ATP München - Kevin Krawietz und Tim Pütz im exklusiven Interview: "In der Zeit sind einige Dinge eingerostet"

Kevin Krawietz und Tim Pütz sind seit Jahren eines der Top-Doppel auf der ATP-Tour. Bei den BMW Open in München feilt das Duo derzeit an seiner Form, die bei den French Open ihren Höhepunkt erreichen soll. Im Interview nach dem Viertelfinalsieg gegen das französische Duo Sadio Doumbia/Fabien Reboul, sprechen beide über den Stand der Vorbereitung, eine Babypause und den deutschen Doppel-Nachwuchs.

Tim Pütz und Kevin Krawietz besprechen sich im Viertelfinale der BMW Open in München

Fotocredit: Imago

Nach einer Babypause haben Kevin Krawietz und Tim Pütz einiges aufzuholen. Die BMW Open dienen daher als hervorragendes Form-Barometer mit Blick auf das Sandplatz-Highlight der Saison: die French Open (ab 25. Mai live bei Eurosport und discovery+).
Nach dem Auftaktsieg gegen Robert Galloway/Yuki Bhambri (6:4, 7:6 (7:5)) machte das deutsche Top-Doppel gegen Sadio Doumbia/Fabien Reboul (6:3, 6:4) den Einzug ins Halbfinale in der bayrischen Landeshauptstadt perfekt.
Im Anschluss an die Partie sprach das Duo im exklusiven Interview mit Eurosport.de über Form-Fortschritt, Druck und den deutschen Doppel-Nachwuchs.
Das gesamte Interview gibt es hier.
Kevin Krawietz und Tim Pütz: Sie spielen ein gutes Frühjahr, konnten bei den Australian Open ins Halbfinale vorstoßen und liegen hier in München nach zwei Siegen voll auf Kurs. Wie bewerten sie ihre bisherige Saison?
Kevin Krawietz: "Man ist erstmal happy damit, hier am Samstag ein Halbfinale zu spielen und zwei Partien gewonnen zu haben. Allerdings waren die letzten Wochen etwas zäh. Bei mir war eine Babypause drin und dadurch haben wir sehr wenige Spiele gemacht. Das hat man in der ersten Runde auch gemerkt. Heute war es aber eine deutliche Leistungssteigerung. Es ist diese Woche das Ziel, zurück zu unserem Spiel zu finden und am besten noch zwei Siege und damit den Titel zu holen."
Apropos Babypause: Lag der Fokus in den anderthalb Monaten ausschließlich auf dem Privaten oder wurde auch am Spiel gearbeitet?
Tim Pütz: "Der Jahresauftakt war sehr intensiv, nachdem wir eigentlich kaum Pause nach der vergangenen Saison gemacht haben. Deswegen war ich am Anfang viel zu Hause, habe weniger trainiert und erst in Richtung Turnierstart wieder versucht nach und nach das Spiel aufzubauen. Es wäre selbstverständlich schön, wenn alles perfekt laufen würde, aber auf der anderen Seite ist es wichtiger, dass wir in Paris in Top-Form sind."
Krawietz: "Bei mir war es auch ein bisschen was von beidem. Eine so lange Zeit hat man in einem normalen Jahr nur ganz selten ohne ein Turnier. Deswegen habe ich versucht, erst mal runterzukommen und entspannt zu machen. Gleichzeitig denkt man dann aber trotzdem: 'Jetzt muss ich wieder trainieren.' Natürlich war die Geburt dann das Highlight, aber ich habe versucht, den richtigen Mix aus Training und Privatem zu finden."
Wir hatten jetzt eine relativ lange Pause voneinander, in der wir fünf, sechs Wochen kein Turnier gespielt haben. In der Zeit sind natürlich einige Dinge eingerostet, die wir jetzt versuchen, wieder hinzubekommen.
Wie gelingt einem da die richtige Balance?
Krawietz: "Speziell bei einer Geburt kann man das nicht so richtig timen, weil du logischerweise nicht weißt, wann es passiert. Ich habe am Anfang anderthalb Wochen fast kein Tennis gespielt. Dann habe ich langsam versucht, wieder Fitness aufzubauen und jeden Tag zu trainieren. Dann kam meine Tochter auf die Welt. Das hat alles für ein paar Tage unterbrochen."
Mit Blick in Richtung Roland-Garros: Wo seht ihr euch gerade in eurem Spiel auf Sand?
Krawietz: "Es ist auf jeden Fall noch Steigerungspotenzial da, wenn wir nur von Monte Carlo und München reden. Das Masters war nicht so gut. Hier in München haben wir im Viertelfinale gegen Doumbia/Reboul ein solides Match gezeigt, aber ich glaube, dass wir immer noch besser spielen können. Von daher ist es schwer einzuschätzen. Wir müssen abwarten, an unseren Sachen arbeiten und unter Wettkampfbedingungen herausfinden, wie wir unsere Punkte auf Sand machen können. Das ist einfach etwas anderes als auf den schnellen Hartplätzen, weil man mehr spielen muss und mehr Ballwechsel hat. Schlussendlich wollen wir ja zum Peak, bei den French Opern, aus dem Vollen schöpfen und mit Selbstbewusstsein antreten."
Pütz: "Eigentlich sind wir sehr gut unterwegs. Es ist noch eine Weile hin bis zu den French Open, was das Turnier hier übrigens nicht schmälern soll - schließlich ist München ja seit diesem Jahr ein 500er. Aber trotzdem sind wir noch am Anfang der Sandplatzsaison. Wir hatten eine relativ lange Pause voneinander, in der wir fünf, sechs Wochen kein Turnier gespielt haben. In der Zeit sind einige Dinge eingerostet, die wir jetzt versuchen wieder hinzubekommen. Das geht am besten in dem man Matches spielt. Deswegen sind wir glücklich, dass wir in München mindestens drei Spiele haben."
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Kevin Krawietz (vorne) und Tim Pütz bei den BMW Open in München

Fotocredit: Getty Images

In welchen Bereichen müsst ihr euch vor Paris konkret verbessern?
Krawietz: "Wahrscheinlich die Aufschlagspiele. Da müssen wir es bis zu den French Open schaffen, dass wir unsere Spots treffen und die nicht um einen oder anderthalb Meter verfehlen, was dem Gegner dann einen leichten Return in den Schläger legt. Bei unserem eigenen Return brauchen wir saubere Kontakte. Das sind sehr simple Sachen, aber eben auch extrem wichtige."
Gibt es momentan jemanden in der Doppel-Konkurrenz, auf den ihr schauen müsst oder konzentriert ihr euch voll auf euch selbst?
Krawietz: "Grundsätzlich wissen wir, wie stark wir sind. Wir haben letztes Jahr die ATP-Finals gewonnen. Bei den Australian Open standen wir im Halbfinale und sind gegen die Nummer sechs und die Nummer drei der Welt ausgeschieden. Deswegen ist eigentlich klar, dass wir jeden schlagen können, auch wenn man immer ein oder zwei Paare im Blick hat. Aber es bleibt dabei, dass wir konkurrenzfähig sind, wenn wir unsere Leistung abrufen. Von daher versuchen wir, uns auf uns selbst zu konzentrieren."
Pütz: "Ich finde nicht, dass wir irgendwo groß hinschauen müssen. Das bringt auch nichts, weil die Leistung entscheidend ist. Insofern ist es egal, ob man die deutsche Nummer eins, die Drei oder irgendein international zusammengewürfeltes Doppel ist. Man muss sich auf der Tour bewähren, was wir jetzt über viele Jahre geschafft haben. Da bringen die Vergleiche mit anderen nichts."
Das ATP-Turnier in München ist erstmals in die 500er-Kategorie hochgestuft worden. Ihr habt hier beide schon in früheren Jahren Erfolge feiern können. Welchen Stellenwert haben die BMW Open für euch?
Pütz: "München ist ein Superturnier und das war es auch schon immer. Dieses Jahr haben wir auch endlich mal gutes Wetter, was nicht selbstverständlich ist. Ich habe hier ein paar Jahre gelebt und habe noch viele Freunde. Deswegen ist der Stellenwert noch einmal höher - vor allem, weil es in Deutschland nicht so viele Turniere gibt. Wenn ich mich nicht irre, spielen wir pro Jahr vier Events auf deutschem Boden. Dementsprechend ist es jedes Mal ein Highlight. Nichtsdestotrotz ist es aber ein Vorbereitungsturnier auf die French Open, wo dann alle in Top-Form sein wollen - auch wenn das blöd klingt."
Ich weiß gar nicht, wie viele Spieler wir in der Qualifikation für die French Open haben. Da könnte in Zukunft auf jeden Fall noch mehr passieren.
Justin Engel und Max Rehberg haben im Doppel in München in der ersten Runde die an zwei gesetzten Marcel Granollers/Horacio Zeballos geschlagen. Wie schätzt ihr die Nachwuchssituation im DTB ein?
Krawietz: "Das ist bei uns im Doppel echt sehr positiv momentan. Wir haben einige gute Paare, die nachkommen. Mit Mark Wallner und Jakob Schnaitter, die Engel/Rehberg (im Viertelfinale in München, Anm. d. Red.) geschlagen haben, oder Constantin Frantzen und Hendrik Jebens (gehen seit Anfang Februar getrennte Wege, Anm. d. Red.) gibt es vier junge Spieler, die sich dem Doppel verschrieben haben und das macht Bock. Natürlich will man die trotzdem schlagen, wenn man gegeneinander auf dem Platz steht. Aber für die Zukunft des deutschen Tennis ist es cool zu sehen, dass es Nachwuchs gibt. Auch Rehberg/Engel haben in München gezeigt, was im Doppel möglich ist. Granollers/Zeballos war jahrelang ein Spitzen-Duo, dem momentan aber ein Stück weit das Selbstvertrauen fehlt. Das gibt dann eben zwei Youngstern, die das Publikum mitnehmen, die Chance, auf eine Überraschung, auch wenn sie einen unorthodoxen Doppel-Stil spielen."
Wo muss sich die Nachwuchsförderung in Deutschland noch verbessern?
Krawietz: "Wie ich gesagt habe, ist die Entwicklung im Doppel sehr positiv und auch im Einzel kommt mit Justin Engel und Diego Dedura etwas nach. Trotzdem ist das nach oben immer noch ausbaufähig. Ich weiß gar nicht, wie viele Spieler wir in der Qualifikation für die French Open haben. Da könnte in Zukunft auf jeden Fall noch mehr passieren. Woran das im Detail liegt, kann ich nicht sagen. Aber es gibt einfach andere Nationen, die da deutlich mehr Spieler stellen."
Pütz: "Besser geht es immer, da kann ich Kevin zustimmen. Aber gerade im Doppel haben wir immer mehr Spieler, die sich früher für diese Schiene entscheiden. Als wir beide Mitte 20 waren, hat kaum jemand gesagt: 'Ich werde jetzt Doppel-Spieler.' Da gibt es jetzt einige Gegenbeispiele wie Schnaitter/Wallner. Für uns ist das cool zu sehen, weil es ja irgendwie auch ein Kompliment für uns ist, dass es Teams gibt, die versuchen, in unsere Fußstapfen zu treten. Das sind alles tolle Jungs. Wir verbringen gerne Zeit mit ihnen und helfen, wo wir können - auch wenn wir auf der anderen Seite natürlich noch unsere eigene Karriere weiterverfolgen. Wir sind also noch nicht im Ältestenrat."
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Die deutsche Doppel-Spitze: Kevin Krawietz und Tim Pütz

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Im Tennis geht es schnell bergauf, aber auch bergab. Ihr steht als deutsches Top-Duo zusätzlich im Fokus der Öffentlichkeit. Wie geht ihr mit dem Druck um?
Krawietz: "Man macht sich selbst immer Druck, das kann man gar nicht vermeiden. Aber damit können wir mittlerweile umgehen, weil wir auch erfahren genug sind. Wir wissen, dass wir viele Gegner schlagen, wenn wir unsere Sachen durchziehen. Insofern gehen wir in jedes Match mit breiter Brust. Aber klar kann es schnell bergab gehen, wenn man nur larifari trainiert und während der Partie eine schlechte Einstellung hat."
Pütz: "Der Druck ist da, aber ich finde nicht, dass das etwas Negatives ist. Es ist ein großes Kompliment, wenn man wie hier in München auf dem Court 1 vor vollen Zuschauerrängen spielt. Klar bringt das einen gewissen Druck mit sich, aber den machen wir uns selbst auch ohne die äußeren Einflüsse. Wir haben jetzt auch einige Jahre gehabt, um uns daran zu gewöhnen. Es gehört eben einfach dazu, wenn man eines der besten Doppel der Welt ist. Da erwartet die Öffentlichkeit, dass man Titel holt - bei Sascha (Alexander Zverev, Anm. d. Red.) ist das ja auch so."
Ihr nehmt Druck also eher als eine positive Motivation wahr?
Krawietz: "Ich finde schon. Man schaut ja trotzdem nach vorne, was die nächsten Ziele sind und denkt nicht darüber nach, was passiert, wenn man abrutschen sollte."
Das große Ziel ist in dieser Saison ein Grand-Slam-Sieg, aber welche Meilensteine könntet ihr noch erreichen, damit das Jahr für euch am Ende ein Erfolg ist?
Krawietz: "Wir wollen am Jahresende natürlich wieder unter den besten Acht stehen und bei den ATP-Finals dabei sein. Wenn das klappt, wissen wir, dass die Saison nicht so schlecht war, weil es ein paar Highlights gegeben haben muss."
Wenn die Eintracht gegen Struffis BVB oder Kevins FC Bayern verliert, ärgert mich das nicht so sehr. Gleichzeitig kann ich aber ganz gut austeilen, wenn die Eintracht mal gewinnt.
Herr Krawietz, sie sind Fan des FC Bayern München. Herr Pütz, sie unterstützen Eintracht Frankfurt. Zwischen den beiden Teams gab es in den letzten Jahren einige enge Duelle. Gibt es da im Training mal den einen oder anderen Spruch?
Krawietz: (lacht) "Es geht eigentlich. Man muss sagen, dass ich ein größerer Bayern-Fan bin, als Pützi das bei der Eintracht ist. Ohne etwas falsch sagen zu wollen, aber er ist mehr Frankfurt-Sympathisant und kein wirklich krasser Fan, deswegen hält sich das in Grenzen. Mit Struffi (Jan-Lennard Struff, Anm. d. Red.) und Borussia Dortmund gibt es das schon öfter, aber mit Pützi geht es."
Pütz: "Ich würde dem Kevin Unrecht tun, wenn ich mich da mit ihm vergleiche. Er ist ein richtiger Fan und ich verfolge das eher mit ein bisschen Abstand. Ich mag die Eintracht, weil ich in Frankfurt trainiere, als Kind im Stadion war und fast mein ganzes Leben dort gelebt habe. Aber ich hätte momentan akute Probleme, den Kader aufzuzählen. Da sind Kevin und Struffi wesentlich näher dran und emotional deutlich investierter. Für mich ist das aber eine ganz angenehme Situation. Wenn die Eintracht gegen Struffis BVB oder Kevins FC Bayern verliert, ärgert mich das nicht so sehr. Gleichzeitig kann ich aber ganz gut austeilen, wenn die Eintracht mal gewinnt."
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Highlights: Gauff erteilt Seidel eine Lehrstunde

Quelle: Eurosport


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