dem 22-Jährigen sogar klar die Nase vorn (4:1). Das weiß auch Sinner: "Da muss ich noch viel lernen, auch wenn ich die Nummer eins bin."
Ein Meilenstein, den Zverev neben einem Grand-Slam-Triumph unbedingt erreichen möchte: "Natürlich ist die Nummer eins ein Ziel für mich und ein Thema in diesem Jahr", so der Paris-Finalist.
In Halle kann Zverev wichtige Punkte sammeln, um diesem Ziel einen Schritt näherzukommen. Als Halbfinalist des vergangenen Jahres muss er dafür aber mindestens das Endspiel erreichen. Ein schwieriges, aber angesichts seiner Verfassung kein unrealistisches Unterfangen.
Selbst auf Rasen.
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Zverev nach Finale: "Muss physisch auf ein ganz anderes Niveau"

Quelle: Eurosport


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