"Wir haben uns entschieden, aufgrund von Regeln, die uns zugesandt wurden, hierher zu kommen. Dann kamen wir an und erhielten Informationen und ein Regelbuch mit mehr und neuen Regeln, von denen wir nichts wussten", hielt Bencic auf Twitter mit ihrem Ärger über den Australian-Open-Veranstalter Tennis Australia nicht hinterm Berg.
Die Schweizerin betonte auch, dass sie sich "nicht darüber beschwere, in Quarantäne" gehen zu müssen. "Wir beschweren uns über die ungleichen Trainings- und Spielbedingungen vor ziemlich wichtigen Turnieren."
Sorana Cirstea, derzeit an Position 71 der Weltrangliste notiert, äußerte sich ganz ähnlich. Die Rumänin kritisierte nicht die Quarantäne selbst, wohl aber die Folgen für diejenigen, die ihre Hotelzimmer 14 Tage lang nicht verlassen dürfen.
Australian Open
Rückschlag für Kerber: Strikte Quarantäne nach Coronafällen im Flugzeug
16/01/2021 AM 08:54

Klartext von Cirstea: "Das ist das Problem"

"Ich habe keine Probleme, 14 Tage im Zimmer zu bleiben und Netflix zu schauen", so die Rumänin. "Wir können aber keinen Wettbewerb spielen, nachdem wir 14 Tage auf der Couch geblieben sind. Das ist das Problem, nicht die Quarantäneregel."
Dazu postete Cirstea eine Mitteilung von Craig Tiley, Geschäfstführer von Tennis Australia, der den Profis im Oktober 2020 ein Versprechen gegeben hatte. "Es wird nicht passieren, dass die Profis vor dem Beginn ihrer Saison zwei Wochen lang in einem Hotel festsitzen. Du kannst von den Spielern und Spielerinnen nicht verlangen, zwei Wochen in Quarantäne zu gehen, um dann rauszukommen und bereit zu sein, ein Grand-Slam-Turnier zu spielen."
Das könnte aber passieren.
Die Australian Open beginnen in drei Wochen, am 8. Februar. Profis, die bis zum kommenden Wochenende positiv getestet werden oder in engem Kontakt mit einer solchen Person standen oder stehen, müssten zwei Wochen auf ihrem Zimmer bleiben und dann direkt ins Turnier starten.

Kerber muss sich 14 Tage im Zimmer isolieren

Unsicher ist auch, in welchem Maße sich Spielerinnen wie Angelique Kerber auf das Mega-Event im Melbourne Park vorbereiten können.
Wie das Management der dreifachen Grand-Slam-Turniersiegerin dem "SID" bestätigte, gehört Kerber zu der Gruppe von 47 Profis, die von den Behörden nach der Einreise in strikte Quarantäne geschickt wurde. Nach der Ankunft von zwei Flügen, darunter auch der von Kerber aus Abu Dhabi, waren insgesamt drei Personen positiv getestet worden.

Australian Open 2020 | Angelique Kerber

Fotocredit: Getty Images

"Wir sind informiert worden, dass eine Person unseres Fluges einen positiven Test hatte. Als Konsequenz muss sich jeder an Bord 14 Tage in seinem Zimmer isolieren", schrieb Kerber bei "Twitter".
Bei dieser Person handelt es sich offenkundig um Sylvain Bruneau, den Trainer der ehemaligen US-Open-Siegerin Bianca Andreescu.
Der Kanadier gab am Samstag in einem Statement bekannt, er sei "soeben positiv getestet worden, nachdem ich aus Abu Dhabi angereist war. Ich bin extrem betrübt und bedauere die Konsequenzen, die nun auf den Schultern aller liegen, die meinen Flug mit mir teilen."
Ob der ursprüngliche Plan, dass die Sportlerinnen und Sportler während der obligatorischen Quarantäne für maximal fünf Stunden am Tag trainieren dürfen, so umgesetzt werden kann, ist fraglich.
Für Kerber und die 46 weiteren Profis, die auf den beiden Flügen mit Coronafällen waren, ist das nun verboten.

Oswald spricht von "Wahnsinn"

Sehr deutlich wurde auch der österreichische Doppelspezialist Philipp Oswald, der ebenfalls in einem der beiden betroffenen Flieger saß, und den Kollegen von tennisnet.com nach der Ankunft in Melbourne ein telefonisches Interview gab.
"Heute kam die Mail, dass unser Flug quasi verseucht war und wir alle jetzt zwei Wochen eingesperrt werden. Das war natürlich ein Schock", so der 34-Jährige.
Es sei "ein Wahnsinn, dass wir nicht trainieren können. Die Bedingungen in der Quarantäne sind auch nicht weltklasse, aber man hat ja irgendwo für alles Verständnis."
Darüber hinaus bemängelte Oswald, dass "ein paar Spieler in Adelaide trainieren dürfen und wir in Melbourne einkaserniert werden - insbesondere natürlich die Spieler, die in den zwei 'Corona-Fliegern' waren".

Djokovic, Nadal, Thiem und Williams nicht in Melbourne

Topstars wie Novak Djokovic, Rafael Nadal, Dominic Thiem oder Serena Williams verbringen aufgrund von Platzmangel in den Hotels ihre Quarantäne nicht in Melbourne, sondern in Adelaide. In der dortigen Bubble, teilten die Veranstalter mit, gebe es keinen aktiven Fall.
Von Chancengleichheit könne keine Rede sein, sagte indes Oswald.
"In Wahrheit herrscht während der gesamten Saison keine hundertprozentige Chancengleichheit. Die Topstars werden immer bevorzugt. Irgendwo haben sie sich das aber auch verdient, weil sie das Geld hereinspielen und von ihnen die gesamte Tour lebt. Normalerweise haben die Spieler mit dieser Hierarchie kein Problem, denn da geht es darum, dass Rafa oder Domi zur besten Zeit am Centre Court trainieren dürfen. Jetzt dürfen sie von Haus aus mehr trainieren", erläuterte Oswald.
Dennoch sei speziell die aktuelle Lage im Vorfeld der Australian Open "echt unfair, wenn man es objektiv betrachtet".
Das sei "aber der Spagat, den Tennis Australia schaffen muss". Es wird sehr interessant zu beobachten sein, ob das tatsächlich gelingt oder aber sich der Wettbewerb zur Farce entwickelt.
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