Roger Federer braucht wieder "Spiele und Siege"

Mehr als fünf Wochen hat es nach dem Saison-Höhepunkt in Wimbledon gedauert, bis sich die große Tennis-Karawane wieder mit allen Stars und Sternchen im US-amerikanischen Cincinnati präsentiert. Zu guter Letzt ist nun auch der ausdauerndste Sommerfrischler hinzugestoßen – Roger Federer, Endspiel-Teilnehmer im All England Lawn Tennis and Croquet Club.

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"Es war nötig, durchzuatmen, neue Kraft und Energie zu tanken. Jetzt will ich wieder angreifen", sagt Federer vor dem nun schon beginnenden Schlussspurt der Saison.
So lang wie in der Saison 2014 wird Federers Spielzeit nicht werden, damals stand ja noch der abschließende Höhepunkt des Davis-Cup-Finals im französischen Lille an. Doch genügend Aufgaben und Reisetätigkeit stehen noch vor ihm, vor dem ältesten aller Elitespieler des Tour-Betriebs: die US Open in New York, das letzte Major der Saison. Das Davis-Cup-Relegationsspiel in Genf gegen die Niederlande, also der Kampf um den Verbleib in der Champions League der Nationalmannschaften. Und dann der heiße Herbst mit dem Qualifikationsrennen um die Plätze für die Tennis-WM, der Heimauftritt in Basel.
Am Ende stehen noch die ATP World Tour Finals in London, das Championat der acht Top-Spieler, bei dem Federer und auch French-Open-Gewinner Stan Wawrinka am Start sein dürften, wieder einmal zwei Schweizer in diesem ausgewählten Profi-Kreis.
Abstecher nach Afrika
Federer hat in diesem fortgeschrittenen Stadium seiner Karriere keine übergroße Mühe mehr, Niederlagen wie auch jene im Wimbledon-Endspiel gegen Nummer-eins-Mann Novak Djokovic hinter sich zu lassen. Meist sind Frust, Ärger und Enttäuschung schon am Tag danach verraucht, es habe keinen Sinn, "sich noch lange mit etwas zu beschäftigen, was nicht mehr zu ändern ist", sagt Federer, "man muss halt nur bestimmte taktische und technische Dinge analysieren."
Nach dem Scheitern im letzten "Fall für Zwei" auf dem ehrwürdigen Centre Court hatte Federer auch Zeit gefunden, um sich in Afrika über Stiftungsprojekte zu informieren und in Malawi eine Vorschule zu eröffnen. Wie stets hatte Federer bei seinem Abstecher auf den Heimatkontinent seiner Mutter (Südafrika) jeglichen größeren Medienrummel vermieden.
Training unter Geheimhaltung
Auch seine spätere Vorbereitung auf die anstehenden Herausforderungen im Spätsommer und Herbst verlief unter dem Aspekt strenger Diskretion, wenn nicht gar Geheimhaltung. Zwar tauchten hin und wieder Fotos in den sozialen Medien vom trainierenden Federer auf, speziell aus dem Umfeld des GC-Clubs in Zürich, doch Federer legt traditionell Wert auf Verschwiegenheit an seinen Übungsdomizilen. Bekannt wurde freilich, dass Federer unter anderen den schwedischen Nachwuchsstar Elias Ymer für ein kleines dreitägiges Trainingslager nach Zürich eingeladen hatte – auf Vermittlung von Berater Stefan Edberg. "Wenn man so eine Chance bekommt, sagt man natürlich sofort Ja", ließ sich Ymer in der schwedischen Presse vernehmen. Übrigens: In den letzten Jahren hatte Federer auch Übungseinheiten mit den aktuell heftig umstrittenen australischen Profis Nick Kyrgios und Thanasi Kokkinakis absolviert.
Federer hatte ohne nähere Angabe von Gründen auf einen Start beim Masters in Kanada verzichtet, bei dem sich die restliche Weltelite bereits versammelt hatte – dort war auch Wimbledon-Sieger Djokovic wieder ins Turniergeschäft eingestiegen. Nun also Cincinnati als Schauplatz der Rückkehr – eines der Lieblingsturniere des "Maestros", der hier bereits sechs Mal gewonnen hat und als Titelverteidiger an den Start geht.
Vor zwölf Monaten hatte er das Endspiel gegen den Spanier David Ferrer gewonnen. Jetzt trifft Federer in seinem Auftaktspiel entweder auf den Spanier Roberto Bautista Agut oder auf den aus Uruguay stammenden Pablo Cuevas, beides eher Spezialisten auf den langsameren Sandplätzen. Schon im Viertelfinale könnte es zu einem Duell mit Matador Rafael Nadal kommen, in der Vorschlussrunde eventuell zum Zweikampf mit dem neuen Weltranglisten-Zweiten Andy Murray. Soweit denkt Federer aber längst nicht voraus. "Ich muss wieder in den Rhythmus zurückfinden. Ich brauche Spiele und Siege", sagt er.
Jörg Allmeroth
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